"Vorhandene Qualität sichtbar machen"

Fassadensanierung am Kölner Opernhaus

In Deutschland ist der Neubau ein Sonderfall des Bauens. Die meisten Bauvorhaben befassen sich mit Sanierungsaufgaben. Remigiusz Otrzonsek ist Gesellschafter des Architekturbüros HPP Hentrich-Petschnigg und Partner und verantwortlich für die Sanierung des Opernhauses in Köln. Wir haben mit ihm über das viel diskutierte Projekt gesprochen.

Bild: privatOtrzonsekHerr Otrzonsek, bitte stellen Sie sich in ein paar kurzen Sätzen vor.
1962 im wunderschönen Breslau in Polen geboren und aufgewachsen. Die Hälfte des Architekturstudiums an der Technischen Universität zu Breslau und der Abschluss an der RWTH Aachen. Bereits seit über 20 Jahren im Hause HPP als Architekt tätig und als Gesellschafter mit weiteren sechs Partnern der vierten Inhabergeneration des Büros zugehörig.

Wie ist Ihr Architekturbüro an den Großauftrag, das Opernhaus in Köln zu sanieren, gekommen?
Als erstes möchte ich eine kleine Korrektur anmerken: Es geht nicht nur um das Opernhaus, sondern es werden beide Häuser, Opernhaus und Schauspielhaus, generalsaniert. Weiterhin sprechen wir von einem Neubau der Kinderoper und dem Neubau des Kleinen Hauses, welches zwar im denkmalgeschützten Kontext steht, aber bis zu 90 Prozent neu gebaut wird. Zu diesem Großauftrag sind wir gekommen, indem wir 2009 das europaweite VOF-Verfahren gewonnen haben.

Bild: VDIOper_Köln

So sah die Oper in Köln vor der Fassadensanierung aus.
(Bild: Christoph Seelbach)

 

Was waren die ersten Schritte bei der Sanierung des Opernhauses?
Die Aufgaben mit dieser enormen Komplexität, die auch gleichzeitig in einem starken Fokus der Öffentlichkeit stehen, erfordern vor allem in der ersten Phase des Projektes eine sehr intensive Auseinandersetzung mit der Bausubstanz. Damit meine ich nicht nur die technische Auswertung des Bestandes, sondern vielmehr die emotionale Aufladung und tiefgehende Recherchen zu der Architektur der 1950er Jahre und hier vor allem zu der Architektur von Wilhelm Riphahn. Es war eine wunderschöne Reise in die Vergangenheit in der Architektur der Nachkriegsgeneration, die nicht nur Köln, sondern eine Vielzahl oder Mehrzahl unserer deutschen und europäischen Städte geprägt hat. Sie müssen diese Architektur schätzen und Sie müssen diese Architektur auch verstehen, mit dem Ziel, sie nicht zu banalisieren und in der Art der Sanierung stets darauf zu achten, die vorhandenen Qualitäten sichtbar zu machen. Es geht hier schlicht und ergreifend nicht darum, dass uns etwas Neues einfällt, sondern dass uns das Vorhandene auffällt.

Welche besonderen Herausforderungen gab es bisher zu bewältigen?
Diese sind vor allem die extrem hohen Komplexitäten dieser Aufgabe, die zu meistern sind. Diese komplexe ineinandergreifende Aufgabe als Gesamtbild. Auf einer Seite stehen die denkmalgeschützten Aufgaben, bei denen es grundsätzlich darum geht, soviel wie möglich von dem Bestand zu erhalten und gleichzeitig auf der anderen Seite der Anspruch die Häuser in den bauphysikalischen, bauakustischen, brandschutztechnischen und vor allem bühnentechnischen Zustand zu versetzen, der einem Neubau nahezu gleich kommt. Denkt man außerdem an die Notwendigkeit der transparenten Kommunikation mit den politischen, gesellschaftlichen und medialen Interessengruppen, die ein Projekt dieser Größe immer begleiten, ist das Gesamtbild der Herausforderung nahezu komplett.

Wie ist der aktuelle Stand des Projekts? Liegen Sie gut im Zeitplan?
Diese Frage ist neben der Frage nach der Kostensituation des Projektes, die an uns meistgestellte Frage. Die feierliche Eröffnung und die Premiere im November 2015 sind bereits fest terminiert. Wir gehen davon aus, dass wir rechtzeitig fertig werden.

Bild: VDI nachrichtenOffenbachplatz Tag

Visualisierung des Opernhauses nach der Sanierungsmaßnahme
(Bild: Arge SBK)

 

Welche Vorteile bringt die Sanierung des Opernhauses in Köln?
Ich verstehe das so, dass Sie die Vorteile der Sanierung im Vergleich zu einem Abriss und anschließendem Neubau meinen. Wie Sie wissen, wurde in Köln über diese Fragen in den letzten Jahren vor der Sanierung sehr intensiv und kontrovers diskutiert. Schon diese Diskussion brachte einen Zugewinn an architektonischer und gesellschaftlicher Bewusstseinserweiterung. Wir müssen uns mit unserer gebauten Welt auseinandersetzen und wir müssen unsere architektonischen Spuren sichern. Die Bedeutung der Architektur der 1950er Jahre, also diese Architektur, die uns aus dem Trauma des Krieges in die neue Welt geführt hat, ist sehr groß und somit sehen wir in der Sanierung der Bühnen Köln einen wichtigen Beitrag zur Sicherung dieses kulturellen Erbes.

Jennifer_RittermeierAutorin: Jennifer Rittermeier
Position im VDI: Referentin PR/Öffentlichkeitsarbeit bei der VDI Wissensforum GmbH
Aufgabe im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

 

 

 

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Ein Gedanke zu “Fassadensanierung am Kölner Opernhaus

  1. Im Rahmen seiner Masterarbeit an der Liverpool Business School schaltet Architekt und Projektmanager Max Haug eine Online-Umfrage zur Erfassung der Leistungsfähigkeit und des Reifegrads von öffentlichen Bauherren unter folgendem Link: https://www.soscisurvey.de/maxhaug_LJMU/ Passwort: Reifegradmodell
    Zur Teilnahme bis zum 24.10.2014 sind alle Manager der Baubranche eingeladen (Bauherrenvertreter, Bauunternehmer, Architekten, Ingenieure und sonstige Projektbeteiligte bei öffentlichen Bauvorhaben).

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