Mentoringprogramm von MINTalente

Neugier trifft Erfahrung

Wenn eine Studentin und eine Ingenieurin ein Tandem bilden, profitieren beide, wie das Mentoringprogramm des VDI-Projekts MINTalente zeigt.

Wie gehe ich am besten meine Bewerbung an? Was sind eigentlich meine Stärken? Wie stelle ich mir meine Karriere vor? Wie kann ich Familie und Beruf vereinbaren? Beim Übergang vom Studium in den Beruf gibt es viele Fragen zu klären. Gut, wenn einem dabei eine erfahrene Ansprechpartnerin zur Seite steht. Das ist der Ansatz des Mentoringprogramms „MINTalente Mentoring“ für Studentinnen der MINT-Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. An der Fachhochschule Köln bekommen Studentinnen über ein Jahr eine berufserfahrene Praktikerin als Mentorin an die Seite gestellt. Wir haben mit dem Mentoren-Duo Tanja Ahrens und Nora von Schaaffhausen gesprochen.

Bild: privatMINTalente_Mentoren-Duo

Ein gutes Team: Tanja Ahrens und Nora von Schaaffhausen bei einem ihrer Treffen in Köln. Wenn sie sich nicht persönlich gesehen haben, wurde regelmäßig gemailt oder telefoniert. (Bild: privat)

Stellen Sie sich doch bitte beide kurz vor.
Tanja Ahrens: Ich bin 29 Jahre, verheiratet, ein Kind. Das zweite Kind kommt im Oktober, vor meinem Studium habe ich eine Ausbildung zur Mechatronikerin gemacht und ein Jahr in diesem Beruf gearbeitet.
Nora von Schaaffhausen: Ich bin 32 Jahre alt, verheiratet und Mutter eines Kindes. Direkt nach meinem Abschluss des Maschinenbaustudiums in Aachen habe ich fast drei Jahre ein Betriebslabor bei GKN Sinter Metals geleitet. Aktuell arbeite ich bei der GKN Sinter Metals Components GmbH in Bonn als Projektingenieurin in der Produkt- und Prozessentwicklung. Ich bin verantwortlich für die Produktgruppen der Sitzverstell- und Fahrgastsicherheitssysteme.

Wie kamen Sie zum Projekt MINTalente?
Nora von Schaaffhausen: Ich habe mich bereits seit 2010 als Role Model beim VDI engagiert, um Mädchen und junge Frauen für Technik zu begeistern und ihnen die vielfältigen aber leider oft unbekannten Berufsbilder im technischen Umfeld näher zu bringen. Bei der Neuauflage MINTalente bin ich dabei geblieben. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich an der ersten Staffel des Mentoring-Programms teilnehmen konnte.
Tanja Ahrens: Durch eine Rundmail der Fachhochschule, in der das Projekt beworben wurde. Mich hat es interessiert, was berufserfahrene Frauen berichten können.

Was interessiert Sie an der Arbeit als Role Model?
Nora von Schaaffhausen: Einmal beschäftigt es mich, warum Gegenstände des Alltags so konstruiert sind, wie sie aktuell sind und nicht anders. Warum ist die Funktionsweise dieser Dinge nicht vielleicht leichter, intuitiver oder praktischer? Wer benutzt diese Gegenstände im Alltag vorwiegend? Technische Berufe sind leider immer noch eine Männerdomäne. So werden viele Autos von Männern konzipiert, gestaltet und gefertigt. Die Kaufentscheidung treffen aber immer häufiger Frauen. So vermisse ich als Autofahrerin z.B. weiterhin eine Ablage für meine Handtasche. Ein weiterer Beweggrund ist meine eigene Tätigkeit und mein berufliches Umfeld, in dem ich mich bewege. Im täglichen Kontakt im Konzern, bei meinen Kunden und unseren Lieferanten treffe ich in der Regel nur auf Männer. Ich würde mich sehr freuen, wenn das ein oder andere junge Mädchen durch eines der MINT Projekte ermuntert würde, einen technischen Beruf zu ergreifen und ebenfalls durch z.B. MINTalente junge Berufseinsteigerinnen in der Phase des Übergangs vom Studium zum Beruf Unterstützung erfahren und bei ihrer Berufswahl bleiben. Hoffentlich treffe ich bald auch vermehrt auf Frauen und muss nicht immer wieder zur Begrüßung „Sehr geehrte Dame und sehr geehrte Herren“ hören.

