Antworten auf die häufigsten Fragen

Wie überzeuge ich im Vorstellungsgespräch?

Bei der ersten Online-Karrieremesse speziell für Ingenieure gab es im Anschluss an den Vortrag von Business Coach Jo Kristof im Chat jede Menge Fragen rund um das Thema Vorstellungsgespräch. Wir haben die am häufigsten gestellten noch einmal von der Expertin beantworten lassen.

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Bei der Online-Karrieremesse des VDI Verlags gab es viele Fragen zum Thema Vorstellungsgespräch.

 

Bild: privatKristof_2Frau Kristof, stellen Sie sich doch bitte kurz vor.
Ich bin begeisterter Business Coach, Beraterin, Expertin für Führung, Veränderung, Kommunikation und habe über 600 Vorstellungsgespräche geführt

Immer wieder tauchte im Chat das Thema nach Stärken / Schwächen auf. Was sind hier geschickte Antworten?
Ich kann nur empfehlen, die Fragen ernst zu nehmen und ernsthaft zu beantworten. Auch wenn viele das nicht vermuten: Das Unternehmen stellt diese Fragen „nicht einfach so“, weil sie in irgendeinem Ratgeber stehen. Man möchte erleben, wie realistisch sich der Kandidat selbst einschätzen kann. Und das in Bezug auf die Stelle, um die es geht!
Das Gute an dieser Frage ist, das man sich sehr gut vorbereiten kann. Indem man sich die Stelle, um die es geht, genau anschaut und sich ehrlich überlegt, welche Eigenschaften man hat, die einen in der Stelle erfolgreich machen werden. Und welche einen vielleicht daran hindern könnten. Das ist dann auch schon die Antwort auf die Frage nach den Stärken und Schwächen. Wenn man diese Antwort dann auch noch mit einem Lösungsangebot verbindet, wie man z.B. die Schwäche ausgleichen (oder sogar abstellen kann), dann hat man genau das gezeigt, was das Unternehmen an dieser Frage prüfen möchte: Die Fähigkeit, sich selbst und seine Eigenschaften realistisch einzuschätzen.

Sehr häufig tauchte die Frage nach dem gewünschten Gehalt auf. Wie bereitet man sich am besten vor? Und bei Berufseinsteigern: Gibt es Verhandlungsspielräume?
Für Leute mit Berufserfahrung in dem Bereich, auf den sie sich bewerben, ist diese Frage in der Regel leichter zu beantworten. Man kennt sein eigenes aktuelles Gehalt und hat wahrscheinlich auch ein Gefühl dafür, was in der Branche und für diese Art von Verantwortung üblich ist. Und man hat bei einem Wechsel auch häufig eine gute eigene Vorstellung, für welches Gehalt man generell bereit wäre, zu wechseln. Der Rest ist dann Verhandlungssache.
Für alle anderen bleiben nur die Recherche-Möglichkeiten, die einem z.B. das Internet und andere Quellen bieten. Dort gibt es viele Studien zu den Gehältern in den einzelnen Branchen oder für bestimmte Qualifikationen. Auch für den Berufseinstieg gibt es viele Informationen, so dass auch ein Absolvent sich gut informieren kann. Gerade Berufseinsteigern empfehle ich, sich auch im Freundeskreis umzuhören. Der ein oder andere ist bestimmt bereit, einem zu sagen, was er selbst als Einstiegsgehalt bekommen hat. Grundsätzlich ist aber gerade bei Berufseinsteigern der Verhandlungsspielraum eher gering. Die meisten Unternehmen haben hier klare und enge Gehaltsbandbreiten, die für alle Einsteiger gleichermaßen gelten, und von denen wirklich nur in begründeten Einzelfällen abgewichen wird. Aber als Berufseinsteiger muss man vor dieser Frage auch nicht allzu viel Angst haben. Die meisten Unternehmen sind sich bewusst, dass diese Zielgruppe noch keine Erfahrung sammeln konnte, wie Gehälter in diesem Bereich aussehen.

In Vorstellungsgesprächen tauchen manchmal auch Fragen auf, die man nicht beantworten möchte oder die sogar verboten sind. Welche Reaktion ist hier angemessen?
Im Vorstellungsgespräch treffen grundsätzlich immer zwei konkurrierende Interessen aufeinander: Das Bedürfnis des Unternehmens, so viel wie möglich zu erfahren, um die Eignung des Kandidaten prüfen zu können, und das Interesse des Kandidaten, seine Privatsphäre zu wahren. Um da ein Gleichgewicht zu finden, sind einige Fragen nicht zulässig, wie z.B. die Frage nach einer bestehenden Schwangerschaft, der Religion oder der Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft. Bei all diesen Fragen darf ich als Bewerber lügen, ohne dass mir daraus Konsequenzen drohen, wenn sich später heraus stellt, dass ich gelogen habe. Ich sollte mir nach dem Vorstellungsgespräch aber vielleicht die Frage stellen, ob ich bei einem Unternehmen arbeiten möchte, das mir (bewusst) im Vorstellungsgespräch Fragen stellt, die es vom Gesetz her nicht stellen darf.
Auf eine grundsätzlich zulässige Frage, die man aber aus besonderen Gründen nicht beantworten möchte, bleibt einem letztlich nur der Hinweis, dass man darauf nicht eingehen möchte und dass man dafür um Verständnis bittet. Das könnte zum Beispiel eine Frage zu einer Lücke im Lebenslauf sein, die man mit privaten Gründen erklärt, auf die man aber nicht näher eingehen möchte (Pflege eines Angehörigen o.ä.). Wie das Unternehmen auf diese Art von Antwort reagiert, kann aber leider sehr unterschiedlich sein.

