Gerontotechnik® – Gestaltung technischer Produkte für alle Generationen

„Wer für das Alter plant, schließt die Jugend mit ein“

Im Zuge des demographischen Wandels und einem zunehmenden Anteil an älteren Menschen in der deutschen Bevölkerung werden altersgerechte und barrierefreie Produkte immer wichtiger.

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Gerontotechnik® – Gestaltung technischer Produkte für alle Generationen (Bild: Topro)

Ingenieure finden in der Gerontotechnik® neue Lösungswege zur Entwicklung entsprechender Produkte und Dienstleistungen, die nicht nur der Generation „50plus“ nützen, sondern auch das Leben der Jüngeren erleichtert. Wir haben mit Dipl.-Ing. Dieter Moll von der VDI-Gesellschaft Produkt- und Prozessgestaltung gesprochen, der an der Erarbeitung einer VDI-Richtlinie zur Gerontotechnik® beteiligt war.

Bild: VDIdieter-moll

Dipl.-Ing. Dieter Moll

Herr Moll, was versteht man unter Gerontotechnik®?
Der Ingenieur benötigt diese Technik, um Produkte zu entwickeln, die den heutigen, aber vor allem den zukünftigen Ansprüchen an Bedienkomfort und universeller Einsetzbarkeit, unabhängig von Leistungseinschränkungen der Nutzer, gerecht werden. Deshalb steht in der Planungsphase solcher Produkte der ältere Mensch im Fokus.

Was zeichnen gerontotechnische Produkte aus? Haben Sie Beispiele von solchen Produkten, die wir in unserem Alltag benutzen?
Ja, es gibt immer mehr Produkte, bei denen Prinzipien der Gerontotechnik® erkennbar sind. Die im Oktober erscheinenden Richtlinien des VDI und der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik (GGT) sollen helfen, dass die Prinzipien immer häufiger und vollständiger eingesetzt werden. Es gibt PKW oder Haushaltsgeräte, die viele Kriterien eines Universal Designs erfüllen, aber auch das E-Bike, das aufgrund seiner Antriebstechnik Fahrradfahren einem viel größerem Anwenderkreis erschließt, oder das universell an den Nutzer anpassbare Smart-Phone sind passende Beispiele. Sie werden aber niemals als gerontotechnisches oder altersgerechtes Produkt angepriesen werden, weil dies die Käufer gar nicht akzeptieren würden. Vielleicht wird das Gütezeichen „barrierefrei“ eines Tages gefragt sein.

Welche Bedeutung kommt der Gerontotechnik® in Zukunft zu?
Mit dem Durchschnittsalter steigen auch die Ansprüche der deutschen Bevölkerung an einfach zu handhabende komfortable Produkte und deren Umfeld. Produktentwickler haben das Thema Barrierefreiheit viel zu lange verdrängt und in eine Nische verbannt, aus der es jetzt mit aller Macht heraus muss. Mit den Prinzipien der Gerontotechnik® wird sich zukünftig jeder Produktmanager auseinandersetzen müssen.

In Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik® wurde 2010 der VDI/GGT-Gemeinschaftsausschuss Gerontotechnik® geschaffen. Welche Aufgaben und Ziele verfolgt er?
Wer für das Alter plant, schließt die Jugend mit ein. Dieses Motto der GGT möchte der VDI den deutschen Ingenieuren vermitteln, weshalb es zur Kooperation mit der GGT kam. Im Gremium arbeiten Experten aus ganz unterschiedlichen Disziplinen, um die gerontotechnischen Prinzipien mittels Richtlinien verfügbar zu machen. Nach den Produkten werden weitere Richtlinien für technische Dienstleistungen und Arbeitsplatz-Systeme entstehen.

Am 9. Oktober 2013 veranstaltet der VDI übrigens gemeinsam mit der GGT das Expertenforum „Gerontotechnik® – Gestaltung und Bewertung technischer Produkte für alle Generationen“ zu dem sich jeder Interessierte bereits heute anmelden kann. Dort wird auch die neue Richtlinie vorgestellt.

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