Baden-Baden Spezial

Human Machine Interface und Multicore

Am 23. und 24. September findet das „Baden-Baden Spezial“ statt – die kleine Schwester des internationalen Kongresses „Elektronik im Fahrzeug“. Dort diskutieren Experten unter anderem über Human Machine Interface (HMI) und Multicore. Wir haben einige der Experten vorab zum Thema befragt, unter anderem Helmut Matschi von Continental.

MatschiStellen Sie Sich bitte kurz vor.
Seit 2007 leite ich die Division Interior, eine der drei Automotive-Divisionen der Continental AG und bin seit August 2009 Mitglied des Vorstands der Continental AG.

Wo steht der Bereich der Elektronik im Fahrzeug momentan?
Die Elektronik steht im Fahrzeug für mehr als 90 Prozent aller Innovationen. Die Fahrzeugelektronik ermöglicht jene Lösungen, die den ständig steigenden Anforderungen in den Bereichen Sicherheit, Energieeffizienz und Komfort gerecht werden. Wir sehen jetzt die Früchte der Entwicklungs- und vor allen Dingen Standardisierungsbestrebungen in allen Bereichen der Elektronik. Sei es das interne Fahrzeugnetz, sei es die Anbindung an das Internet oder das Zusammenwachsen verschiedenster Industrien. Dies alles, um dem Fahrer das bestmögliche Fahr- und Informationserlebnis im Auto zu ermöglichen. Dennoch bleiben die Herausforderungen hoch: Die hohe Innovationskraft in der Elektronik fordert hohe Flexibilität. Die hohe Flexibilität muss auf der Hardware- und auf der Softwareseite gegeben sein. Unsere Ingenieure werden diese Flexibilität für die Entwicklungen im Hinblick auf das Automatisierte Fahren benötigen und so die Attraktivität des Autos auch in Zukunft sicherstellen.

Was sind die aktuellen Herausforderungen des Marktes? Auf welche künftigen Entwicklungen müssen Hersteller und Zulieferer reagieren?
Die großen Themen bleiben gleich: Emissionen reduzieren, Sicherheit erhöhen und Komfort steigern. Hierfür bedarf es einer engen Zusammenarbeit aller Entwicklungsdisziplinen. Es müssen nachhaltige Geschäftsmodelle auch für Themen wie Dienste und Software in der Fahrzeugdomäne zum Erfolg geführt werden. Um gleichzeitig die Entwicklungseffizienz zu steigern, ist Standardisierung einer der Schlüssel für erfolgreiche Zukunftsprojekte. Da die Zukunft noch viel stärker als heute vernetzt sein wird – wir sprechen ja vom Internet of Everything – muss auch an der Vernetzung innerhalb und außerhalb des Fahrzeugs weiter gearbeitet werden. Die Grundlagen sind geschaffen. Fahrzeugelektronik und Fahrzeugvernetzung werden im Hinblick auf die intelligenten Transportsysteme der Zukunft eine ganz besondere Rolle spielen und müssen entsprechend weiterentwickelt werden. Dabei müssen wir als Industrie Punkte wie Daten-, Ausfall- und Angriffssicherheit im Auge behalten und so auch die Wege ebnen, die es braucht, um Automatisiertes Fahren in allen Facetten realisieren zu können.

Welche Trends beobachten Sie hinsichtlich neuer Anwendungen und Technologien in der Branche?
Evolution ist Trend. Es gibt verschiedenste Ansätze für unterschiedlichste Problemstellungen. Eines der wichtigsten Themen dabei bleibt die Bedienung. Wir müssen dafür sorgen, dass all die neuen Funktionen verständlich und bedienbar bleiben. Wir brauchen daher ganzheitliche Interaktionskonzepte bei dem das Fahrzeug – ganz gleich ob PKW oder LKW – in einem Dialog ohne Worte die Bedürfnisse und Wünsche des Fahrers und auch der Passagiere erkennt. So werden auch zukünftig neue Funktionen gerne angenommen und neue Technologien ihren Weg in immer vielfältigeren Fahrzeugvarianten finden.

Warum haben Sie sich bei den Schwerpunkten des „Baden-Baden Spezial 2014“ für HMI und Multicore entschieden?
Die beste Elektronik im Fahrzeug kann nur dann ihr volles Potential auf die Straße bringen, wenn der Fahrer volles Vertrauen in die Technik hat, die Funktionen kennt oder sie auch bedienen kann. Daher ist für uns das Informationsmanagement nicht nur zwischen elektronischen Systemen von großer Bedeutung. Gerade die Vermittlung zwischen Fahrzeug und Fahrer ist ein in der Bedeutung sehr rasch wachsendes Feld. Wir sind auf dem Weg zu ganzheitlichen Interaktionskonzepten, zu immer komplexer werdenden Netzwerken aus intelligenten Transportsystemen und darüber muss auch in Baden-Baden diskutiert werden. Da die Ansprüche in Bezug auf die Funktionalität der Fahrzeugelektronik ständig steigen und die Systemintegration weiter voranschreitet, muss die Hardware entsprechend leistungsfähig und dabei flexibel sein. Multi-Core-Lösungen bieten einerseits die Leistungsfähigkeit für komplexe Assistenzfunktionen. Andererseits sind sie eine der anzuwendenden Facetten um das Thema der Daten- und Informationssicherheit zu realisieren.

Welche Vorteile bietet der „Marktplatz Elektronik“?
Es gibt keine wichtigere Ressource im Leben und Arbeiten von uns Ingenieuren als die Zeit. Und es gibt wenige Möglichkeiten, Zeit sinnvoller einzusetzen, als mit anderen Experten über aktuelle Herausforderungen zu diskutieren und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. So ist der Marktplatz Elektronik eine ideale Plattform, um neue Experten kennen zu lernen, domänen- und firmenübergreifend zu diskutieren und neue Projekte anzustoßen.

Zur Einstimmung hier noch eine Zusammenfassung vom Kongress „Elektronik im Fahrzeug“ 2013:

 

Jennifer_RittermeierDas Interview führte: Jennifer Rittermeier
Position im VDI: Referentin PR/Öffentlichkeitsarbeit bei der VDI Wissensforum GmbH
Aufgabe im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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