Kongress Elektronik im Fahrzeug 2013

Europa kann Leitmarkt für E-Mobilität werden

Nächste Woche findet am 16./17. Oktober findet in Baden-Baden der internationale Kongress “Elektronik im Fahrzeug” statt. Dort diskutieren Experten unter anderem über die nötige Infrastruktur für einen flächendeckenden Einsatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland. Wir haben einige der Experten vorab zum Thema Elektromobilität befragt, unter anderem Elmar Frickenstein von BMW.

Bild: privatFrickensteinStellen Sie sich bitte kurz in max. 140 Zeichen vor.
Bei BMW bin ich 1988 als Elektronik-Spezialist eingestiegen. Seit 2006 verantworte ich als Bereichsleiter die Entwicklung Elektrik/Elektronik und Fahrerlebnisplatz der BMW Group.

Womit beschäftigen Sie sich täglich?
Es geht mir stets darum, mit meinen Mitarbeitern unsere Visionen von Vernetzen Fahrzeug und von Elektromobilität in faszinierenden BMW-Produkten umzusetzen. Insbesondere weitreichende Ideen erfordern ein hohes Engagement und Beharrlichkeit, die sich z.B. in unserem aktuellen Angebot von BMW ConnectedDrive auszahlen – dies haben wir bereits vor 15 Jahren mit ersten Funktionen im Fahrzeug angeboten und dieses Jahr haben wir auf der IAA den BMW ConnectedDrive Store vorgestellt!

Was muss passieren, damit Deutschland das Ziel erreicht, bis 2020 eine Millionen Elektroautos auf die Straße zu bringen?
Im Rahmen der NPE (Nationalen Plattform Elektromobilität) wurde in einer Arbeitsgruppe unter Leitung von BMW prognostiziert, dass neben einer gewissen Bereitschaft der Kunden zu höheren Preisen zusätzlich unbedingt monetäre Anreize erforderlich sind.
Es sollte insbesondere eine für Kunden im Straßenbild sichtbare und nutzbare Schnellladeinfrastruktur für Gleichstromladen mit dem Combined Charging System (CCS) gefördert und aktiv aufgebaut werden. Damit sind 10km Reichweitengewinn pro Minute Ladezeit möglich! Im (semi-) öffentlichen Raum ist eine solche Ladeinfrastruktur wesentlich nachhaltiger als Wechselstrom: Deutlich weniger Ladestationen mit insgesamt niedrigeren Investitions- und Betriebskosten und einem höherem Stromabsatz ermöglichen erfolgsversprechende Geschäftsmodelle. Hier sind Investitionen der öffentlichen Hand sehr gut angelegt. Der Absatz von Elektrofahrzeugen wird darüber hinaus auch von der Attraktivität neuer Mobilitätsdienste beeinflusst, wie z.B. dem intermodalen Routing, bei dem unterschiedlichste Verkehrsmittel in die Routenplanung einbezogen werden.

Ist Europa für die flächendeckende Einführung von Elektroautos gerüstet?
Europa kann ein Leitmarkt für E-Mobilität werden, wenn Rahmenbedingungen dafür schnell umgesetzt werden:

  • Die Festschreibung und Umsetzung eines einheitlichen Ladesystems mit CCS (Combined Charging System) gemäß EU-Direktive für umweltfreundliche Kraftstoffe.
  • Ein länderübergreifendes Roaming für positiv erlebbares, komfortables Kundenladen mit offenem Zugang zu den Ladestationen.

Die derzeit vorhandene Situation zeigt noch kein homogenes Bild in Europa. Einige Länder sind in Infrastruktur und erreichten Zulassungszahlen viel weiter als Deutschland. Insgesamt besteht beim Thema Roaming und Zugang zu Ladestationen akuter Handlungsbedarf.

Wie sind ihre bisherigen persönlichen Erfahrungen mit Elektroautos?
Unsere MiniE und ActiveE-Studienergebnisse zeigen, dass man sich schnell an das Fahrgefühl der Elektrofahrzeuge im positiven Sinne gewöhnt. Auch die häufig in den Medien zitierte „Reichweitenangst“ hat sich – auch durch meine eigenen mehrwöchigen Erfahrungen mit einem BMW i3 – als unbegründet herausgestellt: Der Aktionsradius der Fahrzeuge und damit die Nutzungsmöglichkeit erweitert sich deutlich, wenn man die Möglichkeit zum schnellen Nachladen unterwegs nutzt. Ich selbst konnte dieses Umdenken auch bei mir feststellen: Über Nacht wird der i3 an der Wallbox zu Hause und tagsüber in der Firma geladen. Sehr komfortabel ist es, generell nicht mehr an Tankstellen fahren zu müssen und die Energie bequem zuhause über den Ladeanschluss zu bekommen oder kurz im Vorbeifahren an einer Schnellladestation. Ein „nerviges“ Thema ist generell das Ladekabel. Dies lässt sich zuhause mit festem Kabel an der Wallbox und unterwegs beim Gleichstromladen mit ebenfalls fest angeschlossenem Ladekabel abstellen. Für Wechselstromladen sind sonst mehrere unterschiedliche Ladekabel mitzuführen.
„Last but not least“ möchte ich natürlich noch erwähnen, dass das Fahren mit unserem i3 unserem Motto „Freude“ voll gerecht wird. Es ist ein wirklich beeindruckendes und auch angenehmes Fahrgefühl! Die Spitzenbeschleunigung aus dem Stand und die Energierückgewinnung bei leichter Verzögerung, durch die das Fahrzeug mit einem einzigen Pedal gefahren werden kann, tragen wesentlich dazu bei.

Übrigens: Am Dienstag, 15. Oktober, wird ab 15 Uhr das Pressegespräch am Vortag des Kongresses live übertragen.

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