Aufbereitung von Medizinprodukten

Gefahrlos wiederverwenden statt wegwerfen

Mit Krankheitserregern kontaminierte Medizinprodukte stellen ein Risiko für Anwender und Patienten dar, das es bei der Aufbereitung zu beherrschen gilt.

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Sauberkeit und Hygiene sind in der Medizin genauso wichtig wie die Funktion der jeweiligen Produkte. (Bild: BVMed-Bilderpool)

 

Im Krankenhaus wird man noch kränker, als man es vorher schon war. Diese ironische Feststellung beziehen viele von uns auf die dortige Verköstigung. Doch leider passiert es immer wieder, dass sich Patienten mit Keimen und Viren infizieren, deren Übertragung man durch eine fachgerechte Aufbereitung von Medizinprodukten nach VDI 5700 hätte vermeiden können.

Mehrweg in der Medizin
Zahlreiche Reformen im Gesundheitswesen haben den Kostendruck in Krankenhäusern erhöht, weshalb man auch hier bemüht ist, jedes Einsparpotenzial auszuschöpfen. Eine Möglichkeit ist der Einsatz wiederverwendbarer Medizinprodukte. Voraussetzung ist allerdings, dass durch die Aufbereitung sowohl eine technisch-funktionelle als auch eine hygienische Sicherheit sichergestellt werden kann. Aber genau in diesem Prozess können Gefährdungen auftreten, die uns hauptsächlich bekannt sind durch Schlagzeilen wie „Verunreinigtes OP-Besteck: Krankenhaus schließt Hygiene-Abteilung“.
Gefährdungen wie diese können zwar durch ein Risikomanagement nach DIN EN ISO 14971 erkannt werden, eine detaillierte Empfehlungen für die Anwendung gab es allerdings bislang nicht. Mit der VDI 5700 ist nun eine Richtlinie erschienen, die sowohl sehr konkret Gefährdungen bei der Aufbereitung von Medizinprodukten als auch Maßnahmen zur Risikobeherrschung aufgezeigt.

Wo lauern die Gefahren?
Die Gefahr einer Verletzung oder einer Infektion während des Aufbereitungsprozesses ist nur ein Aspekt unter vielen, den die Richtlinie behandelt. Weil sie sich ebenso gut bei der Entwicklung von Medizinprodukten anwenden lässt, werden auch die Gefährdungen berücksichtigt, die durch Veränderungen der mechanischen, chemischen, geometrischen, optischen elektrischen/elektronischen oder die Oberfläche betreffenden Eigenschaften auftreten können. Auch die toxische Belastung der Arbeitsumgebung oder Umwelt und Gefahren durch austretende Medien spielt bei der Aufbereitung eine wichtige Rolle, wie auch der VDI-Film „Gesundes Raumklima der Zukunft“ veranschaulicht:

Aufbereitung – Ökologisch und ökonomisch sinnvoll
Als zentrales Beispiel für die Anwendung der Inhalte wurde dabei ein Trokarsystem gewählt – ein Instrument für die minimal-invasive Chirurgie, das vermehrt auch als wiederverwendbare Variante auf dem Markt erhältlich ist.

Bild: http://www.bifa.de/userfiles/files/XHOSPI%20C%20110215%20Nördlingen.pdf - See more at: https://blog.vdi.de/2013/10/gefahrlos-wiederverwenden-statt-wegwerfen/#sthash.ulKIzdvu.dpufStiftungskrankenhaus_Nördlingen3_Trokar-Aufbereitung_VDI5700_Blog_702x363

Produktlebensweg Mehrweg-Trokar – Aufbereitung in Sterilisation
(Quelle: http://www.bifa.de/userfiles/files/XHOSPI%20C%20110215%20Nördlingen.pdf)

 

Dass sich dies lohnt, zeigt ein Beispiel aus dem Stiftungskrankenhaus Nördlingen. Im Jahr 2009 wurden dort 108 Einweg-Trokare eingesetzt bei jährlich 529 Operationen. Bei der Verwendung von Einweg-Trokaren spart man zwar 3.419 l Wasser für die Aufbereitung, verursacht aber eine Abfallmenge von 44,4 kg und die Gesamtkosten belaufen sich auf 85.570 Euro. Mit 1.584 Euro sind die Gesamtkosten der Mehrweg-Version bei über 500 OPs fast zu vernachlässigen! Ebenso wie die 1,7 kg Abfall, die sie durch die Aufbereitung noch verursachen.

Bild: privatIris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

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