Interview mit Projektmanager Stefan Kurzmann

Neues Lehrbuch „Deutsch für Ingenieure“

Das neue Lehrbuch „Deutsch für Ingenieure“ hilft ausländischen Ingenieurstudierenden mit Texten und Übungen beim Deutschlernen.

Deutsch ist eine schwierige Sprache – gerade denn, wenn man als Nichtmuttersprachler komplexe Themen erklären soll. Vor dieser Herausforderung stehen häufig ausländische Studierende und Ingenieure. Sie haben das Know-how, aber nicht immer die sprachliche Fähigkeiten. In Form des neuen Lehrbuchs „Deutsch für Ingenieure“, das im Springer-Verlag in enger Zusammenarbeit mit dem VDI entstanden ist, kommt Hilfe. Wir haben mit Stefan Kurzmann, Diplom Geograph an der Universität Bonn, der die Entstehung des Buchs als Projektmanager begleitet hat, über das erste Lehr- und Arbeitsbuch seiner Art und das Konzept dahinter gesprochen.

Bild: S. KurzmannStefan_Kurzmann_Deutsch-fuer-Ingenieure_beschnitten

Stefan Kurzmann, Projektmanager von „Deutsch für Ingenierue“ (Bild: S. Kurzmann)

Wie ist die Idee entstanden, dass Buch „Deutsch für Ingenieure“ zu realisieren?
Wie so oft, ist auch diese Idee aus der Praxis geboren. Ich sah wie in einer Deutschstunde mit Ingenieursstudenten in Kasachstan ein DDR-Lehrbuch aus den 1960er Jahren verwendet wurde und dachte, dass die Universität nur zu geizig für aktuelles Lehrmaterial sei. Dr. Heiner Dintera, einer der beiden Autoren des neuen Buchs, erklärte mir aber, dass es schlicht und einfach kein aktuelles Deutsch-Lehrbuch speziell für Ingenieure gibt. Uns war klar: Hier muss ein modernes Lehrbuch her, am besten gleich in Zusammenarbeit mit dem VDI und deutschen Unternehmen.

An wen richtet sich das Buch und warum lohnt es sich es zu lesen?
Das Lehrbuch ist für alle Studierenden technischer Fächer, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Ganz praktisch kommt es also allen ausländischen Studierenden ingenieurwissenschaftlicher Fächer an deutschen Hochschulen zugute als auch jenen Technik-Studierenden im Ausland, die als Fremdsprache Deutsch wählen. Und natürlich können sich jetzt auch ausländische Jungingenieure mit Hilfe des Lehrwerks auf einen Job in einem deutschen Team vorbereiten und sich so weiterqualifizieren. Wie zum Beispiel Dr. Fang* aus China. Er absolvierte an der Universität in Zhejiang den Teilstudiengang „Fachdeutsch Technik“, ging nach Deutschland und arbeitet heute sehr erfolgreich beim Unternehmen SMS Meer.

Für andere wissenschaftliche Disziplinen gibt es seit Längerem spezielle Deutsch-Lehrbücher, z. B. Deutsch für Mediziner oder für Juristen. Bei den Ingenieurswissenschaften sitzt der Glaube tief, dass die Mathematik und das gemeinsame technische Fachwissen den Faktor „Deutschkenntnisse“ Richtung Null minimieren. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Deutsch ist eine hervorragende Sprache für Technik, eben weil sie sachliche und präzise Formulierungen bereithält.

Warum ist es wichtig, dass man neben dem Know-how als Ingenieur auch Kenntnisse der deutschen technischen Fachtermini mitbringt?
Man könnte meinen, dass fachliche Know-how und Englischkenntnisse doch ausreichen, um sich als ausländischer Mitarbeiter hierzulande voll einzubringen. Aber wir müssen uns auch die Frage stellen, ob sich deutsche Ingenieure nur durch das Aufsagen von mathematischen Formeln und Gleichungen austauschen oder ob sie nicht doch ganze Sätze bilden, die sich in Ausdrücken und Formulierungen eben doch als sehr fachbezogen erweisen. Und: wird in der Praxis wirklich immer Englisch benutzt, wenn ein Kollege, der kein deutscher Muttersprachler ist, anwesend ist? Die Antwort lautet nein. Es ist einfach einfacher, untereinander schnell auf Deutsch Dinge durchzugehen, gerade wenn es kniffliger wird. Der junge ausländische Kollege versteht so womöglich nur die Hälfte. Für ausländische Studierende ist dies Alltag, der sich nur allzu oft in das Berufsleben fortsetzt.
Genauso geht es jungen Technik-Studierenden im Ausland; sie lernen meistens allgemeines Deutsch. Die deutsche Fachsprache ihres technischen Gebiets lernen sie dann über Jahrzehnte peu a peu so nebenbei. Praxis ist nicht verkehrt und dies wird auch so bleiben. Wir möchten aber mit „Deutsch für Ingenieure“ international Studierenden helfen, sich schneller und gezielt die deutsche Technik-Fachsprache anzueignen, damit sie nicht nur bereits während ihres Studiums ihre deutschen Professoren und Kommilitonen von Anhieb richtig verstehen, sondern umgekehrt ihrem technisch-mathematischen Know-how auch Ausdruck verleihen, also fachlich auf Deutsch überzeugen können.

* Name geändert

Steinmetz, Maria, Dintera, Heiner: Deutsch für Ingenieure. Verlag Springer Vieweg,
Reihe VDI Buch, Wiesbaden 2014, 392 S., 34,99 €

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

 

 

Bild: Thomas Ernsting/LAIFErnsting_Computer

(Bild: Thomas Ernsting / LAIF)

 

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2 Gedanken zu “Neues Lehrbuch „Deutsch für Ingenieure“

  1. Pingback: Deutsch für Ingenieure – neues Lehrbuch in der VDI-Reihe erschienen | bildungsdoc-Blog | News & Wissenswertes zum Thema Bildung 

  2. Schöne Sache. Es gibt ja in manchen Ländern Deutschkurse für Menschen, die (technische) Texte auf Deutsch lesen möchten, entsprechend übt man da nur, einen Text zu entschlüsseln.

    Gibt es an Volkshochschulen jetzt Kurse, in denen das Buch eingesetzt wird?

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