Mentoring-Programm beim TÜV Rheinland

Frauen nach vorn

Über die Vor- und Nachteile einer Frauenquote in Unternehmen wird derzeit viel und kontrovers diskutiert. Dabei haben viele Unternehmen bereits das Potential ihrer gut qualifizierten Mitarbeiterinnen erkannt und fördern diese gezielt. So zum Beispiel der TÜV Rheinland, der in Kooperation mit dem IW Köln und dem VDI innerhalb des Projektes EXIST-ING ein Mentoring-Programm für künftige Fach- und Führungskräfte durchführt. Das nennt sich „TAFF“ und läuft sehr erfolgreich. Warum? Das hat uns Thomas Biedermann, Personalvorstand des TÜV Rheinland, im Interview erkärt.

Herr Biedermann, Sie haben eine große Diversity-Offensive im Personalbereich gestartet. Wie kam es dazu und welche Ziele verfolgen Sie damit?
Es ist uns bewusst, dass Vielfalt in allen ihren Facetten eine Stärke und damit eine Chance ist, die sich systematisch auszu-bauen lohnt. Eine entsprechend bedeutende Rolle spielt Diversity im Rahmen unserer personalstrategischen Zielsetzungen. Wir streben an unsere wesentlichen Entscheidungsgremien möglichst international zu besetzen, die Beschäftigung von Frauen insbesondere in Führungspositionen zu fördern und unseren älteren, erfahrenen Mitarbeitern ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das ihrer individuellen Leistungsfähigkeit gerecht wird.

Bild: TÜV RheinlandTeamwork beim TÜV Rheinland

Der Personalvorstand des TÜV Rheinland, Thomas Biedermann, mit den beiden TAFF-Projektleiterinnen Saskia Jakisch, Personalmarketing und Diversity Management (links), und Sabine Hager, Social Services und Diversity Management (rechts). Foto ©: TÜV Rheinland

 

Wie die meisten großen technisch ausgerichteten Konzerne hat der TÜV Rheinland einen relativ niedrigen Frauenanteil in der Belegschaft und im Management. Sehen Sie hier Handlungsbedarf?
In Deutschland sowie im Ausland liegt der weibliche Anteil un-serer Mitarbeiter bei annähernd 40 %.  Damit sind wir schon gut aufgestellt.  In den Führungspositionen ist der Anteil gerin-ger, in Deutschland sind 11,7 % der oberen Führungskräfte Frauen, im Ausland 15,2 %.  Hier sehe ich eher einen Handlungsbedarf. Enorme Fortschritte  machten wir in 2013 dank des großen Engagements vieler Mitarbeiterinnen, aber auch zahlreicher männlicher Führungskräfte, bei der gezielten Förderung von Frauen bei TÜV Rheinland. Der Fortschritt trägt dabei einen einprägsamen Namen: Women’s Network. Im Rahmen vielfältiger Projekte, Aktivitäten und Workshops wollen wir künftig den grenzüberschreitenden Dialog von Frauen bei TÜV Rheinland fördern, ein starkes Forum für ihre Anliegen und Interessen schaffen und sie in ihrer beruflichen Entwicklung als Fach- oder Führungskräfte gezielt unterstützen.

Bei der Auftaktveranstaltung des TAFF-Mentoring-Projekts im Oktober 2013 haben Sie den Mentoring-Tandems Mut gemacht, eventuell auftretende Widerstände zu überwinden. Was haben Sie damals befürchtet?
Mit dem Projekt haben wir absolutes Neuland betreten und alles Neue wird zunächst kritisch gesehen. Außerdem  sollten die Teilnehmer wissen, dass das gesamte Führungsteam hinter dem Programm steht und ich wollte ihnen Mut machen, auf das Projekt und sich selber stolz zu sein.

Inzwischen kann das TAFF-Mentoring-Projekt fast schon Bergfest feiern, und die Mentoring-Tandems haben einhellig eine sehr positive Zwischenbilanz gezogen. Hat Sie das überrascht?
Es hat mich eher bestätigt, hier weiter zu machen und es hat mich sehr gefreut, dass dieser pragmatische Ansatz ein Erfolg ist. Wir werden dies auf jeden Fall weiter ausbauen.

Welche Perspektive sehen Sie für TAFF?
TAFF ist in 2013 als Pilotprojekt  in der Kölner Hauptverwaltung gestartet und hat sich als ein zielführendes Instrument  herausgestellt, um Frauen bei TÜV Rheinland in ihrer Entwicklung und Sichtbarkeit im Unternehmen zu unterstützen.  Wir wollen das Mentoring Programm zukünftig  als festen Bestandteil unserer Personalpolitik etablieren und für unsere Mitarbeiterinnen an den bundesweiten Standorten weiter öffnen.

(Die Fragen stellte Christiane Flüter-Hoffmann.)

Bild: VDIClaudia_RascheBeitrag: Claudia Rasche
Position im VDI: Wissenschaftliche Referentin im Bereich Beruf und Gesellschaft
Aufgabe im VDI: hier Projektleiterin für EXIST-ING, aber auch Koordinatorin nationaler und internationaler Projekte für und mit Nachwuchsingenieuren und oftmals Redakteurin.

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