Businesskleidung im Sommer

Was ziehe ich nur an?

Morgen ist meteorologischer Sommeranfang. Im Sommer stellt sich vielen jedes Jahr die Frage: Was ziehe ich bei 30 Grad ins Büro an? Sind Anzug bzw. Kostüm und Hemd Pflicht? Oder gibt es Alternativen? Wir haben mit Gerlin Hartwig, die auf den Recruiting Tagen der VDI nachrichten regemäßig vor allem Ingenieure in Sachen Selbstdarstellung und Outfiwahl berät, mal einen Profi dazu befragt.

Gerlinde_HartwigFrau Hartwig, stellen Sie sich doch bitte kurz in max. 140 Zeichen vor.
Ich bin 42 Jahre jung und Mutter von 3 Jungen. Besonders prägend für meinen jetzigen Beruf als Imageberaterin waren die vielen Jahre im internationalen Vertrieb und Einkauf eines mittelständischen Unternehmens in einem Großkonzern.

Sie beraten die Teilnehmer des Recruiting Tags der VDI nachrichten in Sachen persönliche Darstellung, Outfit-Wahl und Auftreten. Morgen haben wir den meteorologischen Sommeranfang. Zeit für Flip Flops?
In der Freizeit sind Flip Flops eine bequeme und trendige Alternative zur Sandale oder zum geschlossenen Schuh.
Meinem Empfinden nach sind Flip Flops der Freizeit vorbehalten. Es gibt zwar auch hochwertige und dezente Modelle aus Leder, dennoch assoziieren die meisten ein Urlaubs- oder Freizeitgefühl. Ich empfehle, andere Sommerschuhe im Berufsalltag zu tragen. Die Erfahrung zeigt z.B. auch, dass viele Menschen in Flip Flops nicht den aufrechten und dynamischen Gang haben, der ihnen sonst gut tut, um Selbstbewusstsein auszustrahlen. Häufig „schlappen“ Flip Flop Träger.

Welche Bekleidungsalternativen gibt es an heißen Arbeitstagen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
In Deutschland gibt es nur in wenigen Branchen vorgeschriebene Dresscodes. Die Branche, Hierarchie und das Aufgabengebiet geben vor, wie die Mitarbeiter sich kleiden sollten, um das Unternehmen angemessen zu repräsentieren. Wenn das Unternehmen Businesskleidung vorgibt, sollten sich die Mitarbeiter auch daran halten. In dem Fall empfehle ich Anzüge und Kostüme in sommerlichen Stoffen, die einen kühlenden Effekt haben. Hierbei handelt es sich um die sogenannte „Cool-Wool“. Wollmischgewebe mit Kaschmiranteilen und Seidenwollmischungen sind ebenfalls geeignet. Dazu ein helles Langarmhemd aus einem Baumwollgemisch und passender Krawatte. Lassen Sie sich am besten im Fachhandel beraten. Auch die nicht sichtbare Kleidung sollte mit Bedacht gewählt werden. Leichte Funktionswäsche kann große Dienste leisten. Die Herren können zu leichten Socken aus z.B. einem Seidengemisch greifen. Die Schuhe sollten zum Gesamtoutfit passen.
In Unternehmen, die keinen Dresscode vorgeben, und für die Mitarbeiter, die keinen Kundenkontakt haben, geht es im Sommer in Sachen Kleidung lockerer zu. Gepflegte Shirts, Poloshirts und auch Kurzarmhemden sind durchaus angemessen. Ein Kurzarmhemd ist leger und es wird keine Krawatte dazu getragen, auch wenn man es ab und zu sieht. Dazu ordentliche sommerliche Hosen und leichtere Schuhe.
Die Damen sind hier klar im Vorteil, denn sie können aus gepflegten Sommerhosen, Röcken und Kleidern wählen. Bei Kleidern und Röcken ist in den häufigsten Fällen „knieumspielend“ optimal. Für die Oberteile empfehle ich ebenfalls gepflegte Shirts, Tunikas, Poloshirts und Kurzarmblusen. Bitte verzichten Sie auf Leggings mit Shirts, Hotpants, sehr kurze Röcke und auch Tops mit Spaghettiträgern. Zeigen Sie diese Kleidungsstücke am besten in Ihrer Freizeit.
Klären Sie im Team und mit dem Vorgesetzten, welche Erwartungen das Unternehmen und der bzw. die Vorgesetzte in Sachen Sommerkleidung an die Mitarbeiter hat. Dann können alle Beteiligten entsprechend planen und Missverständnisse oder Fehlgriffe werden ausgeschlossen.

