Jury-Engagement im Fachgebiet Technik

Interview zum Nachwuchswettbewerb Jugend forscht

Denkt man an Jugendliche und Technik, denkt man an Jugend forscht. Der Wettbewerb ist der größte Jugendwettbewerb im Bereich Naturwissenschaften und Technik.

Im nächsten Jahr wird der Wettbewerb Jugend forscht 50 Jahre alt. Seit langer Zeit unterstützt der VDI Deutschlands bekanntesten Nachwuchswettbewerb, in dem wir in der Kategorie Technik die Preise stiften und Juroren benennen. Wir haben mit Katrin Ellermann über Ihr Engagement gesprochen – sie ist Sprecherin der Bundesjury Technik.

Bild: Jugend forschtJugend forscht_Bundessieg_Technik_2014

(Bild: Stiftung Jugend forscht e. V.)

Bild: Jugend forschtJury_Jugend forscht_Ellermann

Katrin Ellermann (Bild: privat)

Frau Ellermann, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Mein Name ist Katrin Ellermann und ich bin Professorin für Mechanik an der TU Graz. Ich habe in Hamburg Maschinenbau studiert, war aber auch einige Jahre während des Studiums und als Post-Doc in den USA, an der Cornell University und der UC Berkeley. In meiner Forschung interessieren mich derzeit besonders mechanische Schwingungen und Wellen. Die Anwendungen liegen vor allem bei Fahrzeugen und elektrischen Maschinen, aber auch Fragestellungen aus der Robotik und Mechatronik bearbeiten wir in meinem Team. Bevor ich nach Graz kam, habe ich mich überwiegend mit Meerestechnik und Wasserwellen beschäftigt.

Erste Erfahrungen mit Jugend forscht habe ich während der Schulzeit gemacht, im Jahr meines Abiturs habe ich zusammen mit zwei anderen Jungforschern selber am Wettbewerb teilgenommen. Während des Studiums konnte ich an verschiedenen Alumni-Veranstaltungen von Jugend forscht teilnehmen, hatte aber auch außerhalb mit anderen Alumni Kontakt. Seit 2009 bin ich Jury-Mitglied beim Bundeswettbewerb im Fachgebiet Technik.

Was reizt Sie an der Arbeit als Jurymitglied?
Faszinierend ist für mich natürlich einerseits die Themenvielfalt, mit der ich beim Wettbewerb konfrontiert werde: Von Arbeiten, die eine sehr kreative Lösung zu ganz normalen Fragestellungen aus unserem Alltag bieten bis hin zu hoch spezialisierten Arbeiten. Die präsentierten Projekte decken nicht nur die unterschiedlichsten Themen ab, sondern sind auch methodisch hervorragend umgesetzt.

Die fachlichen Aspekte sind aber nur ein kleiner Anteil. Mich begeistert, wie sich Jugendliche den jeweils selbstgestellten Aufgaben widmen. Die Fragestellungen gehen oft sehr weit über das hinaus, was in der Schule unterrichtet wird. Manche Dinge werden einfach spielerisch ausprobiert, andere geradezu professionell entwickelt. Die Jungforscherinnen und Jungforscher stellen Fragen, für die sie selbst nach den Antworten suchen. Bei dieser Suche werden aber nicht nur die Projekte weiterentwickelt, sondern die Jungforscherinnen und Jungforscher selbst durchlaufen ebenfalls eine beachtliche Entwicklung. Jugend forscht unterstützt diese jungen Menschen auf unterschiedliche Arten – getreu dem Motto „Wir fördern Talente.“

Welchen Herausforderungen stehen Sie als Jury gegenüber?
Die mit Abstand größte Herausforderung liegt in der Bewertung der Arbeiten. Die Vielfalt, die ich einerseits so schätze, macht es andererseits oft sehr schwer, die Arbeiten untereinander zu vergleichen. Die Themen sind fachlich sehr unterschiedlich, ebenso die Komplexität der jeweils gelösten Aufgaben. Zudem werden die Jungforscherinnen und Jungforscher oft sehr unterschiedlich bei der Arbeit unterstützt und der Zugang zu den benötigten Ressourcen ist auch nicht für alle gleich. Hier zu einer fairen Bewertung der jeweiligen Forschungsleistung zu kommen, ist nicht leicht. Die Arbeiten beim Bundeswettbewerb sind zuvor in dem jeweiligen Bundesland mit dem Landessieg belohnt worden – so dass wir bei der Bundesjury ohnehin nur die besten Projekte zu sehen bekommen. Die Erwartung der Teilnehmer ist natürlich dementsprechend auch sehr hoch – aber leider gibt es am Ende nur einen ersten Preis im Fachgebiet. Dass alle Teilnehmer gewissermaßen Mitglied in der „Jugend forscht-Familie“ werden und sich dadurch für die ehemaligen Teilnehmer viele Türen öffnen, wird vielen erst sehr viel später klar.

