Nachhaltige Arenen für die #WM2014

Grüne Stadien in Brasilien

Bei der FIFA Fußball-Weltmeisterschaft™ beweist Gastgeber Brasilien sein ökologisches Gespür: mit nachhaltigen Arenen, an deren Prüfung auch TÜV Rheinland beteiligt war.

Bild: Shutterstock.comGrüneStadieninBrasilien_blog

Maßstäbe aus Brasilien
Pelé, Ronaldo, Ronaldinho oder Kaká: Brasilien setzt als der fünftgrößte Staat der Erde laufend neue Maßstäbe in der Welt des runden Leders. Dass die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft™ 2014 im eigenen Land stattfindet, dürfte die Brasilianer erneut zu Höchstleistungen antreiben. Ihre Vorreiterrolle aber wollen die Gastgeber nicht nur auf dem Rasen verteidigen. Auch die zwölf Fußballstadien werden beim Großereignis einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Handelt es sich doch bei den sieben Neubauten und fünf Grundrenovierungen um die umweltfreundlichsten Spielstätten, die es in Brasilien je gegeben hat. Den Anspruch auf Nachhaltigkeit haben sich die Verantwortlichen sogar zertifizieren lassen, unter anderem vom TÜV Rheinland.

Bild: TÜV RheinlandTÜV-Prüfer in Brasilien

Die TÜV-Prüfer in Brasilien (Foto: TÜV Rheinland)

 

Energiefresser unter der Lupe
Überhaupt spielt das Thema Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle bei diesem Turnier. Der Weltfußballverband FIFA möchte die mediale Aufmerksamkeit nutzen, um neben dem Sport auch gesellschaftliche und ökologische Fragen in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken. In der offiziellen Nachhaltigkeitsstrategie ist beispielsweise die Rede davon, den CO2-Fußabdruck der gesamten Veranstaltung reduzieren zu wollen, um ein Zeichen gegen globale Erwärmung zu setzen. Nicht umsonst heißt das WM-Maskottchen dieses Mal Fuleco – eine begriffliche Verbindung aus „futebol“ (Fußball) und „ecologia“ (Umweltschutz). Die Idee, nachhaltige Stadien zu bauen, geht allerdings allein auf die Initiative Brasiliens zurück und war ursprünglich keine Forderung der FIFA. Ebenso wenig wie die angesprochene Zertifizierung: Leadership in Energy and Environmental Design, kurz LEED, ist ein System zur Klassifizierung von nachhaltigen Gebäuden. Für das international anerkannte Umweltzertifikat hat das U.S. Green Building Council ausführliche Prüflisten und Kriterien entwickelt, die beim Bau von „grünen“ Gebäuden befolgt werden müssen. So auch bei den brasilianischen Fußballstadien.

TÜV Rheinland überwachte Neubau
Die Experten des TÜV Rheinland haben den Neubau der Arenen in São Paulo, Salvador und Natal sowie die Renovierung des Stadions in Porto Alegre für die LEED-Zertifizierung überwacht. In den vergangenen drei Jahren ist das Team immer wieder an der Ostküste Brasiliens entlanggereist, um den Stadien einen Besuch abzustatten. „Unsere Prüfungen konzentrierten sich vor allem auf die Anlagen und Systeme, die Energie verbrauchen. Je mehr Energie in einem Stadion eingespart werden kann, desto besser“, erklärt Regina Toscano, unsere Expertin in Brasilien. Das fünfköpfige Team nahm deshalb besonders die Energiefresser unter die Lupe. Allen voran die Klimaanlagen, die gewöhnlich am meisten Energie benötigen, um die Temperatur in den Gängen und riesigen Innenräumen des Stadions zu regulieren. Doch auch die Wasserpumpen, die aufgefangenes Regenwasser durch endlose Leitungen zu den Toiletten und Sprinkleranlagen befördern, müssen effizient arbeiten, um den Anforderungen der LEED-Zertifizierung gerecht zu werden.

Grünes Stadion in Brasilia
Generell haben sich die Brasilianer sehr innovativ beim Bau ihrer Stadien gezeigt. Beispiel Brasília: Das Nationalstadion in der brasilianischen Hauptstadt wurde für das Turnier bis auf die Grundmauern abgerissen. Der an gleicher Stelle neu entstandene Säulenbau fügt sich nicht nur optimal ins Stadtbild ein. Er zeigt auch sehr eindrucksvoll, was unter einem grünen Stadion zu verstehen ist: Die Säulen ermöglichen eine natürliche Belüftung des Innenraums, das Dach absorbiert Sonnenstrahlen. So lässt sich die Anzahl an Klimaanlagen zumindest reduzieren. Zusätzlich befinden sich Solarmodule auf dem Dach, die bei gutem Wetter mehr Energie erzeugen, als verbraucht werden kann. Mit dem Regenwasser lassen sich 80 Prozent des Eigenbedarfs decken, etwa in den Toilettenspülungen. Außerdem liegt das Stadion mitten in der Stadt und ist bestens an die öffentlichen Verkehrsmittel angebunden. Nebenbei lässt es sich bequem mit dem Fahrrad erreichen, 3.500 Abstellplätze laden sogar dazu ein.

Aus alt mach neu: Arena in Salvador
Beeindruckt zeigten sich selbst unsere Prüfer von der nachhaltigen Bauweise der Brasilianer in Salvador. Sämtliche Materialien der abgerissenen alten Arena wurden dort in der neuen wiederverwendet. Das bedeutete: Steine abtragen, zerkleinern und mahlen, um aus dem Schutt Beton herzustellen. Ganz ähnlich wird es Teilen der Tribünen im Stadion von São Paulo ergehen, wenn die WM vorbei ist. Die beiden rechteckigen Tribünen entlang der Torlinie sollen wieder abgetragen und das Material soll ärmeren Bevölkerungsschichten zur Verfügung gestellt werden. In anderen Stadtteilen könnten daraus beispielsweise neue Unterkünfte entstehen.

Engagement zahlt sich aus
Das brasilianische Engagement in Sachen Nachhaltigkeit hat sich jedenfalls schon jetzt ausgezahlt. Denn die FIFA erwartet künftig bei all ihren Fußballspielen auf internationaler Ebene, dass die Stadien gemäß einer Umweltzertifizierung gebaut sind. Wieder einmal hat Brasilien einen neuen Maßstab gesetzt.

Bild: TÜV RheinlandTÜV Rheinland LogoAutor:
Frank Ehlert
TÜV Rheinland

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