Schlüsseltechnologie Bionik

Die Natur zum Vorbild nehmen

Der Name sagt schon alles, aber trotzdem kommt man nicht sofort darauf: Der Klettverschluss wurde nach dem Vorbild der Pflanze Klette konstruiert. Die Bewegung der Vögel war der Ursprung von Leonardo da Vincis Idee für eine Flugmaschine. Die sind nur zwei Beispiele von vielen, die zeigen: Sich die Natur zum Vorbild zu nehmen und ihre Phänomene auf die Technik zu übertragen, ist eine hervorragende Idee. Genau das macht die Schlüsseltechnologie Bionik. Eine faszinierende Wissenschaft, der sich Prof. Antonia Kesel, ehrenamtliche Vorsitzende der VDI-Gesellschaft Technologies of Life Sciences, verschrieben hat.

Frau Prof. Kesel, bitte stellen Sie sich kurz in maximal 140 Zeichen vor.
Mein Name ist Antonia Kesel, ich habe Biologie mit Schwerpunkt Biomechanik studiert und in diesem Bereich sowohl promoviert als auch habilitiert, ich leite den weltweit ersten „Internationalen Studiengang Bionik“ an der Hochschule Bremen und sowie das ebenfalls dort ansässige Bionik-Innovations-Centrum.

Seit wann sind Sie im VDI und warum sind Sie damals eingetreten?
Ich bin seit 2007 Mitglied im VDI, um die Idee der Bionik, der Schnittstelle zwischen Biologie und Technik, einem möglichst großen Ingenieur-Kreis vorstellen zu können.

Beschreiben Sie uns kurz den Moment in dem Sie wussten: Ich werde Biologin!
Ich bin Biologin, Zoologin um genau zu sein – und die Entscheidung fiel im Alter von 12 Jahren, was ich bis heute nicht bereut habe. Aus der Biologin wurde im Laufe der Jahre ja die Bionikerin. Und erklärtes Ziel der Bionik ist, die Innovationspotenziale aus der Natur in technische Anwendungen zu bringen, nicht zuletzt weil biologische Lösungen ein immenses Potenzial zur Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz offerieren – hier gibt es im Technik-Bereich ja in der Tat noch einiges zu lernen und das möchte ich gerne befördern.

Welche Rolle spielt der VDI für Sie?
Die Rolle des Multiplikators! Hier können quasi simultan über 150.000 Mitglieder mit Bionik „infiziert“ werden

Was wünschen Sie sich in Zukunft vom VDI?
Prinzipiell: etwas mehr Verortung im dritte Jahrtausend, „durchgehender“ geht ja anders. Fachbezogenen: eine weiterhin kontinuierliche Unterstützung der Life Sciences und eine fortschreitende Sensibilisierung der dort verhandelten Themen und Idee in allen ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen. Das wird die Grundvoraussetzung zu verantwortungsbewusstem und zukunftsfähigem Handeln in allen Technik-Bereichen (und darüber hinaus) sein.

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

 

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Ein Gedanke zu “Die Natur zum Vorbild nehmen

  1. Als ich während meines Ingenieurstudiums in den 1950er Jahren in Berlin von der an der Johnes-Hopkins-University neu gegründeten Fakultät „Bioengineering“ hörte, stand mein Entschluss fest, nach Amerika auszuwandern. Dort hatte ich nicht nur die Möglichkeit, einen MS degree in BE zu erwerben, sondern auch noch Informatik und Systems engineering zu studieren und auf diesen Gebieten wissenschaftlich zu arbeiten.

    Als ich 1988 wieder nach Deutschland zurückkam, suchte ich (bis heute) vergeblich nach vergleichbaren Aktivitäten an deutschen Universitäten. In der Politik wird nicht etwa der einzige international anerkannte Fachmann für Lebenswissenschaften (Prof. Dr. Lauterbach) Gesundheitsminister, sondern ein Jurist. Bei einer Patentanmeldung in Deutschland war eine der Entgegenhaltungen der Hinweis, dass Verfahren der medizinischen Diagnostik und Therapie (in Deutschland) nicht patentierbar seien. Das heißt, dass auf dem international explosionsartig wachsenden Gebiet des Gesundheitswesens Forschungsinvestitionen verloren sind und daher ausbleiben. Dieser Verzicht auf internationale Wettbewerbsfähigkeit wird begründet mit der „Diagnose/Therapie-HOHEIT“ des Mediziners. Die wurde ihm bekanntlich im Mittelalter von der Kirche verliehen.

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