Deutsches Museum Bonn

Kunst meets Technik & Naturwissenschaften

Das Deutsche Museum Bonn zeigt rund 100 zeitgenössische Meisterwerke aus Naturwissenschaft und Technik. Die Objekte, darunter auch viele nobelpreisgekrönte Forschungsergebnisse, stellen exemplarisch wesentliche Zweige der naturwissenschaftlich-technischen Entwicklung der letzten fast sieben Jahrzehnte vor. Die einzige Zweigstelle des weltberühmten Deutschen Museums außerhalb Münchens befindet sich im Wissenschaftszentrum des Stifterverbandes für die Deutsche Wissenschaft. Über ihre Erfahrungen und das tägliche Museumsleben berichtet Frau. Dr. Niehaus im Interview.

Bild: Deutsches Museum BonnDeutschesMuseum_Außen_800x500

Bild: privatNiehaus_Porträt_KopfLiebe Frau Dr. Niehaus, bitte stellen Sie sich kurz vor.
Seit 2001 leite ich das Deutsche Museum Bonn. Die Schwerpunkte meiner Museumstätigkeit liegen vor allem in der kulturgeschichtlichen Vermittlung von Wissenschaft und Technik. Als Kunsthistorikerin liegt mir sehr daran, Wissenschaft und Technik aus ungewohnten im Sinne von ungewöhnlicheren Perspektiven zu beleuchten. Einen besonderen Schwerpunkt setze ich dabei auf Programme für Kinder und Schüler, um die Faszination für Wissenschaft und Technik schon frühzeitig zu wecken.

Beschreiben Sie doch einmal die Aktivitäten im Deutschen Museum Bonn.
Ich habe den schönsten Beruf der Welt – man weiß morgens nicht, wie der Tag endet. Das bringt unser breites Tätigkeitsfeld mit sich. Nukleus ist natürlich unsere Sammlung, die wir ständig ausbauen und aktualisieren. Zudem planen wir regelmäßige Ausstellungen, um bestimmte Themen unserer Sammlung zu vertiefen oder aktuelle Strömungen aufzugreifen. Wir möchten unseren rund 60.000 Besucherinnen und Besuchern schließlich immer wieder einen Anlass geben, zu uns zu kommen.
Manche Ausstellungen konzipieren wir selbst! Wir hatten beispielsweise eine Reihe zu Bonner Wissenschaftlern, die wir wissenschaftshistorisch beleuchtet haben: den Astronomen Friedrich Wilhelm August Argelander, den Chemiker August Kekulé und die beiden Physiker Heinrich Hertz sowie zuletzt Wolfgang Paul. Wir zeigen aber auch fremde Ausstellungen wie aktuell die Präsentation über Gravitationswellen vom Institut für Theoretische Astrophysik der Universität Tübingen. Dabei handelt es sich um einen Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Das war für uns interessant, ein faszinierendes Thema – zudem hat die Ausstellung viele interaktive Elemente. Sie läuft jetzt noch bis zum 1. März.

Das Deutsche Museum Bonn engagiert sich ja nicht nur im Bereich Ausstellungen. So beteiligte sich das Museum gemeinsam mit einer Bonner Schule an dem europaweiten Projekt ENGINEER. Worum ging es hierbei?
ENGINEER steht für »brEaking New Ground IN the sciencE Education Realm«. An diesem EU-Projekt beteiligten sich 26 Institutionen aus 12 Ländern. Ziel der dreijährigen Initiative, die jetzt im Herbst endete, war die Einführung ingenieurtechnischer Inhalte basierend auf der Methode des forschend-entdeckenden Lernens an europäischen Grundschulen und Science Centern/Museen. Hauptakteure waren zehn Tandems aus zehn Nationen: Schweden, Dänemark, die Niederlande, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Deutschland, Italien, Griechenland, die Tschechische Republik und Israel. Die Manchester Metropolitan University betreute das gesamte Projekt von der fachdidaktischen Seite, die West England University evaluierte es. Unterstützt wurde das Projekt zudem durch ECSITE (the European Network of Science Centres and Museums) und ICASE networks (International Council of Associations of Science Education). Die Koordination lag beim Bloomfield Science Museum in Jerusalem.
Jedes Tandem von Museum/Science-Center und Grundschule erarbeitete gemeinsam eine Unterrichtseinheit für Schüler von der 3. bis zur 6. Klasse mit entsprechender Lehrerhandreichung, Museumsworkshop und Lehrerfortbildung. So kann man eine hängende Skulptur bauen (das ist unser deutsche Beitrag, den wir gemeinsam mit der Donatusschule in Godesberg entwickelt haben), Schuhsohlen isolieren, einen Staubsauger herstellen oder einen Tonverstärker konstruieren. Das heißt, dass nun nach Abschluss des Projektes 10 verschiedene »engineering«-Aufgabenstellungen in unterschiedlichen ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen und ihre naturwissenschaftlichen Grundlagen auf der Projekt-Homepage zum Runterladen für Jedermann bereit stehen.

