Zur Entwicklung von Robotern

Komplexe technische Systeme

Roboter – Wer sind sie? Wo kommen sie her? Wo entwickeln sie sich hin? Wir haben mit Dieter Westerkamp, Bereichsleiter Technik und Wissenschaft im VDI, über das Thema Roboter gesprochen.

Bild: VDIDieter Westerkamp_1Herr Westerkamp, was hat der VDI eigentlich mit Robotern zu tun?
Als technisch-wissenschaftlicher Verein beschäftigen wir uns im VDI mit aktuellen technischen Entwicklungen. Roboter gehören eindeutig dazu, da sie als Produkt wichtig und  für eine effiziente Produktion am Standort Deutschland unersetzbar sind und sie sich zukünftig weitere Anwendungsfelder erschließen werden. Gerade in unseren VDI-Fachgesellschaften, die sich mit Produktions- und Automatisierungstechnik beschäftigen, bieten wir Aktivitäten an. In unserer Richtlinie VDI 2860 ist definiert, wann ein Roboter ein Roboter ist. Am 1. und 2 Juli 2014 treffen sich in Baden-Baden im Rahmen der Tagung „Industrielle Robotik“ wieder Experten, um sich gegenseitig über die neusten Entwicklungen auszutauschen.

Wo arbeiten Experten, die sich mit Robotik beschäftigen?
Experten arbeiten zum einen bei Firmen, die Roboter herstellen, zum anderen dort, wo Roboter eingesetzt werden, also in der Automobilbranche, im Katastrophenschutz oder auch im Krankenhaus.
Roboter sind komplexe technische Systeme, in denen die Disziplinen Maschinenbau, Elektrotechnik, Automation und Informationstechnik zusammenkommen. Dies zeigt, wie vielfältig die möglichen Beschäftigungsfelder für Entwickler von Robotern sind. Ingenieure und Informatiker sind hier also in unterschiedlichen Betätigungsfeldern unterwegs. Aber auch die Anwendung von Robotern bietet vielfältige Einsatzmöglichkeiten für Experten, z.B. im Rohbau oder in der Lackierung von Kraftfahrzeugen. Ganz anders ist das Umfeld für Ingenieure, die Roboter im Umfeld von medizinischen Anwendungen einsetzen, z.B. im Operationssaal oder bei der Unterstützung von Rehabilitationsmaßnahmen.

Wo werden Roboter heute bereits eingesetzt?
Am ehesten bekannt sind Roboter in der Fabrikhalle, in der z.B. Fahrzeuge zusammengeschweißt, lackiert und teilweise auch zusammengesetzt werden. Im Haushalt gibt es bereits erst sogenannte Service-Roboter, die uns z.B. das Rasenmähen oder das Staubsaugen abnehmen. Im Katastrophenschutz kommen Roboter zum Einsatz, wenn es für den Menschen einfach zu gefährlich ist, bestimmte Bereiche zu betreten. Auch im Operationssaal findet der Roboter Anwendung, wo er den Chirurgen bei diffizilen und schwierigen Eingriffen unterstützt. Nicht zu vergessen sind Roboter als Spielzeug – es gibt tolle Systeme, Kindern und Jugendlichen auf spielerische Weise die Möglichkeiten von Robotern und ihren Anwendungen nahe zu bringen.

Was kann ein Mensch besser? Was kann ein Roboter besser?
Menschen sind Robotern mit ihren Fähigkeiten überlegen – insbesondere dann, wenn Intelligenz, Entscheidungsfindung, Koordination und Reaktionen auf die Umgebung sowie Vielfalt von Kompetenzen gefragt sind. Roboter können im Gegensatz dazu nur solche Dinge erledigen, für die sie ausgelegt sind. Sie können auf bestimmte Einsatzgebiete angepasst werden und in bestimmten Grenzen auch trainiert werden – mehr aber auch nicht. Von autonomen Robotern, die ähnliches können wie Menschen, sind wir noch weit entfernt. Interessant ist vielleicht, hier zu erwähnen, dass in Japan gezielt versucht wird, humanoide (menschenähnliche) Roboter zu entwickeln und einzusetzen.
Ein Roboter ist uns Menschen dort voraus, wo es auf Wiederholgenauigkeit, Kraft und Schnelligkeit ankommt. Ein Roboter hebt eine Karosserie auch noch nach einer Woche Dauerbetrieb – auch in der gewünschten Geschwindigkeit. Außerdem setzt er die Scheibe eines Pkw so exakt ein, dass Menschen hier nur schwer mithalten können. Es handelt sich hierbei aber immer um Roboter, die nur für diese eine Funktion ausgelegt wurden. Das klingt so, als würden Roboter Menschen gewisse Arbeitsplätze wegnehmen. Das Gegenteil ist der Fall: Wir können in der Produktion heute gerade solche Arbeitsplätze in Deutschland halten, die in einem hochautomatisierten Umfeld existieren. Automatisierung und Robotik hilft der deutschen Industrie, effizient, qualitativ hochwertig und kostengünstig zu produzieren.

Welches ist der nächste Schritt in der Robotik?
Wir werden uns daran gewöhnen, dass Roboter intelligenter werden und zukünftig sehr viel enger mit dem Menschen zusammenarbeiten. Bisher stehen Roboter in der Fabrikhalle meist in abgeschlossenen Bereichen, zu denen kein Mensch Zutritt hat. Das wird sich ändern: Die Mensch-Roboter-Kooperation ist ein großes Forschungsthema. Es wird nicht mehr lange dauern, bis Mensch und Roboter Prozessschritte in der Produktion gemeinsam durchführen werden. Dafür müssen besondere Sicherheitsmaßnahmen im Roboter integriert sein, z.B. Näherungssensoren, eine taktil empfindliche Roboterhaut oder eine vollständige optische Überwachung.

Ist es vorstellbar, dass jeder Mensch irgendwann einen eigenen Roboter hat, der ihm das Leben erleichtert?
Ja, definitiv. Die Service-Robotik wird uns im Haushalt, in der Pflege und in weiteren Situationen des täglichen Lebens helfen. Gerade im Hinblick auf den vor uns liegenden demografischen Wandel wird es einen entsprechend großen Markt dafür geben. So gibt es bereits Prototypen für die Erledigung von Hol- und Bringdienste. Fragt man Menschen, welche Roboter sie sich für den Haushalt wünschen, lautet die häufigste Antwort: „Ich wünsche mir einen Roboter, der Fenster putzt.“ Auch hierfür gibt es bereits erste Systeme.

Wie sollte Ihr Roboter der Zukunft sein, was sollte er können?
Mein Roboter sollte das gut können, was mir überhaupt keinen Spaß macht – dazu gehört zweifellos das Aufräumen und Säubern der Küche …

Auch in unserer aktuellen tectv-Sendung dreht sich alles rum Roboter, schaut mal rein:

Wie sollte Euer Roboter der Zukunft sein? Was sollte er können?

Sabrina FeliuDas Interview führte: Sabrina Feliu
Position beim VDI: Assistentin des Bereichsleiters für Strategie und Kommunikation
Aufgabe beim VDI: Kümmert sich um den Außenauftritt des VDI – in Form von Reden, Ausstellungen und Präsentationen. Projektleiterin des Jugendsenders tectv und des deutschen Beitrags der UNESCO Engineering Initiative „Quality Engineering for Sustainability“.

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