Dateningenieur in der Formel 3

Karrieresprungbrett Formula Student Germany

Im Team für die gemeinsame Sache kämpfen und sich die Nächte um die Ohren schlagen. Testen, immer wieder verbessern, ausprobieren und am Ende alles umwerfen. Während des Konstruktionswettbewerbs Formula Student Germany wird den Teams eine Menge abverlangt. Die über 3.000 Studierenden genießen ihre Zeit am Hockenheimring trotzdem – und der eine oder andere fängt richtig Feuer. So wie Tim Kayser. Der Nachwuchsingenieur hat den Sprung in die Formel 3 geschafft. Wie ihm das gelang, was die FSG damit zu tun hat und wie sein Arbeitsalltag aussieht, hat er uns im Interview erzählt.

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Was Tim Kayser bei der FSG gelernt hat, hilft ihm heute als Dateningenieur bei der Formel 3. (Bild: Gruppe C Motorsport Verlag GmbH / Tim Upietz)

Stell Dich doch bitte kurz in 140 Zeichen vor.
Mein Name ist Tim Kayser, ich bin Masterstudent an der TU Braunschweig, Mitglied des Bundesvorstands der VDI Studenten und Jungingenieure und aktuell Dateningenieur in der FIA Formel 3 Europameisterschaft bei Mücke Motorsport

Du hast im letzten Jahr an der FSG teilgenommen. Mittlerweile hast Du den Rennsport zum Beruf gemacht. Wie ist es dazu gekommen?
Genau! 2013 war ich noch mit dem Lions Racing Team der TU Braunschweig Teilnehmer der FSG. Die Tätigkeiten im Team, am Auto, in der technischen Entwicklung und insbesondere auch vor Ort am Rennplatz haben mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. So wurde das kleine flackernde Feuer in mir komplett entfacht. Trotz meines Studiums der Luft- und Raumfahrttechnik, oder aber vielleicht auch gerade deshalb, habe ich mich intensiv mit verschiedenen Einstiegsmöglichkeiten in den professionellen Rennsport auseinandergesetzt. Da mir „lediglich“ meine Masterarbeit zum Abschluss des Studiums fehlt, war das ein guter Triggerpunkt, um über eine Thesis im Bereich der Aerodynamik den Sprung zu bewältigen. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort und ich bin mit Mücke Motorsport in Kontakt gekommen. Sie haben mir im Anschluss eine Stelle als Dateningenieur in der Formel 3 Europameisterschaft und die Möglichkeit einer Masterarbeit in Aussicht gestellt. Der Entschluss, nach Berlin zu ziehen und Teil dieses aufregenden Geschehens zu werden, fiel mir deshalb leicht. Auch nach einigen Monaten macht es mir noch außerordentlich viel Spaß und ich bin heiß auf mehr!

Wie sieht Dein Arbeitsalltag in der Formel 3 aus?
Als Dateningenieur in der Formel 3 sind die Tage sehr unterschiedlich und abwechslungsreich, nehmen wir mal nur den Rennplatz: In der Regel sind wir von Donnerstagmittag bis Sonntagabend dort. Zu Beginn müssen unsere Zelte aufgebaut und der Ingenieurraum im Truck eingerichtet werden. Hierbei helfen alle. Es ist meine Aufgabe, die Messplatten für unsere Autos auszurichten, damit sie an jedem Abend und nach Unfällen repräsentativ vermessen und die Federwegsensoren eingestellt werden können. Am Abend erhalten alle Teams Zugriff auf drei Sätze Reifen für Qualifying und Rennen. Ich überprüfe dann sämtliche Codes der Reifen, um sicherzustellen, dass wir am Rennwochenende mit legalen Reifen fahren und nicht disqualifiziert werden. Am Freitag, Samstag und Sonntag stehen die Trainings, Qualis und Rennen an. Hier findet auch meine Kerntätigkeit statt. Gemäß des Reglements dürfen aufgezeichnete Daten nur über eine serielle Schnittstelle heruntergeladen werden. Dies muss nach jedem Run erfolgen und anschließend ausgewertet werden. Definierte wichtige Parameter müssen sofort an den Renningenieur gemeldet werden, damit er noch während der Session oder kurz vor Beginn darauf Einfluss nehmen kann. Ein klassisches Beispiel hierfür ist die Wassertemperatur des Motors, die über den Kühler reguliert wird. Nach jeder Session finden intensive und ausführliche Analysen statt. Ich muss dann die Aktivitäten der Fahrer analysieren, sprich: Fährt der Fahrer im richtigen Gang? Schaltet er zur richtigen Zeit? Wie sieht der Bremsdruckaufbau aus? Ist er schnell und kräftig genug? Hält er das richtige Startprozedere ein? Und noch vieles mehr. All dies muss bis ins kleinste Detail analysiert werden, um Ursachen für mögliche Fehler zu finden, damit der Renningenieur die richtigen Veränderungen anordnen kann, damit die Fehler kein weiteres Mal auftreten. Meine Aufgabe ist es auch, die Sensoren und das Steuergerät richtig einzustellen, damit es beispielweise weiß, welche Übersetzung im Getriebe eingelegt ist. Am Sonntag nach dem letzten Rennen muss dann wieder alles eingepackt werden, damit wir mit den LKWs zurück nach Berlin fahren können. Dort werden die Autos für die nächsten Rennen vorbereitet. Wenn sich jemand mal die Rennen anschauen möchte, kann er sie auf n-tv LIVE mit zu verfolgen. Jeweils Samstag- und Sonntagvormittag.

