Interview mit Dieter Westerkamp

Von cyber-physischen Systemen und Industrie 4.0

Wir haben mit Dieter Westerkamp, Geschäftsführer der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik, über das Berufsziel Ingenieur und aktuelle Trends in der Automation gesprochen.

Herr Westerkamp, zunächst zu Ihnen persönlich.  Beschreiben Sie kurz den Moment an dem sie gemerkt haben, dass Sie Ingenieur werden wollten.
Ich komme aus einem „Ingenieur-Elternhaus“, von daher gehörte Technik für mich von Anfang an einfach dazu.  Ich hatte schon immer Lust auf alles was mit Technik zu tun hat. Entsprechend waren auch Schulfächer wie Physik, Mathematik usw. für mich spannend.  Im Prinzip wusste ich schon mit 14 Jahren, dass ich Ingenieur werden möchte. Allerdings sind in meiner Familie nahezu alle Maschinenbauingenieure, so dass ich als Ingenieur der Elektrotechnik schon ein wenig „aus der Art geschlagen“ bin.

Wie kamen Sie zum VDI?
Die Stellenanzeige hatte ich damals in den VDI nachrichten entdeckt. Der Job passte fachlich sehr gut zu mir. Fasziniert haben mich von Anfang an die vielseitigen Aufgabenstellungen im VDI: Regelsetzung mitgestalten, Netzwerke pflegen und einfach die Möglichkeit, mit vielen Menschen gemeinsam Dinge anfassen und bewegen zu können. Das empfinde ich damals wie heute als sehr spannend und ich glaube, dass das den meisten Kolleginnen und Kollegen hier ähnlich geht.

Die  Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik (GMA) koordiniert alle Aktivitäten des VDI und des VDE im Bereich der Mess- und Automatisierungstechnik sowie den optischen Technologien. Was heißt das konkret?
Westerkamp: Wir stellen neutrale Plattformen zur Verfügung, an denen man sich beteiligen kann. Unsere Gremien greifen aktuelle Themen auf, etwa cyber-physische Systeme, Industrie 4.0, Computertomografie in der Messtechnik oder bei optischen Technologien die LED-Beleuchtung. Wir moderieren die Themen, die in der aktuellen Diskussion sind. Dazu bringen wir Vertreter der Wissenschaft, der industriellen Entwicklung und Anwendungen an einen Tisch, um vernünftige Lösungen für anstehende Herausforderungen zu entwickeln. Wir unterstützen keine proprietären Lösungen, sondern erarbeiten und veröffentlichen allgemein anerkannte Regeln der Technik. Zentrales Ereignis des GMA-Netzwerks ist der jährliche Kongress AUTOMATION in Baden-Baden, der in diesem Jahr am 25./26. Juni stattfinden wird.

Das Ergebnis der GMA-Aktivitäten sind also technische Richtlinien?
Westerkamp: Genau. Unsere rund 1.500 ehrenamtlichen Experten aus Industrie, Forschung und Lehre in 75 Fachgremien erarbeiten etwa 50 VDI/VDE-Richtlinien jedes Jahr. Das reicht von IT-Sicherheit in der Automatisierungstechnik über die Prüfmittelüberwachung bei Messschiebern bis zum Design von Bildschirmen für eine optimale Prozessführung.

Ist die Bedeutung der optischen Technologien und die der Automatisierungstechnik Ihrer Meinung nach bereits im Bewusstsein der Öffentlichkeit tief genug verankert?
Westerkamp: Nein, leider noch nicht. Was Automatisierung im privaten und im beruflichen Umfeld leistet, versuchen wir mit unserer Broschüre „Die Zukunft kommt ganz automatisch“ zu zeigen. Auf www.vdi.de/ganz-automatisch bieten wir zudem per Video, Bild und Text Laien einen Überblick über Automatisierungstechnik im Alltag. Ein weiteres Beispiel ist das Thema Beleuchtung: Der Endverbraucher ist über LEDs, die dazu gehörenden Leuchten, ihre Möglichkeiten und ihre Eigenschaften häufig nicht ausreichend informiert. Wir werden uns diesem Thema deshalb sehr intensiv widmen, der Öffentlichkeit weitergehende Informationen über diese Technik zur Verfügung stellen.

Industrie 4.0 ist ein neuer Arbeitsschwerpunkt der GMA. Wie sehen Sie da die Perspektiven? Welche Rolle spielt der VDI  hier?
Westerkamp: Wir sehen Industrie 4.0 als nächste Stufe der Automation auf Basis fast unbegrenzt zur Verfügung stehender Informationen und Vernetzungen. Die Vision: Ein Werkstück bringt zur Maschine Informationen mit, wie es bearbeitet werden will, die Maschine führt diese Arbeiten aus und teilt gleichzeitig anderen ihren Auslastungs- und Wartungszustand mit, und Menschen können dank IT-Unterstützung höherwertige Arbeiten verrichten als heute. Industrie 4.0 weckt Erwartungen und Hoffnungen an die Annäherung zwischen Produktion, Automation, Elektronik sowie Informations- und Kommunikationstechnik. Am Standort Deutschland soll dies zu einer flexiblen und nutzerorientierten Automation führen, zu einem zentralen Wirtschafts- und Wettbewerbsfaktor werden. Noch sind zugehörige Gremien in der Gründungsphase. Doch fest steht schon: Unsere Experten der GMA werden sich aktiv in das Projekt Industrie 4.0 einbringen.


Bild: VDIDieter Westerkamp studierte Elektrotechnik in Hannover und schloss sein Studium  1993 ab. Nach einem Traineeprogramm war er Projektmanager im Bau von Abwasser- und Automobilfertigungsanlagen. 1998 kam er zum VDI und übernahm die Betreuung von Aktivitäten der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik. 2002 übernahm er deren Geschäftsführung. Heute ist er zusätzlich in der Bereichsleitung des Bereichs Technik und Wissenschaft im VDI tätig.

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