#vdiww - Adventsaktion 2014 / Tag 1

Sind 3D-Brillen schädlich?

Heute startet unsere #vdiww-Adventsaktion: Bis zum 24. Dezember klären wir unter dem Stichwort „VDI Wissenswertes Wissen“ (#vdiww) jeden Tag eine Technikfrage, die jeden irgendwie betrifft (Update: Linkliste aller Beiträge der #vdiww-Reihe am Ende dieses Beitrags). Und damit das ganze auch eine richtige Adventsaktion wird, verlosen wir zu jedem Beitrag ein thematisch passendes Geschenk. Unsere erste Frage lautet: Sind 3-D-Brillen schädlich? Bild: Savanevic Viktar / Shutterstock.comVDI_WW_Thema_3DBrille-blog

3-D-Filme sind für viele ein großer Filmspaß. Aber was für die einen ein großes Kino-Erlebnis ist, ist für andere mit körperlichem Unwohlsein verbunden. Sind 3-D-Brillen also schädlich für den menschlichen Körper?

Was wir darüber wissen sollten, erklärt VDI-Experte Dr. Erik Marquardt:
„Wenn die Frage so zu verstehen ist: Kann es passieren, dass meine Augen schneller altern, ich also eher ein Kandidat für eine Gleitsichtbrille werde oder meine Augen auf andere Weise erkranken, wenn ich 3-D-Brillen intensiv nutze? Dann ist die Antwort mit ziemlicher Sicherheit „Nein“. Wenn die Frage ist, ob es passieren kann, dass ich beim virtuellen 3-D-Genuss schneller ermüde oder Kopfschmerzen bekomme, dann ist meine Antwort: Schon möglich.

Kopfschmerzen und Ermüden sind möglich
Zum Ermüden: Die Älteren unter uns können sich vielleicht noch an Dia-Abende erinnern. Eigentlich waren die gezeigten Bilder ja ganz nett, aber trotzdem überkam einen nach kurzer Zeit die Müdigkeit. Dafür gibt es auch eine Erklärung: Der stetige Wechsel aus hellem Bild, das 10 bis 15 Sekunden gezeigt wird, und etwa 1 Sekunde absoluter Dunkelheit während des Diawechsels ist für unser Auge, oder besser das Gehirn, das von Natur aus nicht mit schnellen Helligkeitswechseln zurecht kommen muss, anstrengend, zumal unser Auge zwei unterschiedliche „Betriebsmodi“ für das Tag- und Nachtsehen hat, und die werden normalerweise nicht ständig umgeschaltet. Zu Zeiten des Diaprojektors wurde das Problem übrigens durch die Überblendtechnik mit zwei Projektoren gelöst. Warum erzähle ich das? Auch viele 3-D-Fernseher arbeiten mit schwarzen Bildern zwischendurch. Die dazugehörige Brille kann mit einer Technik, die der LCD-Anzeige ähnlich ist, für jedes Auge separat zwischen durchsichtig und nicht-durchsichtig hin- und herschalten.

Jedes Auge sieht nur das, was es sehen soll
Zwischen Brille und Fernsehen besteht eine drahtlose Verbindung. Wenn der Fernseher das Bild für das rechte Auge zeigt, wird das Brillenglas des rechten Auges durchsichtig geschaltet und das Glas des linken dunkel. So sieht nur das rechte Auge das, was das rechte Auge sehen soll. Das linke Auge sieht solange schwarz. Anschließend zeigt der Fernseher das Bild für das linke Auge und die Brille wird passend umgeschaltet. Das Ganze passiert einige 100 Mal in der Sekunde, sodass wir die vielen Einzelbilder, die unsere Augen abwechselnd zu sehen bekommen, nicht mehr als Einzelbilder wahrnehmen und das Ganze als kontinuierlichen Ablauf sehen. Das ändert aber nichts daran, dass jedes Auge die Hälfte der Zeit buchstäblich ins Schwarze blickt. Die große Unbekannte ist nun, wie kurz die dunkle Pause sein muss, dass sie auf keinen Fall mehr ermüdet. Hier wetteifern die Fernseherhersteller darum, mit möglichst hohen Bildwiederholraten diese Pause so kurz wie möglich zu halten. Wir lernen allerdings immer noch sehr viel über unser Auge dazu. Und die Augen eines jeden Menschen reagieren auch unterschiedlich. Daher kann man keine pauschale Zahl angeben, wie hoch die Bildfrequenz sein muss, damit der Ermüdungseffekt nicht eintritt. Übrigens: Es gibt auch Techniken, die die dunklen Bilder zwischendurch ganz vermeiden. Wenn Sie im Kino eine Brille mit zwei grauen Folien bekommen, in der garantiert kein Platz für irgendeine Elektronik ist, dann haben Sie gewonnen: Das Kino verwendet einen anderen physikalischen Effekt, die Polarisation. Mit diesen Brillen können beide Augen gleichzeitig mit ihren jeweiligen Bildern versorgt werden.

Menschen reagieren unterschiedlich
Zu den Kopfschmerzen: Ihnen wird visuell und akustisch sehr intensiv eine andere Welt vorgespielt. Die räumliche Tiefe wird in den Videoproduktionen womöglich noch künstlich erhöht, und Sie sehen vielleicht die Welt aus der Perspektive des Flugzeugpiloten oder Polizisten in der Verfolgungsjagd. Das, was Sie sehen und hören, passt aber nicht damit zusammen, was Sie fühlen und Ihr Gleichgewichtssinn erfährt. Darauf reagieren verschiedene Menschen unterschiedlich empfindlich.

