MINTalente Mentoringprogramm

Interview mit Mentorin Natalia Balcazar

Wer von den Erfahrungen anderer profitieren und dabei noch selbst etwas lernen möchte, ist in einem Mentoringprogramm bestens aufgehoben.

Bild: VDI / Thomas ErnstingRWTH_Labor_Apparatur_Mann_Frau

(Bild: Thomas Ernsting / LAIF)

Ziele, Inhalte und Nutzen von Mentoring haben wir bereits vorgestellt – aber wie sieht das eigentlich konkret in der Praxis aus? Wir haben bei Natalia Balcazar nachgefragt. Die Geologin muss es wissen: Sie engagiert sich ehrenamtlich als Mentorin im MINTalente-Mentoringprogramm, das der VDI zusammen mit der Fachhochschule Köln durchführt. Das Projekt begeistert nicht nur für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – kurz MINT – sondern bringt Mentorinnen und ihre Mentees für zwei Jahre zusammen. Über ihre Erfahrungen und Tipps für ein gelingendes Mentoring berichtet Natalia Balcazar im Interview.

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Natalia Balcazar (Bild: privat)

Liebe Natalia, bitte stell Dich kurz vor.
Ich bin promovierte Geologin und komme aus Spanien, arbeite und lebe seit 20 Jahren in Deutschland. Seit 2005 bin ich selbstständig in der Umwelt- und Energieeffizienzberatung für Unternehmen tätig.

Wie kam es dazu, dass Du Dich beim MINTalente-Mentoring als Mentorin engagierst?
Über das Netzwerken. Ich kannte eine der Organisatorinnen des MINTalente-Mentorings schon länger über ein Netzwerk. Sie hat mich damals 2012 angerufen und das Mentoring-Programm an der FH Köln vorgestellt. Zunächst hat sie mich – sehr geschickt – gefragt, ob ich andere MINT-Frauen kenne, die sich als Mentorin engagieren könnten. Ich konnte ihr einen Kontakt weitergeben, habe mich dann – nach etwas Bedenkzeit – auch selbst bereit erklärt mitzumachen. Ausschlaggebend war, dass in dem Programm die Mentees die Verantwortung für den Mentoring-Prozess und Organisation haben, wie z.B. Terminvereinbarung, Kontakt halten, Themen festlegen. Die Mentorinnen selbst bringen sich vor allem mit der eigenen Zeit ein. Das konnte ich mit meiner beruflichen Tätigkeit sehr gut vereinbaren.

Was war Deine Motivation, Dich als Mentorin zu engagieren – und das sogar zweimal?
Ich unterstütze gerne junge Frauen, vor allem aus dem MINT-Bereich. Das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden. Daher nehme ich immer wieder gerne auf, wie es bei anderen läuft und leite daraus meine eigenen Erkenntnisse ab. Beim Mentoring gebe ich wiederum meine eigenen Erfahrungen gerne weiter, aus denen die Mentees nun ihre eigenen Erkenntnisse ableiten können.

Was hast Du selbst aus dem Mentoring mit Deinen zwei Mentees mitgenommen?
Das Mentoring hat mir bestätigt, dass jeder Mensch anders und Interkulturalität nicht zu unterschätzen ist. Meine erste Mentee kam aus Südamerika, die zweite aus Afrika. Wie sie an Sachen herangegangen sind, war unterschiedlich. Ich habe miterleben können, dass Mentoring hilft. Durch das Mentoring sind aber auch meine eigenen Stärken, wie Empathie, Analyse und Metaebene-Betrachtung bewusster und gestärkt worden.

Warst Du selbst auch schon einmal in der Rolle der Mentee?
Ja, ich habe versucht, von erfahrenen Menschen Unterstützung bei meiner Selbstständigkeit zu erhalten. Einmal durch Gründer Support Ruhr e.V. Zum anderen habe ich eine erfolgreiche Unternehmerin selbst angesprochen. Das hat mir gezeigt, wie wichtig ein passgenaues Matching ist und die Qualifikationen und Themen der Mentees und Mentoren zueinander passen. Hier sehe ich einen Vorteil bei institutionalisierten Programmen. Letztendlich habe ich gelernt, dass jeder Mentor ein persönliches, subjektives Feedback gibt, und ich als Mentee entscheide, ob ich diesen Ratschlag annehme oder auch nicht.

Was kannst Du zukünftigen Mentoring-Tandems mit auf den Weg geben?
Als Mentorin ist es ganz wichtig, sich auf seine Mentee einzulassen. Die eigenen Erlebnisse sind nur ein möglicher Weg. Wichtig ist, dass wir Mentees ihre eigene Erfahrung machen und ihren eigenen Weg gehen lassen. Dabei kann der Erfahrungsschatz eines anderen Menschen Orientierung geben und helfen. Am Ende muss jedoch jeder Mensch seine eigenen Entscheidungen treffen.

Weitere Informationen:
ENVIROpro – European Environmental Project Management

Tina Lackmann_quadratDas Interview führte: Tina Lackmann
Position beim VDI: Wissenschaftliche Mitarbeiterin
Aufgaben beim VDI: Programmleitung Mentoring VDI-Zukunftspiloten, Projektleitung MINTalente

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