Zur ILA 2014

Begeisterung mit Händen greifbar

Die Einladung zu einer Podiumsdiskussion über Einstiegsgehälter für Ingenieure und Ingenieurinnen in der Luft- und Raumfahrtbranche brachte mich kürzlich auf die diesjährige Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung (ILA) nach Berlin.

Ich habe schon sehr viele verschiedene Messen besucht, auch viele, in denen es um die eine oder andere ingenieurspezifische Besonderheit ging, so z.B. die Hannover Messe, die Systems, die Bauma, die Cebit, die IAA, die Intralogistik oder auch die Essener Motorshow. Doch ich bin in besonderer Weise froh, dass ich nun dieser Einladung des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrt (BDLI) gefolgt bin.

Bild: LohanAirbus A380-800

Airbus A380-800: Unglaublich, das so etwas fliegen kann.

 

Bevor es nämlich um 16 Uhr in die Halle 5 in das ILA CareerCenter ging, habe ich mir draußen auf dem weitläufigen Flugfeld des alten Flughafen Schönefelds die beeindruckenden Fluggeräte und Teile des Flugprogramms angeschaut. Und ich kann Euch sagen, ich weiß nun, warum die ILA auch „ILA Berlin Air Show“ heißt. Absolut spektakulär, was da so alles für kurze Zeit, aber doch ziemlich geräuschvoll am Himmel herumfliegt. Ob die historische Messerschmitt Me 262, der kleine Bell 47-Hubschrauber, die mit sonorem Propellerdröhnen startende, mächtige Transall der deutschen Luftwaffe oder zum Schluss die 6 Northrop F-5E Tiger II-Düsenjets von der Formation „Patrouille Suisse“, die zahlreichen Zuschauer kamen voll auf ihre Kosten. Und damit zurück zu der eingangs erwähnten Besonderheit dieser Messe: Die Begeisterung der Menschen für die Fliegerei war allerorten mit Händen greifbar. Sicher, des Deutschen liebstes Kind, das Auto, wird auf den einschlägigen Messen auch immer kräftig von seinen vielen Fans belagert und abgelichtet, aber hier war es noch mal anders, so meine Beobachtung. Ob alt oder jung, ob Mann oder Frau, egal, welcher Nationalität – glänzende Augen, die pure Faszination, Staunen mit offenem Mund!
Und so erzählt mir der um die 80 Jahre alte amerikanischer ehemalige Pilot aus Oklahoma auch mit zitternder Stimme: „Na klar, es war nicht alles gut, was wir damals mit dem Militärmaschinen alles angerichtet haben, aber ich komme einfach von der Fliegerei nicht los, und ich gehe immer noch zu jeder Air Show, die ich erreichen kann!“

Und diese absolute Begeisterung, das war es auch hauptsächlich, was die Unternehmensvertreter sich bei der Podiumsdiskussion drinnen im CareerCenter am liebsten von den Bewerbern und Bewerberinnen wünschten. Die Branche verlangt schon recht viel von ihren potenziellen Einsteigern, das wurde auch deutlich. Wer das dünne Brett bohren möchte, hat hier nichts verloren, vielmehr ist erhebliches Fachwissen zwingend notwendig, um in der Luft- und Raumfahrt zu bestehen. Aber die Branche bietet ihren KandidatInnen auch fantastische Möglichkeiten, und dazu gehört nicht zuletzt auch ein sehr ordentliches Einstiegsgehalt.

Aber um den Nachwuchs mache ich mir in diesem Fall gar keine Sorgen, wenn ich den angehenden Ingenieuren und Ingenieurinnen in den Hallen oder draußen auf dem Freigelänge in die Augen schaue. Das Wetter war prächtig, und gerne stellte man sich in die Hundert Meter lange Schlange zur Besichtigung des riesigen neuen Airbus A380-800 der Vereinigten Arabischen Emirate mit seinen über 79 m Flügelspannweite. Zu Hunderten kletterten sie in den offenen Bug der ca. 30 Jahre alten gigantischen Antonov An 124-100 der Volga-Dnepr-Linie. Man kam sich vor wie im Bauch eines gestrandeten Blauwals.

