#vdiww - Adventsaktion / Tag 11

Besteht die Gefahr, dass ein Aufzug abstürzt?

„Im Brandfall Aufzug nicht benutzen“ – diese Warnung haben wir alle schon einmal in Aufzügen gesehen. Aber wie sieht es aus, wenn es nicht brennt? Besteht die Gefahr, dass Aufzüge abstürzen könnten?

Bild: TÜV RheinlandVDI_WW_Thema_TUeV-blog

Unser VDI-Experte Thomas Wollstein sortiert erst einmal die verschiedenen Aufzugsarten: „Ein Hydraulikaufzug wird nicht abstürzen. Sollte es zu einem Öldruckverlust kommen, stürzt ein solcher Aufzug nicht ab, sondern sinkt einigermaßen gemächlich nach unten.

Fangvorrichtung hält wenn das Seil reißt
Was aber passiert mit einem Seilaufzug, wenn ein Seil reißt? Zum einen hängt kein Aufzug an einem einzigen Seil. Die Aufhängung ist redundant. Für den Fall, dass tatsächlich alle Seile reißen, sieht die Aufzugsnorm EN 81 vor, dass der Fahrkorb durch eine sogenannte Fangvorrichtung gesichert ist: In dem Moment, wo der Fahrkorb eine zu hohe Geschwindigkeit hat, verriegelt sie ihn und hält ihn im Schacht fest.

Antriebs- oder Bremsversagen
Die Erfahrung zeigt nun, dass ein Antriebsversagen (z. B. durch Bruch einer Getriebewelle oder Motorschaden) oder Bremsversagen deutlich häufiger auftritt als das Reißen aller Seile. Dann wird es spannend: Aufzüge haben in aller Regel ein Gegengewicht, das so ausgelegt ist, dass der Fahrkorb mit halber Nennlast (z. B. bei einem 10-Personenaufzug bei Belegung mit fünf Personen) mit dem Gegengewicht im Gleichgewicht steht. Das bedeutet, dass der Fahrkorb in dieser Situation bei einem Antriebsversagen schlicht stehen bleiben würde wie eine Waage im Gleichgewicht. Nur wenn er mehr als halb besetzt ist, hätte der Fahrkorb die Neigung, sich nach unten in Bewegung zu setzen. Dann greift die Fangvorrichtung.

Was aber, wenn er nur gering besetzt ist, im schlimmsten denkbaren Fall nur mit mir? Dann wäre das Gegengewicht viel schwerer als der Fahrkorb mit mir, und der Fahrkorb hätte die Tendenz, rasant nach oben zu beschleunigen. Aus diesem Grund sieht die Aufzugsnorm EN 81 vor, dass entweder der Fahrkorb eine in beide Richtungen wirkende Fangvorrichtung haben muss oder sowohl Fahrkorb als auch Gegengewicht eine Fangvorrichtung gegen den Sturz nach unten haben müssen.“

„Eigentlich kann’s nicht passieren“
Thomas Lipphart vom Aufzughersteller KONE GmbH gibt Entwarnung:
„Die erste beruhigende Antwort, die sich jeder einmal selber gibt, ist die, dass keiner im Bekanntenkreis jemanden kennt, dem das schon mal passiert ist. Ebenso sieht es im erweiterten Kreis von Freunden aus, und selbst in den einschlägigen Medien werden solche Berichte nicht zu finden sein. Also Antwort klar: eigentlich kann’s nicht passieren, oder?

Theoretisch könnten Aufzüge natürlich abstürzen, praktisch passiert das aber nicht. Natürlich würden beim Einsturz eines Gebäudes auch die Aufzüge ihren Dienst versagen, aber glücklicherweise passiert das bei uns doch eher selten.

Die Normen für Aufzüge haben sich in den letzten 100 Jahren immer dann schon prophylaktisch angepasst, wenn die Fachwelt festgestellt hat, dass etwas nicht so sicher ist, wie wir es in der Branche gerne hätten. Aufzugshersteller fühlen sich dann sicher, wenn wir für alle wichtigen Teile mindestens 12-fache Sicherheit vorhanden ist. So sind z. B. immer mindestens drei Seile vorhanden. Wenn also ein Seil brechen würde, ist noch mehr als ausreichend Sicherheit vorhanden, um den Aufzug weiter benutzen zu können.