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„Am Ende sind wir ein Team und kämpfen Tag für Tag für dasselbe Ziel: unseren Sieg“, so Tim Kayser (re.). (Bild: Gruppe C Motorsport Verlag GmbH / Tim Upietz)

Inwiefern hat Dich Deine Teilnahme an der FSG auf Deinen heutigen Job vorbereitet?
Die Teilnahme an der FSG hat mich schon vor dem Berufseinstieg für viele Aspekte, die im Motorsport wichtig sind, sensibilisiert. So habe ich bereits früh gelernt, was es bedeutet, im Team zu arbeiten und zu kommunizieren. Ich habe gelernt, wie wichtig es ist, Tests zu fahren und dass alles dafür getan werden muss, um am Tag X alles fertig zu haben. Denn wenn das Rennen beginnt ist es egal, ob man selbst bereit ist oder nicht. Es gibt keine Möglichkeit irgendetwas zu verschieben, sondern der Zeitpunkt steht fest. Wenn man es nicht am Tag schafft, so muss eben in die Nacht hineingearbeitet werden. Dies ist an einem Rennwochenende in der Formel 3 wirklich ganz normal. Man arbeitet von morgens 8 Uhr bis in die Nacht um 1 oder 2 Uhr und am nächsten Tag muss man wieder topfit am Auto stehen. Diese mentale und körperliche Stärke ist ausgesprochen wichtig und sicher eine der Eigenschaften, die ich mir bei der FSG angelernt habe.

Dein Tipp: Wie macht man als Ingenieur Karriere im Motorsport?
Es gibt nicht DEN EINEN Weg, dem man folgen muss, um am Ende im Motorsport zu landen. Es gibt wahnsinnig viele Möglichkeiten seinen Einstieg in dieses faszinierende Umfeld zu schaffen. Man braucht sicherlich auch ein bisschen Glück, da die Welt des Motorsports sehr klein ist und folglich auch nur wenige Stellen bietet. Nichtsdestotrotz darf man nie aufgeben sondern muss stets für die Sache brennen. Man muss es wollen und alles dafür geben. Es ist sicherlich nicht alles schön und wenn man Freunden und Kommilitonen von den Arbeitszeiten erzählt, verliert es schnell den Glanz, aber ich kann für mich sagen, dass es genau das Richtige ist. Ich finde es überragend, einen Teil zum Erfolg und leider auch Misserfolg beizutragen, aber am Ende sind wir alle zusammen ein Team und kämpfen Tag für Tag für dasselbe Ziel: unseren Sieg! Wenn man in Richtung des Renningenieurs gehen möchte, sollte man möglichst viele weitreichende Erfahrungen sammeln, da der Renningenieur die Person ist, die alle Informationen zusammenträgt und die finalen Entscheidungen trifft. Darum kann jede Tätigkeit, die im Augenblick sinnlos erscheinen mag, am Ende doch extrem hilfreich sein.

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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