Großprojekte: Kommunikation ist das A und O

Leitlinien für eine neue Dialogkultur

Beim VDI-Symposium in Berlin diskutierten gestern Abend Experten zum Thema „Infrastruktur für unsere Zukunft“. Zu Gast war unter anderem Bundesumweltminister Peter Altmaier.

Bild: Jens Schicke

 

„Wenn die Bürger in Deutschland den Nutzen von Infrastrukturprojekten nicht frühzeitig und klar erkennen können, werden wir mit Großprojekten auch weiterhin scheitern“; so das deutliche Credo von VDI Direktor Dr. Willi Fuchs gestern Abend in Berlin. Der Verein Deutscher Ingenieure hatte zu einem Symposium mit dem Thema „Infrastruktur für unsere Zukunft“ eingeladen, zu dem über 140 Experten aus Politik, Behörden, Wirtschaft und anderen Verbänden gekommen waren. Auf diesem Symposium erschien dann auch eine gleichnamige Stellungnahme des VDI in der er eine neue Dialogkultur zwischen Behörden, Unternehmen und der Öffentlichkeit fordert.

Kommunikation ist und bleibt das A und O
Fuchs erläuterte in seiner Rede die Notwendigkeit zum Ausbau und zur Erneuerung der Infrastruktur in Deutschland. Dies sei aber nur dann erfolgreich umsetzbar „wenn alle Beteiligten frühzeitig, transparent und auf gleicher Augenhöhe miteinander kommunizieren“, so der VDI-Chef. Dafür hat der Verein im Rahmen der Stellungnahme Leitlinien entwickelt und will sie nun gemeinsam mit Vorhabenträgern umsetzten.

„Für die Zukunft brauchen wir Lösungen“
Bundesumweltminister Peter Altmaier, der die Keynote auf der Veranstaltung im DBB-Form hielt, gratulierte dem VDI zu der Stellungnahme. Vor dem Hintergrund der Energiewende und den damit insbesondere für die Bürgerinnen und Bürger verbundenen Belastungen und Veränderungen, so Altmaier, sei eine frühe und dauerhafte Bürgerbeteiligung absolut unumgänglich. Die Energiewende ersetze bis 2022 eine überkommene Energieinfrastruktur. „Für die Zukunft brauchen wir Lösungen, von denen wir heute noch nicht einmal den Schimmer einer Ahnung haben. Diese Lösungen müssen wir den Menschen so erklären, dass sie sie verstehen und zum Nutzen für alle für notwendig halten, “ so der Bundesumweltminister. „Sie als Ingenieure können mit dazu beitragen, dass die Politik dabei nicht zu spät kommt, sondern früh genug aufsteht.“

Die komplette Stellungnahme zum Download finden Sie auf unserer Homepage. Wir werden uns dem Thema auch noch einmal ausgiebig auf dem Deutschen Ingenieurtag widmen.

Autor: Marco Dadomo
Aufgabe beim VDI: Für den VDI sprechen
Position beim VDI: Pressesprecher
Interessensfelder: mein Job, viel reisen und gut essen

 

 

Fotostrecke vom Symposium:

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2 Gedanken zu “Leitlinien für eine neue Dialogkultur

  1. Der Dialog ist ein vernünftiger Weg. Es geht aber nicht allein darum, dem Bürger etwas zu erklären. Auch umgekehrt soll die Politik dem Bürger besser zuhören, um Irrwege zu vermeiden. Die Schwarmintelligenz des Bürgertums hat in Aachen dazu geführt, dass eine falsch geplante Maßnahme, die Campusbahn, verhindert werden konnte. Fast der gesamte Rat war dafür. Ein Ratsmitglied, ein Ingenieur, aber war dagegen und konnte seine Gründe dafür sehr gut erklären. Die Bürger hatten verstanden, seine Ratskolleginnen und -Kollegen nicht.

  2. Das dem Bürger seitens der Politik mehr Gehör geschenkt werden muss, steht außer Frage. Jedoch ist die Schwarmintelligenz oder „Weisheit der Vielen“ nicht das geeignete Mittel um politische Entscheidungen herbeizuführen. Das Schwarmverhalten vieler Leute läuft meistens darauf hinaus, einfach „mitzuschwimmen“ – entweder dagegen oder dafür. Eine dezidierte Meinung und ernstgemeinte politische Partizipation entsteht daraus nur in den seltensten Fällen. Dies zeigt u.a. die geringe Beteiligung an Volksabstimmungen wie bei Stuttgart 21. Und noch etwas ist bedenkenswert: Auffassungen, die nicht der „Stromrichtung“ entsprechen, werden meistens isoliert oder sogar angefeindet. Daraus entsteht eine Verzerrung der öffentlichen Meinung, denn Menschen, die den Eindruck haben, ihre Auffassung gehöre nicht der Mehrheitsmeinung an, werden diese nicht mehr offen vertreten. Die Minderheitsmeinung verfällt so in Schweigen. Eine vernünftige Entscheidung geht somit nur aus einem offen ausgetragenen Dialog hervor, bei dem alle Standpunkte diskutiert werden. Der Schwarm ist für diesen rationalen Diskurs jedoch nicht empfänglich. Intelligent ist somit weniger der Schwarm, sondern vielmehr das einzelne Individuum. Die repräsentative Demokratie bleibt damit die einzige und vernünftige Form der Entscheidungsfindung. Wie oben im Artikel bereits erwähnt, ist und bleibt dafür Transparenz und Kommunikation das A und O. Aber Volksvertreter sollten der Bevölkerung nicht nach dem Mund reden und dem Schwarm erliegen.

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