Wie ist ein langes Studium zu erklären, wenn ein Personaler mit der Antwort nicht zufrieden sind und immer wieder nachhakt? Was empfehlen Sie?
Das hängt natürlich immer auch von den Gründen ab, weswegen das Studium ungewöhnlich lange gedauert hat. Viele Gründe, die ein Studium verlängern, sind nicht unbedingt von Nachteil! Habe ich beispielsweise lange studiert, weil ich während des Studiums ein Kind bekommen habe, habe aber trotzdem meinen Abschluss hinbekommen, dann zeigt das auch viele positive Eigenschaften. Genauso gilt das für die Notwendigkeit, das Studium vollständig selbst zu finanzieren. Dann sollte der Lebenslauf aber natürlich auch darstellen, was und wo man während des Studiums gearbeitet hat.Es gibt auch Fälle, in denen z.B. eine ausgeprägte Prüfungsangst zu einem langen Studium führt. Hier sollte man sich vor dem Gespräch überlegen, wie offensiv man damit umgehen möchte. Vor allem in den Fällen, in denen man es über die Jahre geschafft hat, mit seiner Prüfungsangst umzugehen, spricht nichts dagegen, das auch zu erzählen – man wird in der Regel auf Verständnis stoßen.
Schwieriger wird es, wenn es keinen wirklichen Grund für das lange Studium gab. Dann ist das Nachfragen des Unternehmens wahrscheinlich auch gerade deshalb eher unangenehm. Aber auch hier muss man nicht ins „offene Messer laufen“: Jeder, der eine objektiv zu lange Studienzeit hinter sich hat, der weiß das auch! Also kann man sich auf die Nachfragen, die mit Sicherheit kommen werden, sehr gut einstellen und die Gründe dafür entsprechend vorbereiten!

Lücken im Lebenslauf. Kann man diese vielleicht sogar zu Pluspunkten machen?
Auch hier wieder: Es kommt darauf an. Lücken oder Brüche im Lebenslauf können durchaus auch Pluspunkte bringen. Es geht vor allem darum, was man selbst an Erfahrungen mitgenommen hat bzw. was man für sich selbst daraus gelernt hat. Aus Fehlern oder Fehlentscheidungen kann man sehr viel lernen! Und wenn man in der Lage ist, das in einem Vorstellungsgespräch darzustellen – und vielleicht sogar noch mit einem roten Faden zu der Stelle, auf die man sich bewirbt – dann kann man durchaus die entscheidenden Argumente liefern, damit das Unternehmen sich für einen entscheidet.

Interessant war die Frage nach Vorstellungsgesprächen über Skype. Gibt es hier Besonderheiten?
Egal auf welchem Weg ein Vorstellungsgespräch stattfindet – ob persönlich, am Telefon, im Chat oder über Skype – die Vorbereitung sollte immer gleich hoch sein! Gerade bei großen Distanzen oder wenn der Bewerber im Ausland sitzt, wird Skype bzw. ein Vorstellungsgespräch per Video, immer beliebter. Und die Anforderungen sind nicht anders als beim persönlichen Gespräch. Das gilt für die Inhalte ebenso wie für den optischen Eindruck, den man hinterlässt. Ich kann nur empfehlen, sich für das Gespräch in einen ruhigen Raum zurück zu ziehen und sich am besten an einen Tisch zu setzen. Man wirkt – auch über Video – anders, wenn man auf einem Stuhl sitzt als auf dem Sofa! Die Kleidung sollte angemessen sein, genauso wie der Raum, in dem man sitzt (die WG-Küche ist vielleicht ungeeignet). Und natürlich muss man von seiner Seite aus sicherstellen, dass die Internet-Verbindung schnell genug und stabil ist.
Aber abgesehen davon ist ein Skype-Interview genauso wie ein persönliches Vorstellungsgespräch im Idealfall keine Einbahnstraße sondern ein Dialog, in dem beide Parteien die Möglichkeit haben herauszufinden, ob sie zueinander passen!

Bild: privatPicturePeople-008Das Interview führte: Claudia Wiegner-Ruf
Position im VDI: Marketingreferentin beim VDI Verlag, verantwortlich für Social Media (facebook, Twitter, google+)

Kommentare & Pingbacks

6 Gedanken zu “Wie überzeuge ich im Vorstellungsgespräch?

    • Es freut uns, dass wir weiterhelfen und gute Tipps mit auf den Weg geben konnten. Dann kann in Zukunft mit dem Bewerbungsgespräch ja nichts mehr schief gehen ;-)

  1. Die Antworten sind mir teils zu allgemein. Thema Gehalt: Wenn es so viele Informationen im Netz über Gehälter gibt, nennen Sie die doch einfach die Quellen. Drei, vier Portale hilft hier schon. In den VDI-Nachrichten gibt es auch immer wieder Gehaltsübersichten. Sogar nach Branche zusammengefaßt. Hier auf der Seite könnte die aktuelle Statistik abrufbar gemacht werden. Bei Gesprächen über Skype gilt nach meiner Erfahrung auch auf Lage der Kamera (in Augenhöhe, natürlich stabil) und gleichmäßige Ausleuchtung zu achten (nicht am Schreibtisch, Fenster seitlich; eine Gesichtshälfte bliebe dann wahrscheinlich unkenntlich).
    Eine andere wichtige Frage im Gespräch wäre: „Warum kommen sie zu uns?“ Was antworte ich geschickterweise?

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