Einsatz von Biomasse

Ressourcenschonung vs. Nahrungsmittelknappheit

Der Einsatz von Biomasse anstelle von Erdöl ist automatisch nachhaltig – ein weit verbreiteter Irrglaube, den der VDI nun aufklärt.

Mais wächst schnell, ist sättigend und nahrhaft. Er ist das wichtigste Grundnahrungsmittel in vielen Ländern Lateinamerikas und Afrikas. Der größte Teil der weltweiten Ernte wird jedoch als Tierfutter genutzt. Die Tatsache, dass aus seiner Stärke Kunststoff hergestellt und aus ihm sogar Treibstoff gewonnen werden kann, ermöglicht es, fossile Brennstoffe zu ersetzen. Ein richtiges Multitalent eben, das die Industrienationen in eine Zwickmühle bringt.

Ressourcenschonung vs. Nahrungsmittelknappheit
Auf der einen Seite sollen fossile Ressourcen wie Erdgas oder Erdöl für die Erzeugung von Kraftstoff geschont – noch besser vollständig ersetzt – werden, auf der anderen Seite steht die Nahrungsmittelknappheit in den Ländern der Dritten Welt. Die Diskussionen darüber bringen den Einsatz von Biomasse in Verruf, denn viele gehen davon aus, dass der Einsatz von Biomasse automatisch nachhaltig ist. Falsch! Und das wissen vor allem die Gegner von Bioraffinerien. Richtig ist, dass sich Bioraffinerien hinsichtlich ökologischer, ökonomischer und sozialer Kriterien charakterisieren lassen, woraus sich eine standardisierte Nachhaltigkeitsbewertung ergibt.

Standards für die Nachhaltigkeit
Das Technologiekonzept „Bioraffinerie“ verspricht eine besonders ressourceneffiziente Verwertung der biogenen Rohstoffe, da hier in einem integrativen Gesamtansatz die möglichst vollständige und abfallfreie Verwertung der Biomasse verfolgt wird. Die neue Richtlinie VDI 6310 Blatt 1 klassifiziert die technischen Ansätze der Bioraffineriekonzepte und ist ein lehrreiches Hilfsmittel bei der Entwicklung solcher Anlagen. Im zweiten Teil definiert sie die Gütekriterien und schafft somit die Standards, die notwendig sind, um Nachhaltigkeit zu erzielen. Erst wenn diese eingehalten werden, steht der Anbau von Biomasse für die Treibstofferzeugung nicht im Konflikt mit der Nahrungsmittelerzeugung. Wie diese Nachhaltigkeitsbewertung in der Praxis aussieht, zeigt der dritte Teil der Richtlinie, in dem als Praxisbeispiel die BIOWERT-Bioraffinerie hinsichtlich dieser Kriterien bewertet wurde. So funktioniert die BIOWERT-Anlage:

Bioökonomie als neuer Trend
Um die künftige Energieversorgung der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern und dabei den Klimaschutz zu berücksichtigen, werden Technologien für die Energie- und Rohstofferzeugung aus Biomasse immer wichtiger. Die in der Richtlinie definierten Standards helfen dabei, diese Technologien direkt richtig und nachhaltig zu entwickeln und umzusetzen. Man spricht hier auch von Bioökonomie.
Wer zu Nachhaltigkeit und Bioökonomie mehr erfahren und vor allem darüber diskutieren möchte, der ist herzlich zum VDI-Expertenforum am 20. Mai im MARITIM-Hotel Düsseldorf eingeladen. Der Entwurf der oben genannten Richtlinie wird dort erstmals vorgestellt.

Wir würden gern von Euch wissen: Für die Industrienationen stellt sich natürlich die Frage, wie mit dem zwar weltweit verfügbaren, aber natürlich nicht unendlich vorrätigen Mais angesichts der vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten umzugehen ist. Wie beurteilt Ihr das Problem?

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

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