So schützen Sie sich vor Sturmschäden durch Solaranlagen

Schraube locker?

Rund um die VDI-Hauptgeschäftsstelle in Düsseldorf sind Feuerwehr und Anwohner immer noch damit beschäftigt, die schweren Schäden vom Gewittersturm am Pfingstmontag zu beseitigen. Aufpassen sollten auch alle, die eine Solaranlage installiert haben.

Es geht nicht um herumwirbelnde Baumfragmente, die Solaranlagen beschädigen, sondern um herumfliegende Teile von Solaranlagen, die zur Gefahr werden. Unsachgemäß befestigte Fotovoltaik-Module oder Solarthermie-Kollektoren können bei Windereignissen wie dem Sturm am Pfingstmontag vom Dach gerissen werden. Dabei werden nicht nur Dachdeckung und Dachtragwerk durch das Abreißen beschädigt, sondern auch Menschen und Sachgüter durch herumfliegende schwere Teile gefährdet. Stellt sich heraus, dass die Anlage nicht sachgemäß angebracht war, haftet der Eigentümer für entstehende Schäden (zur Betreiberverantwortung bei Gebäuden und gebäudetechnischen Anlagen siehe auch VDI 3810 Blatt 1 und VDI 3810 Blatt 1.1, www.vdi.de/3810).

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Foto: Thomas Ernsting / LAIF

Die Befestigung von Solarmodulen und -kollektoren nach den Regeln des Handwerks wird in E VDI 6012 Blatt 1.4 beschrieben. Das Thema ist kein triviales: Schäden – nicht nur durch Sturm – zeigen immer wieder bestimmte Problemstellen auf.

Hier die Top-Tipps zum Schutz vor solchen Schäden:

1. Schäden am Dach durch sachgemäße Anbringung vermeiden
Solaranlagen können nicht schlicht „aufs Dach geschraubt“ werden. Die Dachdeckung (Dachpfannen) müssen teilweise entfernt, durchbohrt oder zugeschnitten werden, und die Befestigungen müssen sachgerecht am darunter liegenden Dachtragwerk erfolgen. Häufige Fehlerquelle an dieser Stelle: Die Dachdeckung wird nicht korrekt wieder hergestellt. In der Folge treten Undichtheiten am Dach und Feuchteschäden an Dachtragwerk und Wärmedämmung auf.

2. Sichere Befestigung durch fachgerechte Montage und passende Montagesysteme gewährleisten
Natürlich darf das Dachtragwerk nicht durch Schrauben oder Bohrungen in seinen statischen Eigenschaften beeinträchtigt werden. Einige Hersteller von Solaranlagen bieten Baukastensysteme an, die je nach Dachkonstruktion geeignete Befestigungssysteme enthalten. Dass eine lockere Schraube schlecht ist, ist trivial. Eine zu fest angezogene Schraube ist aber auch nicht viel besser. Die Schraubverbindungen der Befestigungssysteme müssen häufig mit definiertem Drehmoment angezogen werden. Sonst droht eine Beschädigung des Dachtragwerks oder ein Versagen der Schraubverbindung. Da die Hersteller der Anlagen wissen, dass jedwede mit der Solaranlage verbundene Irritation des Kunden zu ihren Lasten geht, empfehlen sie mitunter, „ihre“ Anlagen nur von Fachhandwerkern anbringen zu lassen, die vom jeweiligen Hersteller speziell geschult und zertifiziert sind.

3. Sichere Abschaltung ermöglichen
Wenn die Befestigung der Anlage versagt, dienen die Kabel als Notleine. Schön, dass die Anlage nicht herunterfällt! Was aber in so einem Fall elektrisch passiert? Ein Versagen der Isolierung kann zu Gefahren durch Stromschläge oder gar zum Brand führen. Daher empfiehlt sich, eine sichere Notabschaltung vorzusehen. Diese ist auch von Nutzen, wenn es zum Brand kommt: Fotovoltaikanlagen produzieren Gleichspannung, bei Serienschaltung von mehreren Elementen durchaus auch gefährlich hohe. Daher gibt es Berichte über Brandfälle, bei denen sich der Einsatzleiter der Feuerwehr angesichts der Gefahr von Stromschlägen für die Einsatzkräfte entscheiden musste, Gebäude lieber kontrolliert abbrennen zu lassen, als sie zu löschen. Die Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren empfiehlt den Einbau von Fotovoltaik-Modulen mit elementweiser Abschaltmöglichkeit vom Wechselrichter aus. In diesem Fall treten nur die von einzelnen Elementen erzeugten, zumeist ungefährlichen Spannungen auf.

4. Nachschauen, ob noch alles in Ordnung ist.  
Empfehlenswert ist nach einem solchen Wetterereignis wie Pfingsten auf jeden Fall eine Inspektion der Anlage, optimalerweise durch eine Fachfirma, um sicherzustellen, dass Anlage und Befestigung auch nach der heftigen Beanspruchung noch in bestimmungsgemäßem Zustand sind und nicht nur zufällig noch nicht heruntergefallen ist, denn bekanntlich ist nach dem Sturm vor dem Sturm.

Hinweise zur sachgerechten Befestigung von Solarmodulen und -kollektoren an und auf Gebäuden gibt der im Januar 2014 erschienene Entwurf VDI 6012 Blatt 1.4 (www.vdi.de/6012).

Thomas WollsteinAutor: Thomas Wollstein
Position beim VDI: Technisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, Betreuer Fachbereich Facility-Management, Mitarbeit im Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung.
Aufgabe beim VDI: Technische Regelsetzung, Mitgliederbetreuung und -gewinnung

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