Bild: LohanAntonov

Im Bauch der Antonov An 124-100

 

Ich weiß nicht, wie oft die aus Österreich gekommene, auf Hochglanz polierte Douglas DC-6B von den Flying Bulls fotografiert wurde, als sie während des Messerbetriebes langsam durch die Besuchermenge gezogen wurde, aber auch ich habe ein Foto von dieser Schönheit der Passagier-Luftfahrtgeschichte mitgebracht.

Bild: LohanDouglas DC-6B

Douglas DC-6B: Ein wunderschönes Stück Luftfahrtgeschichte

Bild: LohanBreitling Jet Team

Am Himmel fliegt das Breitling Jet Team mit seinen 7 Aero Vodochody L-39C Albatros aus Frankreich. Im Vordergrund einer der großen Hubschrauber der tschechischen Luftstreitkräfte.

Nur allzu leicht vergisst man bei diesen äußerst beeindruckenden Messe Exponaten, dass es in der Branche Luft- und Raumfahrt nicht überall gleich gut voran geht. Der zivilen Luftfahrt geht es offensichtlich derzeit sehr gut. Die Auftragsbücher einiger Flugzeugbauer sind prall gefüllt, allen voran natürlich Europas größter Hersteller Airbus. Doch die mit großem Abstand meisten Bestellungen kommen von asiatischen Airlines. Einigen deutschen Airlines geht es derzeit nicht gut. Bei Lufthansa wird schwer gespart, Air Berlin befindet sich in schweren Turbolenzen, und da hat auch die große Sanierungskeule Hartmut Mehrdorn nichts dran geändert. Ob es ihm beim geplanten Berliner Großflughafen BER besser gelingt, bleibt abzuwarten.

Die beiden anderen Bereiche der Branche Luft- und Raumfahrt, die militärische Luftfahrt und die Space-Abteilung, stehen aber vor noch größeren Herausforderungen. Krisenherde gibt es zwar auf der Welt mehr als genug, aber die militärische Luftfahrt leidet zunehmend an drastischen Budgetkürzungen innerhalb der Verteidigungshaushalte der unterschiedlichen Staaten. Außerdem gerät der Handel mit Rüstungsgütern aus ethischen Gesichtspunkten immer mehr in die öffentliche Kritik. Man hat wohl erkannt, dass man den Bogen reichlich überspannt hat und sucht nun neue Wege.

Der europäischen Raumfahrt mangelt es zwar nicht an interessanten Projekten, allerdings ist man sich unter den Partnern nicht immer einig, und das könnte zu einer Abkühlung führen. Hier geht es hauptsächlich darum, wer was bezahlt, und beim Geld hört ja bekanntlich jede Freundschaft auf. Hoffen wir also, dass es den Verhandlungspartnern gelingt, sich zusammenzuraufen und sich auf eine gemeinsame Sprache zu einigen.

Was heißt das für angehende Luft- und Raumfahrt-Ingenieure in Deutschland? Trotz der kritischen Worte oben stehen aber die Lampen für weite Teile der Branche auf Grün für Brancheneinsteiger. Das heißt, generell, so haben mir die verschiedenen Unternehmensvertreter versichert, gelingt es ihnen gut, ihre Stellen mit qualifizierten Ingenieuren und Ingenieurinnen zu besetzen. Die Zahl der von den Hochschulen abgehenden Absolventen scheint in einem ausreichend guten Verhältnis zu den angebotenen Stellen zu stehen.

Auf einen Punkt muss man sich allerdings ganz klar einstellen, wenn man sich für die Luft- und Raumfahrt entscheidet: Diese Branche atmet nur so die Internationalität. Aber wie soll das auch anders sein, schließlich hat der Mensch mit großer Begeisterung Gerätschaften entwickelt, die auch über die großen Ozeane oder zum Mond fliegen können, und dort spricht man halt auch viele andere Sprachen.

Norbert_Lohan
Autor:
Dr. Norbert Lohan, Leiter des Internetportals www.ingenieurkarriere.de

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