Ein Vorstellungsgespräch bei 30 Grad. Welches Outfit ist angemessen?
Ein Vorstellungsgespräch ist immer eine besondere Situation. Außerdem dauert es in der Regel max. 2 Stunden. Viele Unternehmensgebäude sind heutzutage mit Klimaanlagen ausgestattet, so dass die Besprechungsräume meistens angenehm temperiert sind. Der Bewerber, die Bewerberin sollte stets gegenüber dem potenziellen Arbeitgeber Wertschätzung und Respekt zeigen. Die Bewerber wollen für sich „werben“. Was liegt da näher, als sich von seiner professionellen Seite zu zeigen? Zur Professionalität gehört neben der fachlichen Kompetenz auch die Fähigkeit, sich – und somit später das Unternehmen – angemessen zu repräsentieren.
Auch hier gilt wieder, die Branche und die Anforderung des möglichen Arbeitsplatzes geben den Dresscode vor. Mit einem „leichten Anzug“ und einem hellen Hemd liegen die Bewerber in der Regel auf der richtigen Seite. Eine dezent gemusterte und farblich passende Krawatte runden das Outfit ab. Die Schuhe sollten den dunkelsten Punkt der Kleidung darstellen. Zu dunkelblauen, grauen und anthrazitfarbenen Anzügen passen schwarze Schuhe und demnach auch dunkle Socken am besten.
Steht das Unternehmen für eine legere Unternehmenskultur sind durchaus ein ordentliches und gepflegtes Jackett und eine knitterfreie Baumwollhose sowie ein helles Langarmhemd in Ordnung. Die Schuhe und die Socken sollten auf das Gesamtoutfit abgestimmt sein.
Frauen haben eine größere Wahlmöglichkeit. Sie können sich für ein Businesskostüm, Hosenanzug oder Etuikleid mit Jacke entscheiden. Die legerere Variante ist eine schicke Stoffhose oder ein schicker knieumspielender Rock mit Edelshirt oder Bluse und Jacke. Dazu einen schlichten Pumps mit einer Absatzhöhe von ca. 5 cm oder zur Hose auch einen flachen Lederschuh. Sowohl für die Herren als auch für die Damen gilt: gepflegt Kopf bis Fuß. Auch bei sommerlichen Temperaturen.

Und wie sieht es mit Strümpfen bei Frauen aus?
Erwartet der Arbeitgeber ein formelles Business-Outfit, dann gehört die Feinstrumpfhose auch bei hochsommerlichen Temperaturen dazu.
Dürfen die Mitarbeiterinnen auch legerere Kleidung bei der Arbeit tragen, kann die Feinstrumpfhose weggelassen werden. Das Gesamtbild sollte jedoch immer stimmig sein z.B.: wählt die Mitarbeiterin trotzdem ein Etuikleid mit klassischen Pumps, dann sollte dieses Bild durch helle Feinstrumpfhosen abgerundet werden. Zum Sommerkleid, -rock oder -hose gehören  nicht unbedingt Strümpfe. Zeigt die Mitarbeiterin nackte Beine, sollten diese enthaart sein. Trägt „Frau“ Sandalen und Co., empfehle ich rundum gepflegt Füße. In Sandaletten, offenen Pumps, Peeptoes etc. werden weder Strümpfe noch Feinstrumpfhosen getragen. Es sei denn, Sie greifen für Peeptoes auf die Feinstrumpfhosen, bei denen die Zehen frei sind.
Stehen Kundentermine, Präsentationen oder auch Geschäftsreisen an, empfehle ich trotz hochsommerlicher Temperaturen den Griff zur Businessgarderobe.

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