VDI schult Fachleute

Legionellengefahr ist technisch vermeidbar!

Ulm, Januar 2010: eine Lungenentzündungsepidemie mit ca. 60 bekannt gewordenen Erkrankungen und 5 Todesfällen. Ursache laut den Medien: ein Kühlturm. Warstein, August 2013: eine Lungenentzündungsepidemie mit ca. 160 Erkrankungen und zwei Todesfällen. Mit vielen weiteren wäre zu rechnen gewesen, hätte man eine geplante Freiluftveranstaltung mit ca. 200.000 erwarteten Gästen nicht abgesagt.

In beiden Fällen war das Fehlen einer Kontrolle kritischer Prozessparameter das wesentliche Problem, sprich: die Verdunstungskühlanlage wurde mehr oder minder sich selbst überlassen.

Gefahr durch Legionellen ist technisch vermeidbar
Aber: Legionellengefährdungen sind technisch vermeidbar! Die Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 soll dazu beitragen. Start der Erarbeitung war kurz nach Ulm, im Mai 2010, Entwurfsveröffentlichung der VDI 2047 Blatt 2 im Januar 2014, Weißdruckveröffentlichung zum 1. Januar 2015.

VDI-Richtlinien mit staatsentlastender Wirkung
Mörder werden im Krimi oft durch ihren (heute: genetischen) Fingerabdruck überführt. Das gilt auch für Legionellen. Um ihn überführen zu können, muss man dem Täter einmal den Fingerabdruck abnehmen.

Bild: Baltimore Aircoil International nvVerdunstungskühlanlage_Legionellen

Gefahr durch Legionellen ist technisch vermeidbar: Auf Basis der Richtlinie VDI 2047 Blatt 2 schult der VDI jetzt Ausbilder. (Bild: Baltimore Aircoil International nv)

Das bedeutet: Man muss wissen, wo Verdunstungskühlanlagen stehen. Der Gesetzgeber reagiert daher auch schnell auf das Bekanntwerden der Gefährdung: Im Mai 2014 erscheint der erste Entwurf eines Eckpunktepapiers des BMU, das eine Bundesimmissionsschutz-Verordnung (BImSchV) vorbereiten soll. Die Anlagen sollen meldepflichtig werden, und Grundlage des Betriebs einer Verdunstungskühlanlage soll nach dieser BImSch die VDI 2047 Blatt 2 sein. Damit ist die Kette geschlossen und die Richtlinie ist daher ein schönes Beispiel für die Selbstverwaltung von Technik und Wissenschaft und damit die staatsentlastende Wirkung der VDI-Richtlinien.

Bedarf an geschulten Fachleuten ist groß
Für die Betreiber der Anlagen ist wichtig: Der Betrieb unterliegt schon immer der Verkehrssicherungspflicht, doch künftig wird er meldepflichtig sein. Mehr als genug Grund, die Anlage künftig noch besser im Auge zu behalten. Dazu braucht die verantwortliche Person, gleich, ob der Betreiber selber oder ein von ihm bestimmter Delegationsempfänger, spezifische Kenntnisse. Um eine qualitätsgesicherte Schulung solcher Fachleute zu ermöglichen, bietet die VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik das bei den anderen Hygiene-Richtlinien VDI 6022 und VDI/DVGW 6023 bewährte Schulungspartnersystem an. Der Bedarf an geschulten Fachleuten dürfte sehr groß sein: Es ist davon auszugehen, dass in Deutschland eine sechsstellige Zahl solcher Anlagen betrieben werden da Verdunstungskühlung sehr preiswert ist. Viele der Anlagen sind sehr klein und ihr Betrieb erfolgt bislang unkontrolliert.

VDI schult Ausbilder
Um den Bedarf an geschulten Fachleuten befriedigen zu können, hat die VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik am 8. und 9. Januar zwei Schulungen für jeweils etwa 35 künftige Referenten angeboten. Geschult wurden diese 70 Fachleute von Dipl.-Chem. Rainer Kryschi VDI, Vorsitzender des Richtlinienausschusses VDI 2047/2 und Dr. Simone Schulte VDI, Mitglied im Richtlinienausschuss VDI 2047/2. Sie werden künftig die für den Betrieb von Verdunstungskühlanlagen verantwortlichen Personen ausbilden.

Thomas WollsteinAutor: Thomas Wollstein
Position beim VDI: Technisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, Betreuer Fachbereich Facility-Management, Mitarbeit im Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung.
Aufgabe beim VDI: Technische Regelsetzung, Mitgliederbetreuung und -gewinnung

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