Elektronik im Fahrzeug

Netzwerken als zentrale Herausforderung

Es gibt immer mehr elektronische Funktionen im Fahrzeug, aber wie lassen sich diese bedienen? Über Human Machine Interface (HMI) und Multicore diskutieren Experten bei der diesjährigen Baden-Baden Spezial am 23. und 24. September. Wir haben einige der Experten vorab zum Thema befragt, unter anderem Volkmar Tanneberger von Volkswagen.

Bild: privatTannebergerHerr Tanneberger, stellen Sie sich bitte kurz vor.
Mein Name ist Volkmar Tanneberger. Ich bin 50 Jahre alt, verheiratet und habe zwei Töchter. Gebürtig komme ich aus Kiel und bin dann zum Studium der Elektro- und Nachrichtentechnik nach Braunschweig gezogen. Nach der Promotion an der dortigen Technischen Universität, habe ich meine berufliche Laufbahn 1995 bei der Blaupunkt Werke GmbH/Robert Bosch GmbH begonnen. Dort war ich verantwortlich für Entwicklungen im Bereich Telematik und Navigation.
2001 hat es mich zu Volkswagen gezogen. Nach der Leitung des Innovationshauses Multimedia und später der Hauptabteilung Funktionselektronik, wurde mir 2006 die Bereichsleitung der Volkswagen Elektrik-/Elektronik-Entwicklung übertragen. Seit 2009 verantworte ich zudem das Konzern-Modulmanagement der Elektrik/Elektronik.
Wenn neben der Familie und dem Job noch etwas Zeit bleibt, bin ich ein passionierter Läufer, Schwimmer und Skifahrer. Seit neustem habe ich auch die Leidenschaft des Motorradfahrens für mich entdeckt.

Wo steht der Bereich der Elektronik im Fahrzeug momentan?
Die einzige Konstante im Themenfeld der Elektronik ist die Veränderung und gerade das macht es so spannend. Waren die vergangenen Jahre geprägt von der Elektronisierung des Fahrzeugs, der Vernetzung von Bauteilen miteinander und dem Zusammenwachsen von Mechanik und Elektronik zur Mechatronik, werden die kommenden Jahre vor allem durch eMobilität sowie der Vernetzung des Fahrzeuges mit der Umwelt gekennzeichnet sein.

Was sind die aktuellen Herausforderungen des Marktes? Auf welche künftigen Entwicklungen müssen Hersteller und Zulieferer reagieren?
Eine der zentralen Herausforderungen in den kommenden Jahren wird es sein, sich auf die Veränderungen entlang der automobilen Wertschöpfungskette einzustellen, die sich durch die Abbildung neuer Themenkomplexe wie eMobilität oder Connected Car ergeben. Der Erfolg in diesen Themen wird maßgeblich von der Fähigkeit abhängen, mit anderen Netzwerken außerhalb der eigenen Branche innovativ zusammenzuarbeiten und dabei Herausforderungen wie die unterschiedlichen Entwicklungszyklen und –prozesse zu meistern.

Welche Trends beobachten Sie hinsichtlich neuer Anwendungen und Technologien in der Branche?
Einer der automobilen Megatrends ist sicherlich die Vernetzung des Fahrzeugs mit seiner Umwelt. Die Geschwindigkeit mit der die Funktionsvielfalt und die Marktdurchdringung onlinevernetzter Systeme wachsen ist beeindruckend. Im Rahmen dieser Entwicklung wird sich das Fahrzeug mit der Verkehrs-Infrastruktur, mit den Händlernetzen und mit anderen Fahrzeugen (Car2Car) vernetzen.
Ein weiterer Trend werden neuartige Anzeige- und Bedienkonzepte sein, die der zunehmenden Funktionsvielfalt Rechnung tragen. Der eingeschlagene Weg, Tasten und Schalter durch Touchscreens und weitere Erkennungssensorik zu ersetzen, ist sicherlich noch nicht zu Ende. Wie die Zukunft aussehen kann, haben wir mit einem Demonstrator zur Infotainment-Gestensteuerung auf der diesjährigen CEBIT gezeigt.

Warum haben Sie sich bei den Schwerpunkten des Baden-Baden Spezial 2014 für HMI und Multicore entschieden?
Unterschiedliche Datenquellen und die zunehmende Funktionsvielfalt in einem intuitiven Bedienkonzept / HMI zu vereinen wird sich zu einer zentralen Herausforderung für die OEMs entwickeln. Der angesprochen Funktionszuwachs benötigt zudem hohe Rechenleistungen. Vor diesem Hintergrund werden sich zukünftig Multicore Prozessoren durchsetzen, da eine Steigerung der Taktrate herkömmlicher Singlecore Prozessoren automobilen Qualitätsanforderungen, bspw. bei der Wärmeentwicklung, entgegenläuft.

Welche Vorteile bietet der „Marktplatz Elektronik“?
Der „Marktplatz Elektronik“ ist eine der bedeutendsten und durch die langjährige Austragung etabliertesten Veranstaltungen rund um das Thema Fahrzeugelektronik. Es finden regelmäßig interessante Vorträge statt, zudem bietet er eine Plattform für gewinnbringenden Austausch mit Branchenkollegen anderer Herstellern, Zulieferern sowie Dienstleistern.

Jennifer_RittermeierDas Interview führte: Jennifer Rittermeier
Position im VDI: Referentin PR/Öffentlichkeitsarbeit bei der VDI Wissensforum GmbH
Aufgabe im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Auto_Montage_Heck_Mann

Foto: Thomas Ernsting / LAIF

 

Kommentare & Pingbacks

2 Gedanken zu “Netzwerken als zentrale Herausforderung

  1. Sehr schönes Interview. Es erstaunt mich auch immer wieder wie klein die Leiterplattenhersteller ihre Produkte bauen. Ich freue mich schon auf die nächste CEBIT.

  2. Ich staune darüber, dass die technischen Herausforderungen bzgl. IT-Security gerade bei Car2Car verschwiegen werden. Mit heutiger Technik ist diese Kommunikation nicht ausreichend sicher zu gestalten. Hier wird Neues gebraucht, z.B. Hacker-sichere Hardware à la S3DVS.

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