Innovatives Abwassersystem der Bauhaus-Universität Weimar

Grüne Krankenhäuser: Mit Abwasser Energie erzeugen

Durch einen schonenden Umgang mit den natürlichen Ressourcen tragen wir nicht nur unserer Verantwortung für die Natur und zukünftige Generationen Rechnung. Vielerorts eröffnen sich dadurch auch Möglichkeiten, wie sich die Kosten senken lassen und sich ein Krankenhaus sowohl nachhaltig als auch wirtschaftlich erfolgreich betreiben lässt. Betrachtet man nur das Klinikgebäude selbst, stößt man bereits auf eine Vielzahl an Stellschrauben, wie beispielweise ökologische Baustoffe, intelligentes Energiemanagement, moderne, energiesparende Beleuchtungskonzepte, ein sparsamer Umgang mit der Ressource Wasser, ein ausgeklügeltes Abwasser- und Abfallmanagement sowie ein umweltbewusstes Gebäudemanagement.

Bild: VDI Zentrum Ressourceneffizienzvdi-zre-abwasser-weimar-1

Ressource Deutschland TV
Das VDI Zentrum Ressourceneffizienz, das im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit über das Thema Ressourceneffizienz informiert, stellt in seinem Webvideomagazin „Ressource Deutschland TV“ ein Forschungsprojekt vor, das zum Nachahmen einladen sollen.
Krankenhäuser haben nicht nur einen hohen Wasserverbrauch, sondern der Einsatz von Medikamenten verunreinigt zudem das Abwasser mit Wirkstoffen. Medikamente sind gut wasserlöslich und bisher wurden in Seen und Flüssen mehr als 150 Arzneistoffe nachgewiesen. Forscher der Bauhaus-Universität Weimar konstruieren ein neues Abwassersystem, das nicht nur Rückstände von Arzneimitteln reduzieren, sondern auch Energie erzeugen soll.

Grau- und Schwarzwasser
Das Abwasser wird dabei in Grau- und Schwarzwasser getrennt – also in Wasser aus Handwaschbecken und Duschen und in Abwasser aus sonstigen Einrichtungen wie Toiletten. Das organisch stärker belastete Schwarzwasser aus den Toiletten wird in einem Bioreaktor vergoren und aus dem entstehenden Biogas kann Energie gewonnen werden. Durch die Trennung in Grau- und Schwarzwasser wäre auch nur ein Sechstel der gesamten Abwassermenge mit Fäkalien und Feststoffen belastet. Dies käme der gesamten Kette der Abwasserreinigung zugute, denn es müsste weniger Aufwand in die Reinigung gesteckt werden.

Forschung in Weimar
In der Bauhaus-Universität in Weimar wird dieses Verfahren der Energiegewinnung erforscht. In zwölf Bioreaktoren testen die Forscher auch den möglichen Abbau medizinischer Rückstände, die über die Verdauung aus dem Körper ausgeschieden werden und so in die Umwelt gelangen. Ein Ergebnis: Wird das Abwasser zusätzlich mit biologischen Abfällen vermengt, könnte ein Haushalt genügend Gas produzieren, um fast die Hälfte seines Strombedarfs zu decken. Das Potenzial für die Energiegewinnung durch Bioreaktoren in Krankenhäusern könnte ähnlich groß sein. Denn die Menge an organischen Bestandteilen im Abwasser ist höher und es werden mehr biologische Abfälle produziert. Auch ein Teil der medizinischen Rückstände wird reduziert. Diclofenac, ein häufig verwendetes Schmerzmittel, bis zu 92 Prozent und Medformin, ein Antidiabetikum, sogar bis zu 95 Prozent.
Die Untersuchungen der Bauhaus-Universität geben Hinweise auf neue Technologien, die nicht nur in Krankenhäusern das Abwassersystem verändern könnten.

Vor diesem Hintergrund ist auch unser Video zum Thema „solare Prozesswärme“ interessant:

Bild: VDI ZRESebastian_HöingAutor: Sebastian Höing
Position beim VDI: Online-Redakteur beim VDI Zentrum Ressourceneffizienz

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