Normenlandschaft Deutschland

Warum haben wir so viele Regelsetzer?

Wir Deutschen sind nicht nur pünktlich, bei uns muss auch alles seine Ordnung haben. Gut, dass es in unserem Land für fast alles eine Norm oder eine VDI-Richtlinie gibt. Aber geben uns dabei nicht zu viele Regelsetzer den Stand der Technik vor?

Das passt nicht!

Normen und VDI-Richlinien regeln das schon (Bild: VDI/Ulrich Overländer).

DVS, VdS – was ist denn das? DKE, VDE – keiner versteh. VDMA, VDI und DIN – erklärt mir doch mal deren Sinn. Nein, das ist kein Remake von dem Lied „MfG“ der Fantastischen Vier, sondern die Abkürzungen einiger Verbände und Organisationen, die unser Normenlandschaftsbild prägen. Warum gibt es in Deutschland eigentlich so viele Regelsetzer? Reicht es nicht, sich an die internationalen Normen zu halten?

Die Antwort auf diese Frage ist einfach: Wenn es eine internationale Norm zu einem Thema oder Problem gibt, dann kann man froh sein, einen Lösungsansatz in Form einer international abgestimmten Norm zu haben. Dann greifen die Regeln

  • der ISO, der International Organization for Standardization, oder
  • der IEC, der International Electrotechnical Commission – oder europäisch gedacht die
  • der CEN, Comité Européen de Normalisation bzw.
  • CENELEC, Comité Européen de Normalisation Électrotechnique.

Gibt es für das Thema oder Problem aber weder eine europäische noch internationale Lösung, dann kann man sich bei den nationalen Regelsetzern umsehen. In Deutschland zählen DIN, Deutsches Institut für Normung e.V., und der VDI zu den Bekanntesten. Doch auch Normen und anerkannte technische Regeln anderer deutscher Regelsetzer tragen dazu bei, dass Ingenieure das Rad nicht neu erfinden müssen. Hier sind z. B. zu nennen:

  • DKE, Deutsche Kommission Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik im DIN und VDE
  • DVGW, Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches e.V.
  • DVS, Deutscher Verband für Schweißen und verwandte Verfahren e.V.
  • VDMA, Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V.
  • VdS, VdS Schadenverhütung GmbH

Viele Köche verfeinern den Brei
Schon allein die Namen der einzelnen Verbände, Vereine und Organisationen verraten die Unterschiede zueinander. Jeder hat sein Spezialgebiet. Die einzelnen fachlichen Kernkompetenzen sind dabei nicht immer offensichtlich. Es wäre beispielsweise beim VDI auch nur schwer möglich, diese in einem Namen zusammenzufassen, denn er deckt fast alle Gebiete der Technik ab. Mit 55 Fachbereichen in zwölf Fachgesellschaften reichen seine Themenfelder von der Akustik und Bionik über die Technische Logistik bis hin zur Werkstofftechnik und Zuverlässigkeit.

Teilweise kommen zu bestehenden VDI-Richtlinien sich thematisch ergänzende Regelwerke anderer Regelsetzer hinzu. Das erklärt auch, warum manche VDI-Richtlinie nur gültig ist im Zusammenhang mit beispielsweise einer DIN-Norm oder als Ergänzung zu einem Regelwerk zum Beispiel des VDMA betrachtet werden soll.

Würde jeder Regelsetzer sein eigenes Süppchen kochen, hätten wir in der Tat zu viele Regelsetzer, und niemand würde mehr den Überblick über all die Technischen Regeln behalten. Dieser „Gefahr“ sind sich auch die Regelsetzer bewusst. Ein „widerspruchsfreies Normenwerk“ ist das erklärte Ziel. Dies wird vor allem dadurch erreicht, dass sich die einzelnen Regelsetzer über die Erstellung von Regelwerken untereinander abstimmen. Aber auch die sogenannte Harmonisierung, der „Verzicht“ auf eine nationale Norm zugunsten einer europäischen/internationalen, gehört zum guten Ton in der Küche der Regelsetzer.

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Warum haben wir so viele Regelsetzer?

  1. Ich empfehle wärmstens, mal die Untersuchungen des britischen Historikers und Soziologen Cyril Northcote Parkinson (Parkinson’sche Gesetze, 3. Erklärungsmodell) über das Bürokratiewachstum zu lesen.

    Dann wird man verstehen, warum die deutsche und EU- (Über-)Regulierungsmentalität mit zum Teil abstrusen Auswüchsen so ausgeprägt und vielfach überflüssig ist.

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