Interview mit VDI-Direktor Ralph Appel

„Wir brauchen Aufbruchsstimmung in Deutschland!“

Ralph Appel ist seit dem 1. Januar neuer Direktor des VDI. Nachdem er sich nun schon ein wenig einleben konnte, haben wir uns mit ihm einmal über sein neues Amt, die Rolle der Ingenieure und des VDI sowie über seine Pläne für 2014 unterhalten.

Bild: VDI_MG_5720_vdi_einzelHerr Appel, wie würden Sie sich selbst in 140 Zeichen vorstellen?
Ralph Appel, Wirtsch.-Ing. aus HH, 55, 197, verh. 2 kids, pragm. Macher mit 27 Jahren Erf. in gr. int. Unternehmen, zuletzt als GF, liebt Sport, Reisen und Kontakt zu Menschen.


Was interessiert Sie an der Arbeit beim VDI?

Der VDI ist sehr gut aufgestellt, gut vernetzt und behandelt relevante technische und gesellschaftspolitische Themen. Trotzdem gibt es noch genug zu tun, um den Innovations- und Technologiestandort Deutschland und die Belange der Ingenieure weiter nach vorn zu bringen. Wir sind eine „Know-how“-Gesellschaft. Persönlich reizte mich die Vielseitigkeit der Aufgaben als Direktor. Man kommt dabei mit ganz unterschiedlichsten Menschen aus vielen Bereichen zusammen. Mit Mitarbeitern, mit Mitgliedern, mit Vertretern der Wissenschaft, der Wirtschaft, der Medien und auch der Politik. Hinzu kommt eine große Palette von Themen aus Wissenschaft und Technik, die fast alle unser tägliches Leben mitbestimmen, ja sogar erst ermöglichen. Und dann natürlich die aktuellen Themen wie etwa Ingenieurnachwuchs, Energiewende, Infrastruktur oder Ressourceneffizienz, denn auch hier kann der VDI mit seiner Expertise als Gestalter mitwirken.
Ich bin gewissermaßen sowohl der Vereinsmanager, gemeinsam mit dem Präsidenten der „Außenminister“, oberster „Verkäufer“ des VDI und außerdem in unserem Wirtschaftsbetrieb strategisch unterwegs, insgesamt also mit sehr vielfältigen Aufgaben betraut.

Bild: Ulrich ZillmannRalph Appel im Gespräch mit einem FSG-Team

Nachwuchsarbeit schon vor Dienstbeginn: Im Sommer besuchte Ralph Appel bereits die Formula Student Germany.

Welche Rolle spielt für Sie der VDI?
Als unabhängiger Verein mit mehr als 152.000 ausschließlich persönlichen Mitgliedern spielt der VDI für den Technologiestandort Deutschland als Sprecher der Ingenieure sowie der Wissenschaft und Technik eine wichtige Rolle. Ohne Ingenieurinnen und Ingenieure funktioniert unsere hochtechnisierte Gesellschaft einfach nicht und ohne diese Experten lässt sich auch keine erfolgreiche Zukunft gestalten. Genauso bringen wir uns als gesellschaftspolitischer Gestalter mit ein, indem wir beispielsweise mit Nachwuchsförderung und Bündelung von Fachwissen dafür sorgen, dass die heutigen und zukünftigen Herausforderungen, wie etwa Mobilität und Energieversorgung, bewältigt werden können. Wichtig wird sein, dass der VDI sich modern präsentiert und für junge Menschen attraktiv ist; dazu brauchen wir zeitgemäße Themen, die wir besetzen und die uns attraktiv machen (z.B. Ressourceneffizienz, Internetsicherheit, …).

Was sind für Sie persönlich die wichtigsten Aufgaben in 2014?
Ich möchte den VDI als innovativen Verein mit modernen Strukturen weiterentwickeln. Wir werden mit dem VDI-Team weitere attraktive Angebote für unsere bestehenden und für neue Mitglieder schaffen. Dabei werde ich den jungen Ingenieurinnen und Ingenieuren besonderes Augenmerk widmen. Darüber hinaus will ich, gemeinsam mit unserem Präsidenten, dem VDI noch mehr Gehör verschaffen, um Ingenieur-Themen ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen.
Und für mich persönlich: Weiteres Kennenlernen unserer Organisation intern sowie in den Bezirksvereinen und Ländesverbänden „vor Ort“. Das ist mir besonders wichtig – „touch and feel“ sagen die Angelsachsen. Kennenlernen möchte ich natürlich auch unsere externen Partner aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, bei denen ich gemeinsam mit unserem Präsidenten den VDI positionieren möchte.

Welche Themen werden die Ingenieurswelt im neuen Jahr beschäftigen?
Nachwuchs bleibt ein Thema: Die Ingenieur-Lücke wird meines Erachtens langfristig bleiben, wir müssen also um Nachwuchs werben, auch im Ausland: Warum sollte Deutschland nicht für Ingenieurstudenten sein oder werden, was die USA mit Harvard und Stanford für den „Master of Business Administration“ sind?
Daneben stehen in diesem Jahr für mich eindeutig die Energiewende, die bürgernahe Umsetzbarkeit von Großprojekten (wie zum Beispiel Infrastrukturprojekte) und das Thema „Industrie 4.0“ im Fokus. Wir brauchen Aufbruchsstimmung in Deutschland, um auch weiter Innovationsführer zu bleiben

Beschreiben Sie kurz den Moment an dem sie gemerkt haben, dass Sie Ingenieur werden wollten.
Den gab es so nicht, aber ich hatte schon immer viel Spaß an Technik und am Basteln. Schon mit zehn Jahren habe ich mein erstes Rennrad selbst gewartet (Kugellager zerlegt und gereinigt, etc.). Denn der Fahrradhändler hatte vorher drei Wochen für eine Reparatur gebraucht. Dann habe ich in der Schule eher zufällig aber dafür mit Begeisterung Physik (besonders den Foucault´schen Pendelversuch im Hauptgebäude: Die ganze Schule war dafür geräumt, um Störungen zu vermeiden.) und Gemeinschaftkunde als Leistungskurse belegt. Und dann gab es, damals noch ganz neu und nur an drei Universitäten als Simultanstudium, den Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen – und das war´s dann wohl für mich.

Eva Holden_1Das Interview führte: Eva Holden
Position beim VDI: Referentin für Social Media
Aufgabe beim VDI:  Kümmert sich um die Social Media-Strategie des VDI sowie die Betreuung der Auftritte des Vereins in facebook, Blogs, Twitter und Co.

Kommentare & Pingbacks

2 Gedanken zu “„Wir brauchen Aufbruchsstimmung in Deutschland!“

  1. Ich habe die Vorstellungen und Ideen von Herrn Appel aufmerksam verfolgt. Allerdings sind die Ziele noch nicht so konkret genannt, dass ein Trend erkennbar ist. Für mich wäre eine klare Aussage wichtig, ob die rund 150.000 Mitglieder(vor allem natürlich deren Interessen) wieder stärker in den Focus der HGS gerückt werden. Oder weiter das Marketing der Marke „VDI“ im Vordergrund steht–> dies letztlich in Betracht der aktuellen Situation des ADAC.
    Mit freundlichen Grüßen
    Uli Luderer

  2. Hallo Herr Luderer,
    der VDI und der ADAC sind in keiner Weise miteinander vergleichbar. Was unsere Schwerpunkte angeht stehen sowohl unsere mittlerweile 152.000 Mitglieder als auch die Marke VDI im Mittelpunkt.

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