1. VDI Science-Slam auf der Hannover Messe 2014

Das Gewinner-Konzept

Beim ersten “VDI Science Slam” auf der Hannover Messe 2014 rockte unser Nachwuchs buchstäblich die Bühne am VDI-Stand. Unter dem Motto „Life-Sciences featuring ChemCar“ lieferten sich junge Talente einen Wettbewerb nach dem Vorbild der Poetry-Slams. Science Slams sind also Vortragswettbewerbe, bei denen junge Nachwuchswissenschaftler ihre Forschung präsentieren – und zwar LUSTIG. Die Vorträge sollen kurz und knapp, verständlich aber vor allem unterhaltsam sein. Frei nach dem Motto: Lachen und Lernen beim VDI. Das Konzept ging perfekt auf: Alle vier Science Slammer wussten ihr Publikum zu begeistern und sorgten so definitiv für eines der Messe-Highlights in diesem Jahr.

Bild: VDIHM 2014_ 207

Mit dabei waren auch Bennet Brüns und Fabian Pille von der Universität Bremen, ihres Zeichens Gewinner des ChemCar-Wettbewerbs 2013. Die beiden stellten das Konzept ihres Gewinner-ChamCars vor.

Nach dem Slam auf der Hannover Messe haben wir die beiden zu ihrem Auftritt befragt.

Herr Pille, Herr Brüns, Sie haben den ChemCar-Wettbewerb 2013 gewonnen und viel Ehre und Aufmerksamkeit der chemischen Industrie sowie 2000 EUR Preisgeld mit nach Hause genommen. Beim Science Slam gab’s nur eine Urkunde und eine coole Sonnenbrille für coole Slamer. Warum haben Sie am ChemCar-Wettbewerb teilgenommen und sich für den Science Slam gemeldet?
Bennet Brüns: Wir, die das Bachelorstudium an der Universität Bremen alle im Bereich Wirtschaftsingenieurwesen begonnen haben, fühlten uns schon sehr früh den produktionstechnischen Schwerpunkten des Studiums zugeneigt und insbesondere das Interesse an der Verfahrenstechnik führte uns auf einen gemeinsamen Weg. So kam es, dass Fabian und ich im weiteren Verlauf unseres Studiums nebenbei am Institut für Werkstofftechnik als Hilfskräfte eingestellt wurden und uns in Laboren „austoben“ konnten. Hieraus ergab sich gemeinsam mit Sven Wittfoth, der die Konstruktion des „ChemCars“ leitete, die Gelegenheit, als Repräsentant der eigenen Universität an einem weitgreifenden Wettbewerb auf internationaler Ebene teilzunehmen. Unser Erfolg ist nicht zuletzt auch der intensiven Betreuung von Prof. Dr.-Ing. habil. Lutz Mädler und seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Sven Schopf, M.Sc, zu verdanken, jedoch gab es beim Gewinn für uns durchaus mehr als nur das Preisgeld und den Pokal. Uns und auch allen anderen Teilnehmern bot sich die Chance, eigenständig im Team etwas zu erarbeiten, was über ein einfaches Bachelorprojekt hinausging, und Erfahrungen zu sammeln, die nicht nur alle Höhen und Tiefen der Gruppendynamik umfassen. Weiterhin ging es für uns auch um den Austausch mit Studierenden anderer Universitäten und die Möglichkeit, mit Firmen wie BASF, Bayer, Evonik, Lanxess, Lonza oder Merck, die den Wettbewerb gesponsort haben, in Kontakt zu treten. Wir haben viel Mühe in das Projekt investiert und wurden zusätzlich mit einer Menge Spaß an der Sache belohnt.
Unser „ChemCar“-Fahrzeug schaffte es, im direkten Vergleich mit den anderen Universitäten bei einem kurzfristig vor dem Start gelosten Zusatzgewicht von 30% die geforderte Strecke von neun Metern mittels einer chemischen Reaktion auf bis zu 13 cm genau zu treffen. Eine Leistung, auf die wir stolz sind, die aber auch bei vielen Leuten Interesse geweckt hat und uns auch im Nachhinein spannende Diskussionen und Interviews eröffnete. Warum also bei so viel Interesse nicht auch einen öffentlichen Vortrag halten? Diese Chance hat uns ermöglicht auf unterhaltsame Art und Weise den Interessierten auf der Hannover Messe 2014 nicht nur unser Konzept, sondern auch unseren Weg zum Ziel zu schildern und unsere Erfahrungen zu teilen. Zugegebenermaßen ist der erste Vortrag im Rahmen einer Messe aufregend, aber eine unbezahlbare Erfahrung, die ich jedem nur empfehlen kann.

