Dauer-Thema Legionellen

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Der Bundesrat hat am 14. Februar 2014 den Beschluss gefasst, dass es für die Errichtung und den Betrieb von Verdunstungskühlanlagen immissionsschutzrechtlicher Regelungen bedarf. Denn: Verdunstungskühlanlagen wurden in der Vergangenheit mehrfach als Ursache von Legionellenausbrüchen identifiziert, zuletzt im August/September 2013 in Warstein mit 160 Erkrankungs- und zwei Todesfällen.

Was sind Legionellen?
Legionellen sind stäbchenförmige, gramnegative, aerobe Bakterien. Sie leben im Wasser und können beim Menschen Erkrankungen wie das Pontiac-Fieber oder die Legionellenpneumonie hervorrufen. Ihr Name geht auf einem großen Krankheitsausbruch unter Mitgliedern der amerikanischen Legion während eines Veteranentreffens in Philadelphia im Jahr 1976 zurück. Die Erreger hatten sich in der Klimaanlage des Hotels angesiedelt. Legionella pneumophila ist für Erkrankungen des Menschen die bedrohlichste Art.

Wo kommen Legionellen vor?
Legionellen kommen in Oberflächengewässern und Grundwasser natürlich vor. Auch im Trinkwasser sind einzelne Legionellen nicht auszuschließen, jedoch normalerweise nicht problematisch. Sie vermehren sich vorzugsweise bei Temperaturen zwischen 25 °C und 45 °C, besonders dann, wenn im Wasser Nährstoffe vorhanden sind. Besonders günstige Bedingungen finden sie daher in künstlichen Wasseranlagen, wie Verdunstungskühlanlagen, vor, da diese praktisch immer Stagnationszonen aufweisen und durch Eintrag von Luftverunreinigungen Nährstoffe bieten. Auch Whirlpools, Duschen, Waschbecken, Springbrunnen oder Autowaschanlagen können mögliche Infektionsquellen sein. Insbesondere von Verdunstungskühlanlagen ausgehend können sich Legionellen über mehrere Kilometer ausbreiten.

Warum sind Legionellen so gefährlich?
Für den Menschen am gefährlichsten ist eine durch Legionellen verursachte Lungenentzündung (Pneumonie). Sie kann entstehen, wenn Legionellen als feiner Sprühnebel bis in die Lungen vordringen. Das Trinken von legionellenhaltigem Wasser stellt dagegen für Personen mit intaktem Immunsystem kaum eine Gesundheitsgefahr dar. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch findet nicht statt. Das ebenfalls durch Legionellen verursachte Pontiac-Fieber bricht nach einer Inkubationszeit von wenigen Stunden bis drei Tagen in den meisten Fällen mit grippeähnlichen Symptomen wie Abgeschlagenheit, Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, aus. Die Symptome klingen nach wenigen Tagen ohne medikamentöse Behandlung und ohne Folgeerscheinungen wieder ab.

Wie kann das Risiko von Legionellenerkrankungen minimiert werden?
Seit 2011 enthält die Trinkwasserverordnung eine Anzeige- und
Untersuchungspflicht für Großanlagen der Trinkwasser-Installation in Gebäuden. Duschverbote in Schulen aufgrund von Legionellenfunden gingen schon mehrfach durch die Tagespresse. Es ist zu begrüßen, dass der Bund nun auch rechtliche Regelungen für Verdunstungskühlanlagen anstrebt. Betreiber potenziell gefährdeter Anlagen müssen mit ordnungs- und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen, wenn sich herausstellt, dass die Anlage nicht nach den anerkannten Regeln der Technik geplant, errichtet, betrieben und instandgehalten wurde. Die Problematik ist das Thema einer Anzahl von VDI-Richtlinien zur Luftreinhaltung sowie der Gebäudetechnik, wie die Richtlinien der Reihe VDI 6022 (für raumlufttechnische Anlagen), die Richtlinie VDI/DVGW 6023 (Trinkwasser-Installationen), VDI 2047 Blatt 2 (Verdunstungskühlanlagen), VDI 3679 Blatt 1 (Nassabscheider) und VDI 4250 Blatt 2 (Bioaerosole; in Vorbereitung).

Das VDI-Expertenforum „Legionellen in der Luft – Maßnahmen zur Risikominderung“ am 28. Mai 2014 in Bonn bietet die Gelegenheit, sich zu informieren und mit Fachleuten aktuelles Wissen auszutauschen: www.vdi.de/legionellen.

Bild: VDIDr Isabelle Franzen_ReuterAutorin: Dr. Isabelle Franzen-Reuter
Position/Aufgabe beim VDI: Leiterin des Fachbereichs „Umweltqualität“ in der Kommission Reinhaltung der Luft im VDI und DIN

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2 Gedanken zu “Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

  1. Wir planen die Veröffentlichung des Weißdrucks (= endgültige Fassung) zum 1/1/2015.

    Ich erlaube mir noch einen kleinen Exkurs als Reaktion auf den Terminus „Inkraftsetzung“: Auch wenn der Gründruck (= Entwurf) der Richtlinie nicht a priori die Vermutungswirkung „anerkannte Regel der Technik“ genießt (, wie sie beim Weißdruck besteht), hat er schon eine gewisse Hinweiswirkung. Bis zur Veröffentlichung des Weißdrucks sollte man sich nach meinem Verständnis daher ruhig an den Festlegungen des Gründrucks orientieren.

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