Was hat Sie am diesjährigen Gewinner-Projekt besonders überzeugt?
Wir hatten dieses Jahr – wieder – sehr viele hervorragende Projekte. Das Gewinner-Projekt in der Technik war in diesem Fall ein sechsbeiniger Roboter. Von der Mechanik der Beine und der Plattform über die verschiedenen Antriebskomponenten bis hin zur Ansteuerung über ein Smartphone wurden die wesentlichen Elemente selbst entwickelt, viele Teile im Zuge der Arbeit speziell gefertigt und am Ende alle Komponenten erfolgreich zu dem fertigen Roboter zusammengesetzt. Beim Wettbewerb wurde somit eine funktionsfähige Maschine präsentiert, die sehr unterschiedliche Aufgaben erledigen konnte. Die sehr systematische Arbeit eines kleinen Teams führte damit zu einem insgesamt sehr überzeugenden Ergebnis.

Nicht unterschlagen möchte ich, dass wir in diesem Jahr auch einen der großen Sonderpreise im Fachgebiet Technik vergeben konnten. Den Bundessieg für eine außergewöhnliche Arbeit erhielt ein Team, das sich mit rapid prototyping befasst hat – und sich dabei speziell mit rotationssymmetrischen Teilen auseinander gesetzt hat. Auch diese Arbeit wies ein hervorragendes technisches Niveau und ein sehr systematisches Vorgehen auf. Es konnten beim Wettbewerb gleich mehrere Generationen der selbst entwickelten und funktionsfähigen Maschine vorgeführt werden. Der vergebene Preis ist keinem Fachgebiet zugeordnet – die besten Arbeiten des gesamten Wettbewerbs konkurrieren um diesen Preis.

Wie haben sich die eingereichten Projekte über die Jahre verändert?
Es gibt gewisse Modeerscheinungen, die in einigen Jahren sehr gehäuft vorkommen und dann wieder verschwinden, und es gibt Themen, die alle Jahre wieder für Begeisterung sorgen. Früher waren beispielsweise Stiftplotter beliebte Projekte, moderne Varianten beschäftigen sich mit 3D Printing. Roboter, autonome Fahrzeuge oder Flugobjekte sehen wir in den unterschiedlichsten Formen immer wieder. Die aus meiner Sicht auffallendste Tendenz ist im Hinblick auf den Einsatz von modernen Techniken zu sehen. Beispielsweise sind in Mikroprozessoren und viele Sensoren mittlerweile auch für Schülerinnen und Schüler sehr gut verfügbar. Arduino, Smartphone oder Tablet werden daher oftmals sehr selbstverständlich für die Projekte im Fachgebiet Technik eingesetzt. Das Internet bietet eine Vielzahl von Anregungen für Projekte und Hilfestellungen für die Umsetzung. Viele Jugend-forscht-Projekte werden so geradezu professionell auf eine Art umgesetzt, die für mich während meiner Schulzeit noch nicht vorstellbar war.

Wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung von Jugend forscht?
Jugend forscht hat sich zu einem großen Netzwerk entwickelt und wird im Jubiläumsjahr 2015 auf sehr erfolgreiche 50 Jahre zurückblicken können. Das Konzept, junge Talente zu fördern, hat aber nichts an Aktualität verloren. Im Zentrum stehen die jungen Leute, die mit Begeisterung an schwierigen Themen aus den unterschiedlichen Fachgebieten arbeiten. Um diese Begeisterung zu erhalten, bedarf es aber eines guten Umfeldes, zu dem die Familien und Betreuer der Jungforscherinnen und Jungforscher ebenso gehören wie Schulen, Hochschulen, Wirtschaft und Politik. Sehr viele Fachleute stehen für Fragen zur Verfügung. Oft wird Zugang zu Werkstätten, Laboren oder besonderen Geräten ermöglicht, finanzielle Unterstützung aus unterschiedlichen Quellen machen die Veranstaltungen von Jugend forscht oder auch Einzelprojekte erst möglich. Und sehr viele helfende Hände kümmern sich um die Organisation sowie den reibungsfreien Ablauf bei den Wettbewerben. Ich hoffe sehr, dass das große Engagement der vielen Unterstützer von Jugend forscht in keiner Weise nachlässt, damit auch weiterhin viele junge Talente bei ihren ersten Schritten in Wissenschaft und Technik gefördert werden können!

Hier ein kleiner Rückblick auf den Wettbewerb 2014:

Bild: VDIOLYMPUS DIGITAL CAMERADas Interview führte: Nadine Rauber
Position beim VDI:
Referentin für Technische Bildung
Aufgaben beim VDI:
Nachwuchsprojekte entwickeln und begleiten, Positionen erarbeiten, Kooperationen wie mit Jugend forscht betreuen

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