"In den Hörsälen kann es schon mal eng werden"

VDI-Präsident Ungeheuer zum Wintersemester 14/15

An deutschen Hochschulen hat das Wintersemester 2014/15 begonnen. Erstes Fazit: Die Studienanfängerzahlen bleiben noch auf hohem Niveau. Die Nachfrage nach ingenieurwissenschaftlichen und wirtschaftswissenschaftlichen Studiengängen ist nach wie vor sehr hoch. Bei den Ingenieurwissenschaften ist der Maschinenbau offensichtlich wieder die stärkste technische Fakultät, danach folgt die Elektrotechnik.

Interdisziplinäre Studiengänge stärker nachgefragt
Außerdem zeichnet sich seit einiger Zeit ein neuer Trend ab: Interdisziplinäre Studiengänge wie Wirtschaftsinformatik werden stärker nachgefragt. Dies ist kein Wunder, denn die Kombination verschiedener Fachdisziplinen ist auf dem Arbeitsmarkt stark gefragt. Ähnlich sieht es bei Studiengängen mit hoher internationaler Ausprägung aus. Der noch relativ junge Studiengang „Internationales Wirtschaftsingenieurwesen“ wird immer häufiger belegt.

Studienanfänger-Zahlen werden wieder sinken
Alles im Lot also, könnte man glauben, um das künftige Ingenieurangebot in Deutschland muss man sich keine Sorgen machen. Doch ist das wirklich so? Leider nicht, denn Prognosen von Forschungsinstituten besagen, dass die Studienanfänger-Zahlen in den kommenden fünf bis zehn Jahren wieder deutlich sinken werden. Die derzeitigen Sondereffekte, wie doppelte Abiturjahrgänge, Wegfall der Wehrpflicht und geburtenstarke Jahrgänge, kommen dann nicht mehr zum Tragen und in den Hörsälen wird wieder Platz sein.

Meine Empfehlung lautet daher nach wie vor: wer keine Angst vor Mathematik und Physik hat und sich gerne mit Technik beschäftigt, sollte überlegen, Ingenieur oder Ingenieurin zu werden. Der Bedarf an Maschinenbauern, Elektrotechnikern, Verfahrenstechnikern, um nur einige Beispiele zu nennen, wird auch in Zukunft groß sein. Darüber hinaus entstehen durch die interdisziplinären Studiengänge – wie etwa Wirtschaftsinformatik – ganz neue Berufsbilder und damit auch Karrierechancen. Ich sage nur Industrie 4.0, Energie, Mobilität, Smart Cities/Mega Cities, Big Data, Datensicherheit. Dafür brauchen wir auch künftig Experten.

Autor: Udo Ungeheuer
Präsident des VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V.

Bild: VDIVDI

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