Sie haben den Wettbewerb mit einem einfachen aber sehr präzisen Konzept gewonnen. Beim Science Slam braucht man Kreativität und Fantasie. Was muss ein Ingenieur – insbesondere der Verfahrenstechnik noch alles können?
Fabian Pille: Wie wir es auch in unserem Vortrag dargestellt haben, gab es während der Entwicklungsphase sowohl Fortschritte als auch Probleme. Bei der Präsentation unseres Konzepts auf dem „ChemCar“-Wettbewerb haben wir ein Modell unseres Fahrzeugs entwickelt, um die Abhängigkeit der Menge an benötigtem Reaktionsmaterial von der Fahrstrecke und dem Zusatzgewicht festzulegen. In diesem Bereich waren also eine hohe analytische Kompetenz und eine Fähigkeit zur Modellierung des Systems gefragt. Vor allem nachdem wir unser erstes Konzept verändern mussten, da die Wärmeübertragung von der chemischen Reaktion auf das zu verdampfende Wasser zu gering war, war Kreativität und Problemlösungsdenken gefragt. Der Reaktor des „ChemCars“ war schon soweit fertiggestellt, dass wir gezwungen waren, das bestehende System so zu modifizieren, um trotzdem mit einem verlässlichen Fahrzeug am „ChemCar“-Wettbewerb teilnehmen zu können. Nach einer Überprüfung weiterer Möglichkeiten für den Antrieb entschieden wir uns für eine Reaktion mit einer Gasentwicklung ergänzten das bestehende Systeme um eine Gummimembran und einen Wassertank. Auf diese Weise erzeugten wir einen verlässlichen und sicheren Antrieb ohne Emissionen. An dieser Stelle erkennt man zwei weitere Eigenschaften, die der Verfahrenstechniker beherrschen muss: Verlässlichkeit und Sicherheit. An unserem „ChemCar“ erkennt man, dass Sicherheit nicht immer mit komplexen Systemen zusammenhängen muss, sondern dass einem guten Konzept auch eine einfache und ungefährliche Reaktion genügen kann.

Bitte erklären Sie kurz den Inhalt Ihres Vortrags
Fabian Pille: Zunächst war es unser Anliegen die Hürden auf dem Weg zum erfolgreichen Konzept darzustellen. Dazu nutzten wir eine Art Zeitstrahl und deuteten den Ideengang während der Entwicklungsphase an. Somit war es noch nötig, nachdem das Konzept der Wärmeübertragung nicht erfolgreich erschien, das bereits teilweise fertiggestellte Fahrzeug mithilfe eines neuen Konzepts zu modifizieren. Somit kamen wir auf die Idee der Trennung des Reaktors vom Wassertank mithilfe einer Gummimembran. Im weiteren Verlauf des Vortrags stand die chemische Reaktion von Backpulver und Essig im Vordergrund, bei der als Reaktionsprodukt Kohlenstoffdioxid entsteht, die wohl einem Jeden aus der Grundschulzeit noch bekannt ist. Zuletzt zeigten wir noch Bilder vom Wettbewerb, um dem Publikum einen Eindruck der notwendigen Präzision zu geben.

Dr. Ljuba Woppowa_TW2Autorin: Dr. Ljuba Woppowa
Position beim VDI: Geschäftsführerin der VDI-Gesellschaften Technologies of Life Sciences (VDI-TLS) sowie Verfahrenstechnik und Chemieingenieurwesen (VDI-GVC)
Aufgabe beim VDI: Geschäftsführung VDI-TLS, VDI-GVC, Betreuung des VDI-Fachbereichs Bionik der VDI-TLS, Betreuung der kreativen jungen Verfahrensingenieure (kjVI) und des ChemCar-Wettbewerbs der VDI-GV.

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