World Standards Day 2013

Leiden wir an Überregulierung?

Der 14. Oktober ist World Standards Day 2013. Grund genug, sich einmal Gedanken zum Sinn von Regelsetzung zu machen.

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Kein Mensch kann alle Regelwerke im Blick haben
Man kann in Internetforen oder auch am Stammtisch sofort Zustimmung ernten, wenn man reklamiert, dass es viel zu viele Normen und Richtlinien gibt. Kein Mensch kann die vielen Regelwerke im Blick behalten, die der VDI und andere Regelsetzer veröffentlichen. Und überhaupt: Ich bin Fachfrau/-mann und weiß, was ich tu; ich habe das schon immer so gemacht und brauche das alles gar nicht. Also die Regelsetzer sind schuld? Die, die das Wissen der Fachleute festhalten und in die Praxis übermitteln?

Anerkannte Regeln der Technik
§ 242 BGB stellt fest: „Der Schuldner ist verpflichtet, die Leistung so zu bewirken, wie Treu und Glauben mit Rücksicht auf die Verkehrssitte es erfordern.“Was bedeutet das? Wer gegenüber einem Kunden den Eindruck erweckt, dass er Fachfrau/Fachmann ist, und einen Auftrag übernimmt, dessen Erfüllung Fachwissen voraussetzt, dem darf der Kunde nach Treu und Glauben unterstellen, dass er die anerkannten Regeln der Technik (aRdT) des Fachgebiets kennt. Wird dann etwas geliefert, das diese Regeln (Verkehrssitte) nicht erfüllt, ist die Lieferung automatisch mängelbehaftet. Der Schuldner (Auftragnehmer, Lieferant, Dienstleister) haftet.

Fachleute müssen auf dem Laufenden sein
Fachleute müssen sich daher auf dem Laufenden halten und ihre Leistungen und Werke auf Übereinstimmung mit den jeweils neuesten Regeln der Technik überprüfen. Ohne Zweifel haben die Anforderungen an die Detailtiefe des Wissens der Fachleute mit dem technischen Fortschritt zugenommen. Früher noch autonome Systeme sind heute vernetzt, es gibt mehr Wechselwirkungen und Schnittstellen und mehr Bedarf an Abstimmung mit Fachleuten angrenzender Systeme und Gewerke.

Effektive Hilfestellung
War früher alles besser? Der Baumeister alter Prägung (wie der Dombaumeister in Köln), der ein Bauwerk in seiner Gesamtheit kannte und alles im Blick hatte, musste alle Regeln seiner Handwerkskunst durch eine lange Lehrzeit beherrschen lernen. Dabei konnte er zumeist nicht auf schriftlich niedergelegte aRdT, Datenbanken, Internet und Informationsangebote wie den Richtlinien-Newsletter des VDI oder andere Dienstleistungen zurückgreifen, die ihm halfen, auf dem Laufenden zu bleiben. Heute hingegen wird der Fachkraft von vielen Stellen effektive Hilfestellung durch Informationsangebote und Fortbildung angeboten. Zum Beispiel durch unsere VDI-Richtlinien:

Die Breite seines Wissens bestimmt jeder selbst
Fazit: Mit dem Spruch „Es gibt zu viele technische Regeln; da kann ja keiner den Überblick behalten.“ sollte man vorsichtig sein. Aus ihm kann man nach meinem laienhaften Verständnis unseres Rechtssystems nur eine Empfehlung ableiten: Wenn Du, liebe Fachkraft, Dich nicht in der Lage fühlst, die aRdT eines Fachgebiets im Blick zu behalten, dann nimm nur die Aufträge an, bei denen Du Dich sattelfest fühlst und auf aktuellem Stand halten kannst.“ Alles andere ist ein Spiel mit dem Feuer. Die Tiefe des zu erwerbenden Wissens definiert sich aus dem Fachgebiet,
aber die Breite bestimmt man selber.

Wo bzw. wie sind Sie in Berührung mit VDI-Richtlinien gekommen? Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen. Wir verlosen unter allen, die mitmachen, dreimal jeweils eine VDI-Richtlinie nach Wahl.

Thomas WollsteinAutor: Thomas Wollstein
Position beim VDI: Technisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, Betreuer Fachbereich Facility-Management, Mitarbeit im Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung.
Aufgabe beim VDI: Technische Regelsetzung, Mitgliederbetreuung und -gewinnung

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