Ausstattung von Sanitärräumen

Ansturm auf das Stille Örtchen

Obwohl sanitäre Einrichtungen in einem Opernhaus und auf einer Messe demselben Zweck dienen, unterscheiden sie sich in den Anforderungen. Warum ? Das erklärt die Richtlinie VDI 6000 Blatt 3.

Brauchen Damen mehr Waschbecken?
Wenn Sie auf die Hannover Messe gehen, werden Sie einer von rund 225.000 Besuchern sein. Sie alle schlendern mit dem Hallenplan in der Hand über die Ausstellung, informieren sich über die jüngsten Trends und Entwicklungen, pausieren bei einer Tasse Kaffe, stärken sich zwischendurch mit einem Snack und – müssen irgendwann einmal auf die Toilette. Ausgehend von den fünf Messetagen wären das am Tag 45.000 Personen, die mindestens einmal das Stille Örtchen aufsuchen. Mindestens, denn Frauen benutzen meist den Toilettenvorraum öfters. Brauchen die Damen deshalb mehr Waschbecken? Wie viele Toiletten sind für eine solche Großveranstaltung überhaupt notwendig? Und – vor allem aus Besuchersicht am wichtigsten – wo befindet sich die nächstgelegene Toilette?

Die Anforderungen sind nicht überall gleich
Fragen, auf welche die Richtlinie VDI 6000 Blatt 3 bereits für die Planung die Antworten parat hält. Die Anforderungen an die Ausstattung mit und von Sanitärräumen sind nämlich nicht überall gleich. Im Opernhaus zum Beispiel gehen auch viele Leute auf die Toilette, aber eben alle in der Pause. Mit dem gleichzeitigen Spülen aller Toiletten und dem Waschen der Hände muss die Wasserversorgung erst mal fertig werden. Anders ist es bei der Messe. Hier wird nicht überall gleichzeitig gespült und gewaschen, dafür fast ununterbrochen. Und das gilt es bereits bei der Planung zu berücksichtigen.

Gut beschildert ist halb gefunden
Und wie viele Toiletten gibt es nun auf der HMI? Die 15 Hallen sind mit 91 mehrere Toilettenräume fassenden Sanitärräumen ausgestattet, aufgeteilt in Männlein, Weiblein und behindertengerecht. Wie diese auszuschildern sind, steht ebenfalls in der Richtlinie. Wer nun denkt, dass man einfach nur nach oben sehen und nach den bekannten Hinweisschildern Ausschau halten muss, dem wird vermutlich ein weiterer Unterschied zum Opernhaus bewusst werden. Auch wenn beide Veranstaltungsorte über die „richtige“ Beschilderung verfügen, so zeigt sich hier ganz deutlich, dass sich vom Veranstalter in der Praxis nicht alles befolgen lässt, was in der Theorie festgelegt ist. Bei dem Blick nach oben gehen bei Messen die Wegweiser zu den Toiletten zwischen all den großen Firmenlogos der Aussteller unter. Wie gut, dass die Hannover Messe eine kostenlose App bereit stellt, die auch Infos zur Orientierung liefert.

Hygiene macht den Unterschied
Und wo gibt es noch einen Unterschied zwischen Theorie und Praxis? In der Hygiene. Die Reinigungsintervalle bestimmt der Betreiber nach dem visuellen Eindruck selbst und kommt damit bereits zum Teil seiner Verkehrssicherungspflicht nach, die Toilettenbenutzer vor Infektionen zu schützen. Und der andere Teil? Der kommt uns zu, denn im Anschluss an unser Geschäft die Hände waschen müssen wir schon selbst.

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

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