Haupt- und Zwischenuntersuchung
Ähnlich wie ein Auto muss auch ein Aufzug zur Haupt- und Zwischenuntersuchung. Die findet natürlich vor Ort statt: Eine Prüforganisation überprüft die Sicherheitseinrichtungen des Aufzugs in regelmäßigen Abständen. Und damit auch jeder Nutzer das kontrolieren kann, soll es künftig eine Plakette geben, die dann im Aufzug jedem Nutzer sofort anzeigt, wann die letzte Prüfung war, sodass kein ungutes Gefühl mehr aufkommen sollte.

Aber auch von Seiten der Hersteller sind wir bemüht, durch regelmäßige Wartung und Modernisierung dafür Sorge zu tragen, dass der Nutzer nicht durch z. B. ungewöhnliche Geräusche oder holpriges Fahren verunsichert wird, sondern sich so sicher fühlt wie Aufzugfahren es nun einmal ist. Aufzugsfahren ist und bleibt auch das sicherste Transportmittel der Welt.“

Gibt Sicherheit: Das TÜV-Siegel
Auch Dirk Laenger vom TÜV Rheinland gibt Entwarnung: „Alle Aufzugsanlagen haben eine Sicherheitseinrichtung gegen Absturz. Bei allen Seilaufzügen wird dies mit einer Fangvorrichtung am Fahrkorb erreicht. Mit dieser bremst sich der Fahrkorb an der Führungsschiene selbstständig ab, wenn er die maximale Fahrgeschwindigkeit überschreitet. Die Auslösung erfolgt dabei über den sogenannten. Geschwindigkeitsbegrenzer, der bei zu schneller Fahrt (ähnlich wie der Sicherheitsgurt bei Autos) blockiert. Gleichzeitig werden bei dem Ansprechen der Fangvorrichtung Sicherheitsschalter betätigt, die den Antrieb des Aufzugs abschalten. Das System arbeitet dabei unabhängig von der normalen Aufzugssteuerung und den Tragseilen des Aufzugs.

Bei Aufzügen mit hydraulischem Antrieb wird die zu schnelle Fahrt nach unten mit einem Rohrbruchventil direkt am Hydraulikzylinder verhindert. Dies schließt schlagartig zu, wenn beispielsweise die Hydraulikschlauchleitung einen Defekt hat. Alle Sicherheitseinrichtungen werden von den Sachverständigen des TÜV Rheinland im Rahmen der regelmäßigen Aufzugsprüfung getestet.

TÜV Rheinland-Prüfzeichen bedeutet: Keine Gefahr
Nach jeder von uns durchgeführten und bestandenen Prüfung bekommt der Aufzug ein „TÜV Rheinland-Prüfzeichen“. Dabei wird der Aufzug erst dann freigegeben, wenn keine „gefährlichen Mängel“, also Mängel die bei einer Nutzung des Aufzugs Personen gefährden können, vorhanden sind. Auf dem Aufkleber ist die nächste fällige Prüfung angegeben.

Dabei werden bei Aufzügen zwei verschiedene Prüfungen, in der Regel im jährlichen Wechsel gemacht: die kleiner Prüfung (Zwischenprüfung) und die große Prüfung (Wiederkehrende Prüfung bzw. Hauptprüfung). Alle Sicherheitssysteme der Aufzugsanlagen werden von den Sachverständigen des TÜV Rheinland eingehend geprüft.“

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Teilnahmebedingungen findet ihr unter www.vdi.de/teilnahmebedingungen.

Über #vdiww
„VDI Wissenswertes Wissen“ (#vdiww) ist ein neues Themenformat des VDI. Darin geht es um alltägliche Themen, die uns interessieren und beschäftigen. Mit #vdiww schafft der VDI Abhilfe und beantwortet gemeinsam mit seinen Partnern Fragen des täglichen Lebens.

Cathrin Becker_2Autorin: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

Kommentare & Pingbacks

8 Gedanken zu “Besteht die Gefahr, dass ein Aufzug abstürzt?

  1. Glücklicherweise kann man hier in Deutschland davon ausgehen, dass bei regelmässig gewarteten Fahrstühlen kein Absturz erfolgen sollte! Die Treppennutzung baut aber die Fitness auf ;-))

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