Im Moment droht dem Deutschen Museum Bonn die Schließung im Jahr 2017. Was sind die Probleme und wie können diese gelöst werden?
Das ist nicht so einfach zu beantworten. Die Stadt Bonn bezuschusst dankenswerterweise seit fast 20 Jahren den Museumsbetrieb. Die Idee zu einer Bonner Zweigstelle des Deutschen Museums entstand noch im alten Bonn, in der Hauptstadt. Die Umsetzung aber gehörte zum neuen Bonn. Wir sind an den Rhein gezogen, um nach dem Umzug der Regierung nach Berlin den Kultur- und vor allem den Wissenschaftsstandort mitzugestalten.
Dies wird nun leider in Frage gestellt, weil der Stadt Bonn das Geld ausgeht und sie sparen muss – möglicherweise auch an uns. Dabei sind unsere ganzen Aktivitäten im Bereich der Bildung – ENGINEER ist ja nur eine Facette von vielen – langfristig zu sehen. Dies sind alles lohnende Investitionen in diejenigen Köpfe, die mittelfristig unsere Zukunft gestalten werden. Unsere Aktivitäten zielen darauf, bei jungen Menschen das Interesse für MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) zu wecken und ihnen berufliche Perspektiven aufzuzeigen. Das Deutsche Museum Bonn ist nachweislich berufsstiftend und somit das erste Glied der gesellschaftlichen Wertschöpfungskette. Hier werden Weichen für den beruflichen Werdegang gestellt!
Es gibt ein schönes Zitat von Artur Fischer, Erfinder des Fischer Dübels und v.a.m., Träger des Europäischen Erfinderpreises und vieler weiterer Auszeichnungen, »Exponatevater« auch des Deutschen Museums Bonn, der über das Deutsche Museum in München sagt: „Die Wunder der Technik nicht nur sehen, sondern auch verstehen und sogar anfassen zu können – das ist meine frühste Erinnerung an das Deutsche Museum. Diese Anregungen zusammen mit den Patenten aus dem gegenüber liegenden Deutschen Patent- und Markenamt haben den Erfolg meiner Innovationen ein Leben lang garantiert.“ Ich finde, das bringt unseren „Nutzen“ ganz gut auf den Punkt. Lösen lässt sich das Problem wahrscheinlich nur, indem sich neue Geldquellen auftun. Und es wäre, ganz ehrlich gesagt, schön, wenn es Mäzene gäbe, die unsere Idee unterstützen würden, in die Bildung junger Menschen zu investieren, auch in solche, die weniger Chancen haben! Immerhin entstand einst das Deutsche Museum aus einer Initiative technikbegeisterter Menschen, im Übrigen zum großen Teil auch aus dem VDI heraus! Die Gründung fand nämlich auf der VDI-Jahreshauptversammlung 1903 auf Initiative Oskar von Millers statt! Gegen die Schließung gibt es einen Aufruf.

Fritz_NeußerAutor: Fritz Neußer
Position im VDI: Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Aufgabe im VDI: Referent für Technische Bildung

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


*