Herstellungsverfahren 3-D-Druck

Pistolen aus dem Drucker?

Eine Bewertung der Zusammenhänge um die aktuelle Diskussion um Waffen aus dem 3-D-Drucker.

Das Thema 3-D-Drucker zieht ja in der Regel immer viele in seinen Bann. Was man damit alles machen kann…von Bauteilen über Modelle bis hin zu Modeschmuck, die Möglichkeiten sind riesig. Die meisten Menschen nehmen diese Möglichkeiten als positiv wahr.

Druckanleitung für Pistolen
Und jetzt kommt plötzlich ein Herr Cody Wilson aus den USA daher und veröffentlicht im Netz eine Anleitung nebst CAD-Zeichnung zum drucken einer Pistole.

Bild: Wikipedia

Für die Herstellung einer Waffe wird lediglich das eingerahmte Teil gedruckt. Alle anderen Teile können in den USA als Ersatzteile erworben werden.

 

Die Reaktion in den Medien war vorhersehbar: „Gefährliches Plastikpuzzle: Die Pistole aus dem 3-D-Drucker schießt“, „US-Student als Waffennarr:  Pistole aus dem 3-D-Drucker“ und ähnliche Überschriften  machen dem geneigten 3-D-Drucker-Interessierten eher Angst als Lust auf die vielen Möglichkeiten des Verfahrens. Galileo widmete dem Thema sogar seine Rubrik „100 Sekunden“.

Ist das 3-D-Drucken als solches zu gefährlich?
Jetzt scheint es für viele folgerichtig, das 3-D-Druckverfahren als solches als gefährlich und unverantwortlich zu beurteilen sowie entsprechende Horrorszenarien zu entwerfen. Aber so einfach ist das nicht. Das wurde mir klar, nachdem mir die Experten hier im VDI folgende Bewertung der Zusammenhänge gaben:

Herstellungsverfahren wird missbraucht
„Der Umstand, dass man heute aus CAD‐Daten (die z.T. im Internet zur Verfügung stehen bzw. von einigermaßen versierten Fachleuten generiert werden können) Waffen konstruieren kann, in Kombination mit den „einfachen“ und ohne Sachkenntnis anwendbaren Rapid‐Verfahren (hier speziell das 3‐D‐Drucken in Kunststoff) ermöglicht Laien, komplette Waffen aus Kunststoff herzustellen, die mit den klassischen Verfahren der Metalldetektion nicht zu erkennen sind. Deswegen darf man aber nicht das Herstellungsverfahren verurteilen. Es wird missbraucht, wie man jegliche andere Fertigungsverfahren missbrauchen kann; es ist nur eine Frage des finanziellen Aufwands bzw. der Sachkompetenz, der hier und heute auf ein sehr niedriges und „erschwingliches“ Niveau sinkt und den Zugang sehr erleichtert. Es ist selbstverständlich auch denkbar, eine solche Waffe aus einem Kunststoffklotz zu bohren und zu feilen, dazu benötige man lediglich Laubsäge, Feile und Bohrmaschine und ein gewisses handwerkliches Geschick. Die erreichbare Präzision reicht für einen Schuss genauso!“

Egal von welcher Seite aus man die Sache betrachtet, an einem Aspekt lässt sich nicht rütteln: Die Diskussion um Ethik und Verantwortung in Sachen Technik ist und bleibt immer aktuell.

Über die Autorin:
Eva Holden ist Referentin für Social Media und Internet beim VDI e.V. Im Rahmen Ihrer Tätigkeit kümmert sie sich rund um die Auftritte des VDI in facebook, Blogs, Twitter und Co.

Kommentare & Pingbacks

2 Gedanken zu “Pistolen aus dem Drucker?

  1. Wow, Herr Wilson hat eine Pistole gedruckt die eine Kapazität von genau einem Schuss hat (siehe –> Liberator) Alls was ich dafür brauche finde ich auch im Baumarkt… (Stichwort: zip-gun) und bin garantiert schneller fertig als der 3d Drucker.
    Findet ihr es da nicht ein wenig übertrieben als Stimmungsmache das Bild von einer industriell hergestellten (in Texas legalen) Schusswaffe hinzuzufügen?

  2. Danke für den Hinweis. Wir hatten an der Stelle die Bildunterschrift nicht freigeschaltet. Die ist jetzt aber da und erklärt das Bild ein wenig genauer.

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