Der VDI in Brasilien

Die Copa als Chance nutzen!

Zur Fußballweltmeisterschaft rückt Brasilien ins Blickfeld der Welt. Vier Wochen lang wird der bevölkerungsreichste Staat Südamerikas dem Fußball eine riesige Bühne bieten und Bilder von Stadien und Fans, Taktik, Technik, Teamplay sowie Siegen und Niederlagen um den Globus schicken.

Doch Fußball ist mehr als pure Emotion. Ohne präzise Planung und eine durchdachte Infrastruktur, hilfreiche Technologien und innovatives Equipment wäre Fußball nicht das Fußballfest, was es heute ist. Dafür sorgen Ingenieure mit ihrem Know-how. In Brasilien werden sie dabei vom VDI-Freundeskreis Brasilien aktiv unterstützt.

Geschmückte Straße in Brasilien

In den Straßen rund um die Geschäftsstelle des VDI-Brasilien breitet sich schon Vorfreude auf die Copa aus (Bild: Matthias Neisser).

Wir wollten wissen, wie es sich als Ingenieur in Brasilien so lebt und wie die Stimmung kurz vor dem Start der Fußball-WM eigentlich wirklich ist. Nachgefragt haben wir dafür direkt vor Ort und bei einem, der es wissen muss: Der deutsche Ingenieur Jürgen Dehning lebt seit sechs Jahren in São Paulo, davor vier Jahre in Brasília, und arbeitet als selbstständiger Berater im Bereich Umwelt.

Foto_DehningHerr Dehning, es dauert nicht mehr lange, dann wird das Eröffnungsspiel zwischen Brasilien und Kroatien in Ihrer Stadt angepfiffen. Wie ist bei Ihnen die Stimmung? Ist die Vorfreude schon groß?
Ja, ich muss schon sagen, dass ich mich auf interessante Spiele mit den besten Spielern der Welt freue. Sicherlich werde ich einige Stunden vor dem Fernseher verbringen, wann immer es die Zeit erlaubt. Da ich ja als selbstständiger Berater arbeite, lässt sich der eine oder andere Termin vielleicht entsprechend anpassen. An Tickets konnte ich leider nicht kommen, allerdings gibt es einen Bekannten, der Karten für sich hier in São Paulo bekommen hat, aber an zwei Tagen möglicherweise nicht kann. Dann könnte es für mich doch noch klappen.

Kennen Sie Ingenieure, die an einem Stadion für die WM gearbeitet haben? Wie verlief diese Arbeit und hatten Sie vielleicht sogar selbst die Möglichkeit eines der Stadien zu sehen?
Ich persönlich kenne keinen Ingenieur, der an einem Stadion mitgearbeitet hat. Über einen Freund konnte ich mir das Estádio Mané Garrincha in Brasília ansehen. Das war im Oktober letzten Jahres und damals gab es noch einiges zu tun.

Man hört immer wieder von wütenden Protesten aus Brasilien. Demonstranten beklagen immense Ausgaben für die Fußball-WM, Korruption und besonders den teuren Stadionneubau in Brasília. Wie nehmen Sie vor Ort die Proteste war?
Ja, es gab viele Proteste, besonders im letzten Jahr während des Konföderationen-Cups. Als die immensen Kosten für die Copa, wie man hier zur WM sagt, öffentlich wurden, waren viele Leute wütend. Die öffentlichen Schulen und das Gesundheitssystem sind schlecht, die Infrastruktur auch, aber für die Copa sind Milliarden übrig. Als dann letztes Jahr die Preise für die Bustickets hier in São Paulo erhöht wurden, gingen die Leute auf die Barrikaden und das zog sich durch das ganze Land. Auch heute gibt es Proteste gegen die Kosten, aber besonders häufig sind zur Zeit die Streiks. Verkehrspolizisten, die Polizei, Busfahrer, U-Bahn-Betreiber legen die Arbeit nieder, dann ist das Chaos perfekt und nichts geht mehr. Ich habe deswegen auch schon Termine verpasst.

Deutschland wurde nach der gelungenen WM 2006 im eigenen Land weltweit mit anderen Augen gesehen. Wie glauben Sie, wird die Fußball-WM Ihr Land verändern?
Das Land wird sich nicht verändern, aber möglicherweise die Sicht von außen. Brasilien hat die Chance, sich mit der Copa und den Olympischen Spielen 2016 positiv zu präsentieren. Ich hoffe sehr, dass das klappt, denn das ist sehr wichtig für das Land.

Herr Dehning als deutscher Ingenieur und Mitglied des VDI-Brasilien sind für den VDI ein Bindeglied zwischen Brasilien und Deutschland. Welcher Mannschaft drücken Sie eigentlich die Daumen? Deutschland oder Brasilien?
Wenn Brasilien gewinnt, dann ist das gut. Bei einem direkten Aufeinandertreffen bin ich allerdings für Deutschland. Übrigens auch viele Brasilianer, denn bei einem direkten Duell spielt die deutsche Mannschaft in den Vereinsfarben von Flamengo Rio de Janeiro, in Schwarz/Rot. Es gibt 40 Millionen Flamengo-Fans und viele von denen machen sich nicht so viel aus der brasilianischen Seleção, die stünden dann hinter der deutschen Mannschaft.

Zu guter Letzt Ihr Tipp: Wer wird Fußballweltmeister 2014?
Deutschland wäre toll, aber ich fürchte, es wird Argentinien. Sie haben eine starke Mannschaft und kennen die Gegebenheiten hier sehr gut. Für die Brasilianer wäre das allerdings eine Katastrophe.

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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