Fazit: Wenn es Ihnen Freude bereitet, in die virtuellen Welten abzutauchen, und Sie sich gut währenddessen und danach fühlen, dann spricht nichts dagegen, das auch zu tun. Aber bedenken Sie: Das Erlebnis eines Waldspaziergangs wird man nur in einem realen Wald erleben, und die frische Luft beim Radeln erlebt man auch nur, wenn einem der Gegenwind kräftig um die Ohren bläst.“

Entwarnung auch von ZEISS
Dr. Siegfried Wahl, Leiter ZEISS Vision Science Lab in Tübingen, sieht das ähnlich: „Bei mäßigem Gebrauch von 3-D-Brillen sind keine Schädigungen des Stereosehens zu erwarten. 3-D-Präsentationsmedien basiert auf dem stereoskopischen Prinzip. Dabei wird ausgenutzt, dass das Gehirn zur Berechnung wahrgenommener Tiefe das rechte und linke Netzhautbild vergleicht. Die Netzhautbilder hängen neben der Objektdistanz von der Position und Blickrichtung der beiden Augen ab. Zusätzlich nutzt das Gehirn viele weitere Informationsquellen, wie beispielsweise die Verdeckung eines Objektes durch ein anderes. Deshalb gelingt es, auch künstlich generierte 3D-Inhalte stabil wahrzunehmen. Allerdings kann es in diesem Falle zu Ermüdung oder Unwohlsein kommen, das aber nach Absetzen der 3-D-Brillen wieder verschwindet. Eine aktuelle Studie untersucht Langzeitschäden des Stereosehens durch langanhaltenden 3-D-Konsum. Dort waren keine Beeinträchtigung im 3-D-Sehen nachweisbar.“

+++ Geschenke, Geschenke, Geschenke +++
Bild: VDI#vdiww_Adventsaktion_Skibrillen_ZeissZu dieser Frage verlosen wir drei Skibrillen der Firma Zeiss. Beantwortet uns bis zum 7. Dezember 2014 als Kommentar zu diesem Beitrag hier im Blog oder auf unserer Facebook-, Twitter-, Google Plus– oder LinkedIn-Seite folgende Frage: Findet Ihr, dass 3D-Filme einen Mehrwert haben? Oder schaut Ihr Euch Filme lieber weiterhin in 2D an? Unter allen, die mitmachen, verlosen wir diese drei Skibrillen von Zeiss.

Teilnahmenbedingungen findet ihr unter www.vdi.de/teilnahmebedingungen.

Über #vdiww
„VDI Wissenswertes Wissen“ (#vdiww) ist ein neues Themenformat des VDI. Darin geht es um alltägliche Themen, die uns interessieren und beschäftigen. Mit #vdiww schafft der VDI Abhilfe und beantwortet gemeinsam mit seinen Partnern Fragen des täglichen Lebens.

Passfoto Hanna BüddickerAutorin: Hanna Büddicker
Position im VDI: PR-Volontärin
Aufgabe im VDI: Pressearbeit, interne Kommunikation

 

 

 

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Kommentare & Pingbacks

10 Gedanken zu “Sind 3D-Brillen schädlich?

  1. Hallo!
    Ich finde, dass 3D-Filme durchaus eine Bereicherung sind. Allerdings ist 3D kein Muss für einen Kinobesuch. Ich schaue mir auch Filme in 2D an. Nur gut müssen sie sein. Ansonsten hilft auch kein 3D… ;-)

  2. Hallo!
    Einen Mehrwert haben die 3D-Filme sicherlich in unserer heutigen Entertainment Gesellschaft. Wenn dieser technische Fortschritt auch zu weiteren Inovationen in Industrie und Umwelt beiträgt kann ich das nur begrüßen.
    Mir persönlich genügen allerdings auch Filme in 2D.

  3. Also bei meinem 16jährigen Sohn hat im Hobbit-Film in 3D Format nach etwa der Hälfte des Films das Gehirn das 3D-Sehen eingestellt und er konnte nichts mehr erkennen. Man muß dazusagen, er sieht auf einem Auge sehr schlecht.

  4. Sehr interessanter Artikel. Über die Schädlichkeit oder Unschädlichkeit von 3D Brillen hatte ich mir bisher noch gar keine Gedanken gemacht.
    Grundsätzlich halte ich 3D Filme im Kino aber für überbewertet, die meisten Filme haben für mich keinen erkennbaren Mehrwert dadurch.

  5. Für die Unterhaltung sind 3D-Filme schön und gut, für medizinische Zwecke ist 3D – z.B. bei Operationen oder der OP-Planung – eine große Verbesserung und Hoffnung für die Zukunft. Deshalb freue ich mich über jeden Fortschritt in der Technik. Unterhaltungsfilme gucke ich in beiden Techniken gerne.

  6. Pingback: Eva Holden: “Versetze Dich in die Lage Deines Lesers” | arvatoBLOG 

  7. Meine Erfahrungen, vor allem Im Rahmen von 3D-TV-Test, sind, dass viele Leute eigentlich keine Probleme auch beim längeren Gebrauch haben.
    Es kann alelrdings sein, dass Blutgefäße seitlich am Kopf gedrückt werden und dann Kopfweh folgen kann. Dann am Besten die Bügel etwas nach oben schieben, damit das Blut wieder zirkulieren kann.

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