Von September 2012 bis Oktober 2013 haben Sie beide am Mentoring-Programm von MINTalente teilgenommen. Warum lohnt es sich Teil eines Mentoren-Tandems zu sein?
Tanja Ahrens: Ich konnte oft von Noras Erfahrung profitieren, wenn ich z.B. überlegt habe, ob ein Praxissemester sinnvoll ist, oder als ich meine Bewerbungsunterlagen überarbeitet habe. Für beide Seiten gilt glaube ich, dass wir Einblick in eine andere Sichtweise bekommen haben so unser Handeln reflektieren konnten.
Nora von Schaaffhausen: Mir hat es gut gefallen, dass wir für die Dauer eines Jahres ein Tandem gewesen sind. Neben dem fachlichen Austausch und dem konkreten Lösen von Problemen und Fragestellungen, oder aber auch nur dem Austausch über diverse Themen, habe ich einen tollen Menschen kennenlernen dürfen. Es hat mir gut gefallen, dass wir ein Stück Weg gemeinsam gegangen sind. Im September 2012 sind wir auf das Tandem gestiegen, das ist am Anfang zu zweit auf einem Fahrrad immer so, dass man das gemeinsame Gleichgewicht finden muss. Mal hat Tanja die Richtung vorgegeben, mal ich. Dann haben wir über weite Strecken gemeinsam kräftig in die Pedale getreten oder sind einfach mal bergab gerollt. Es hat mir Freude gemacht, ein paar Tipps und Anregungen aus dem Berufsleben weitergeben zu können. Ebenso habe ich neue Impulse bekommen und eine neue Sichtweise auf die Dinge kennengelernt. Ich bin sicher, dass wir über das Ende des Projekts hinaus weiterhin in Kontakt bleiben werden.

Kommen wir zu Ihrem Arbeitsleben abseits des Programms. Frau von Schaaffhausen, wie sieht Ihr typischer Arbeitstag als Projektingenieurin aus?
Nora von Schaaffhausen:
Zum Glück gibt es bei mir keinen typischen Arbeitstag. Ich habe eine sehr vielfältige und abwechslungsreiche Aufgabe, die jeden Tag Neues mit sich bringt.

Welche Charaktereigenschaften brauchen Sie in Ihrem Beruf?
Nora von Schaaffhausen:
Ich kommuniziere viel mit Kunden, Mitarbeitern und Vorgesetzten. Da hilft es sehr, wenn man begeisterungsfähig ist. Ich löse gerne Aufgaben im Team.

Viele Ihrer Kollegen sind Männer und älter als Sie – kommen Sie gut miteinander zurecht?
Nora von Schaaffhausen:
Sehr gut, ja. Aber es gibt Spielregeln, die beachtet werden wollen und teilweise wird in einer anderen Sprache gesprochen, die man lernen muss.

Was können Sie zukünftigen Ingenieurinnen mit auf den Weg geben?
Nora von Schaaffhausen:
Ihr seid hervorragend ausgebildet! – Nutzt dies als Versicherung im Rücken um mutig, selbstbewusst und sichtbar im Unternehmen zu sein. Das ist aber nicht alles, was im Berufsalltag wichtig ist. Lasst Euch nicht in eine Rolle drängen. Zeigt Eure beruflichen Erfolge, sprecht darüber! Haltet durch und es auch aus wenn es mal unbequem ist oder es Gegenwind gibt. Vernetzt Euch!

Frau Ahrens, Sie studieren Elektrotechnik / Automatisierung. Warum?
Tanja Ahrens:
Ich habe vor dem Studium bereits eine Ausbildung als Mechatronikerin abgeschlossen und schon Berufserfahrung sammeln können. Dieser Beruf hat mir Spaß gemacht, aber ich wollte mich noch weiter bilden. Als ich dann in der Wirtschaftskrise arbeitslos wurde und kein neuer Job in Aussicht war, habe ich mich für ein normales Studium, anstatt des bisher geplanten berufsbegleitenden Studiums, entschieden. Schon während der Ausbildung fand ich den elektrotechnischen Teil interessanter als die Metallbearbeitung. Deswegen habe ich mich für Elektrotechnik und nicht für Maschinenbau entschieden.

Wie stellen Sie sich Ihren Job später einmal vor und was ist ihre Antriebsquelle?
Tanja Ahrens:
Da hab ich noch gar keine so genaue Vorstellung. Mir schwirren da viele Ideen im Kopf rum und das Jahr mit Nora hat mir auf jeden Fall geholfen, diese Ideen etwas zu ordnen. Ich vertraue darauf, dass ich bei einem Jobangebot dann weiß, ob der Job mit meinen Ideen zusammen passt. Ich bin neugierig und habe mich schon immer dafür interessiert, wie die Dinge funktionieren, das ist mein Antrieb.

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgabe beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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