So entstanden die VDI-Richtlinien

Happy Birthday: 129 Jahre VDI-Richtlinien

VDI-Richtlinien sind heute aus der Praxis der Experten gar nicht mehr wegzudenken. Aber wie fing die Arbeit an VDI-Richtlinien eigentlich an?

Bild: VDI

1884 erschien die erste VDI-Richtlinie. Der Verein Deutscher Ingenieure war damals gerade 28 Jahre alt. Der Ingenieur, Technikhistoriker, Dampfmaschinenexperte und spätere Direktor des VDI, Conrad Matschoß, war gerade mal 13 Jahre alt. In Frankfurt am Main wurde der erste Abschnitt einer elektrischen Straßenbahn eröffnet, Kaiser Wilhelm I. legte den Grundstein für das Berliner Reichstagsgebäude und Ludwig Boltzmann begründete das Gesetz über die Gesamtstrahlungsleistung.

Dampfkessel und Dampfmaschinen
Zu dieser Zeit waren Dampfmaschinen in Deutschland nichts Ungewöhnliches mehr. Sie hatten in vielen Bereichen der Produktion Einzug gehalten. 1881 entschlossen sich die Ingenieure des VDI wahrscheinlich auf der ordentlichen Hauptversammlung in Stuttgart, etwas für die Vergleichbarkeit von Investitionsgütern zu tun. Eine regelmäßige Untersuchung der Ventile, Rohre und Kessel schien ihnen angebracht. Die Leistung der Maschinen sollte vergleichbar sein. „Die gemeinsame Commission des Vereins deutscher Ingenieure und des Verbandes der Dampfkessel-Ueberwachungsvereine“ nahm ihre Arbeit auf.

Vom Entwurf zur Richtlinie
Ihren ersten Text veröffentlichten sie im Jahr 1882 in der „Wochenschrift des Vereins Deutscher Ingenieure“. Das war eine kleine Zeitung, die an alle Mitglieder zugestellt wurde. Interessant ist aber vor allem eines: Die VDI-Ingenieure stellten ihre Ergebnisse zunächst als Entwurf vor. Sie wollten aus der Leserschaft noch Verbesserungen und Korrekturen haben. Eine Vorgehensweise, die wir als anerkannter Regelsetzer heute „öffentliches Einspruchsverfahren“ nennen. Wie viele Einsendungen sie bekamen, ist heute nicht mehr bekannt. Bekannt ist aber, dass der überarbeitete Text am 08. März 1884 in der „Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure“ veröffentlicht wurde. Das war die zweite Mitgliederzeitung, die an damals 5177 VDI-Mitglieder ging. Der etwas unhandliche Titel dieser ersten VDI-Richtlinie lautete „Grundsätze und Anleitung für die Untersuchung an Dampfkesseln und Dampfmaschinen zur Ermittlung ihrer Leistungen“. Der Startschuss für die Erfolgsgeschichte der VDI-Richtlinien war damit gegeben.

Bild: VDI-Archiv
Der VDI und sein VDI-Richtlinienwerk haben die Zeit nicht nur überdauert, sondern genießen heute eine große Anerkennung. Ob noch Inhalte der ersten VDI-Richtlinie in zum Beispiel der heute gültigen VDI/VDE 3500 „Begrenzungsregelungen in konventionellen Dampfkraftwerken“ zu finden sind, ist nicht bekannt. Aber der Geist der Ingenieure von damals, technische Standards zu erstellen und zu veröffentlichen – von Ingenieuren für Ingenieure –, ist in der heutigen Satzung des Vereins zu finden.

Über den Autor:

Bild: VDIBernd Lenhart machte nach seinem Maschinenbaustudium in Duisburg eine Zusatzqualifikation zum Technischen Redakteur. 1999 kam er zum VDI und übernahm 2002 die Leitung der Redaktion VDI-Richtlinien. Heute ist er zusätzlich in der Bereichsleitung des Bereichs Technik und Wissenschaft im VDI tätig.

Kommentare & Pingbacks

2 Gedanken zu “Happy Birthday: 129 Jahre VDI-Richtlinien

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*