64. Lindauer Nobelpreisträgertagung

Auf Augenhöhe mit den Großen der Wissenschaft

Jungforscher aus der ganzen Welt haben einmal im Jahr die Gelegenheit persönlich mit den ganz Großen der Wissenschaft ins Gespräch zu kommen. Die Rede ist von der Lindauer Nobelpreisträgertagung. Vier von insgesamt 600 Nachwuchswissenschaftlern wurden vom VDI für die Teilnahme nominiert. Ihre thematischen Schwerpunkte liegen alle im Bereich Medizin und Physiologie, dem die diesjährige Veranstaltung gewidmet ist. Wir haben mit Dipl.-Ing. Christoph Brüser und Dr.-Ing. Tobias Wartzek, beide am Lehrstuhl für Medizinische Informationstechnik der RWTH Aachen tätig, über Ihre Erlebnisse am Bodensee gesprochen.

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Dipl.-Ing. Christoph Brüser (li.) und Dr.-Ing. Tobias Wartzek (re.) während des Besuchs der 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung am Bodensee (Bild: Christoph Brüser)

Herr Brüser und Herr Wartzek, seit 2005 nominiert der VDI jährlich Nachwuchswissenschaftler für die inzwischen schon legendäre Lindauer Nobelpreisträgertagung. Wie haben Sie davon erfahren und welche Erwartungen hatten Sie an das Treffen?
Christoph Brüser: Zunächst einmal möchten wir uns ganz herzlich beim VDI dafür bedanken, dass er uns die Teilnahme an dieser einmaligen Veranstaltung ermöglicht hat. Wir haben beide über den Leiter unseres Lehrstuhls, Prof. Dr.-Ing. Dr. med. Steffen Leonhardt, erfahren, dass wir evtl. die Chance haben werden am diesjährigen Treffen teilzunehmen. Natürlich haben wir uns sehr gefreut, als wir im Frühjahr erfahren haben, dass wir beide vom Lindauer Organisationskomitee als Teilnehmer ausgewählt wurden.

Wartzek: Was unsere Erwartungen angeht, so haben wir uns auf viele interessante Begegnungen mit Nobelpreisträgern, aber vor allem auch anderen Nachwuchswissenschaftlern aus der ganzen Welt eingestellt. Gleichzeitig war uns natürlich bewusst, dass wir mit unserem ingenieurwissenschaftlichen Hintergrund eher zu den Exoten zählen werden. Dies haben wir aber als große Chance gesehen über den eigenen Tellerrand hinaus und in andere Disziplinen hinein zu schauen.

Bei der diesjährigen Veranstaltung haben 37 Nobelpreisträger teilgenommen – so viele wie noch nie und Sie beide mitten drin. Mit welchen hochrangigen Wissenschaftlern konnten sie sich austauschen und welche Themen wurden angesprochen?
Tobias Wartzek: Neben vielen anderen Themen, z.B. aus dem Bereich der Krebsforschung, war die Rolle von „Big Data“ in der medizinischen Forschung eines der Schlüsselthemen, welches uns als Ingenieure besonders angesprochen hat.

Brüser: Dazu konnten wir uns z.B. beim Abendessen mit dem australischen Physik-Nobelpreisträger Brian P. Schmidt austauschen und somit erfahren, dass er seine mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Messungen über die Beschleunigung der Ausbreitung des Universums bereits mit Anfang dreißig durchgeführt hat.

Was werden Sie vom Treffen mitnehmen und welches war das beeindruckendste Erlebnis?
Christoph Brüser: Ein emotional sehr bewegender Moment war die Diskussionsrunde mit dem amerikanischen Nobelpreisträger Roger Tsien, der nur knapp ein Jahr nach einem erlittenen Schlaganfall den Weg nach Lindau auf sich genommen hat. Neben den interessanten Gesprächen werden uns sicherlich die z.T. sehr inspirierenden Vorträge der Laureaten im Gedächtnis bleiben, wie der des bereits 89 Jahre alten Oliver Smithies.

Tobais Wartzek: Ebenso war es sehr spannend den Ausführungen von Barry Marshall über seinen wissenschaftlichen Werdegang und seinem Nachweis, dass Helicobacter-pylori-Bakterien für die meisten Magengeschwüre verantwortlich sind, zu folgen. Sehr amüsant war dabei seine Anekdote, dass in seinem Büro, neben dem Nobelpreis, auch ein Ablehnungsschreiben für eine seiner ersten Veröffentlichungen zu diesem Thema hängt.

Wie sieht es aus? Ist die Motivation bei Ihnen geweckt auch einmal den Nobelpreis in Stockholm entgegen zu nehmen?
Christoph Brüser: Die Woche in Lindau hat sicherlich die Lust auf neue bahnbrechende Entdeckungen und eine Reise nach Stockholm geweckt. Gleichzeitig muss man aber natürlich realistisch sein und verstehen, dass Ingenieure in der Regel eher anwendungsorientiert arbeiten und dadurch naturgemäß verschwindend geringe Chancen auf den sehr grundlagenorientierten Nobelpreis haben.

Tobias Wartzek: Eine schöne Inspiration bleibt es aber natürlich trotzdem und man sollte niemals nie sagen… ;-)

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Drei der vier vom VDI nominierten Nachwuchsforscher: Dipl.-Ing. Christoph Brüser (li.), Espen Groth (mitte) und Dr.-Ing. Tobias Wartzek (re.) auf der 64. Lindauer Nobelpreisträgertagung. (Bild: Christoph Brüser)

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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