VDI Themenradar Automobil

Cockpit-Gestaltung der Zukunft

Wie verändern moderne Anzeigen- und Bedienkonzepte die Cockpit-Gestaltung für das Automobil von morgen? Neben dem Bedienfeld, muss sich auch die Bauweise des Cockpits an die neuen Anforderungen anpassen. Welche Möglichkeiten eröffnen Kunststoffe in der Cockpit-Gestaltung und wie kann das zukünftige Fahrzeuginterieur aussehen?

Bild: Thomas Ernsting / LAIFAuto_Tacho_Tankanzeige

Modernen Anzeigen- und Bedienkonzepte stellen das automobile Cockpit derzeit vor besondere Herausforderungen (Foto: Thomas Ernsting / LAIF)

 

Sicherheit
Eine hohe kognitive Beanspruchung und Ablenkungen, wie sie beispielsweise durch Smartphone-Anwendungen entstehen, führen im Fahrzeug zu einer Abnahme der Reaktionszeit. Dies kann im Straßenverkehr erhebliche Folgen für die Sicherheit haben. Daher arbeiten OEMs und Zulieferer mit Hochdruck an einfachen und intuitiven Lösungen. Um Sicherheitsanforderungen und Kundenwünschen gerecht zu werden, integrieren sie zunehmend Assistenzsysteme und mobile Endgeräte aus der Unterhaltungselektronik in Automobile.

Anzeigen- und Bedienkonzepte
Doch modernen Anzeigen- und Bedienkonzepte stellen das automobile Cockpit derzeit vor besondere Herausforderungen: Die Mobilität der Zukunft wird elektrisch sein, Informationen sind schon heute per Smartphone immer und überall abfragbar und eine „grüne“ Produktentwicklung ist nicht nur positiv für das Unternehmensimage, sondern auch ein Kaufgrund für Konsumenten.  Das Cockpit spielt bei der Kaufentscheidung für ein Fahrzeug eine entscheidende Rolle – es kommt hier also ganz besonders auf eine perfekte Kombination aus Design, Ergonomie, Haptik und Qualität an.

Die Umfrage des VDI Themenradars Automobil hat im Februar nach den Auswirkungen moderner Anzeigen- und Bedienkonzepte für die zukünftige Cockpit-Gestaltung im Automobil gefragt. Mehr als drei Viertel (76,4 Prozent) der Befragten sind der Meinung, dass moderne Anzeigen- und Bedienkonzepte nachhaltig die Cockpit-Gestaltung verändern, da die Bildschirmtechnologie herkömmliche Anzeigeeinheiten ersetzt. Dass sich Bildschirme und herkömmliche Anzeigeeinheiten in der Waage halten, vertreten nur 16,2 Prozent. Der deutlich geringste Anteil der Teilnehmer der Umfrage (7,4 Prozent) geht davon aus, dass moderner Anzeigen- und Bedienkonzepte gar keinen Einfluss auf die zukünftige Cockpit-Gestaltung haben.

Prof. Dr. Rudolf Stauber, Geschäftsführer vom Fraunhofer ISC befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema Kunststoffe im Automobil. Das Ergebnis der Umfrage hat ihn deshalb nicht überrascht. Er ist überzeugt, dass die zukünftige Gestaltung des Interieurs von Kraftfahrzeugen ganz wesentlich von diesen Faktoren beeinflusst wird.

Kunststoffe im Cockpit
„Technische Kunststoffe und Faserverbund-Kunststoffe haben sich seit vielen Jahren als innovativer Werkstoff im modernen Automobilbau bewährt“, erklärt Stauber. Sie leisten heute wertvolle Schrittmachedienste für das Fahrzeuginterieur und sind die Garanten für die Gestaltung von hochwertigen technischen Oberflächen. In Verbindung mit Dekorelementen aus Holz oder technischen Design-Elementen ergeben sie besonders wirtschaftliche und ästhetisch anspruchsvolle Formgebungen, die durch andere Werkstoffe nur aufwändig oder überhaupt nicht realisierbar sind.

Ein Beispiel für die zukünftige Cockpit-Gestaltung sind neuartige Anzeige-Instrumente mit homogener, dreidimensionaler Oberfläche, scharfer Anzeige und hoher Leuchtkraft, die durch Rückprojektionstechnik erzeugt wird. Dabei wird eine neu entwickelte Polycarbonat-Folie i mithilfe einer dahinter befindlichen Lichtquelle zum leuchtenden Bildschirm. In ausgeschaltetem Zustand ist lediglich eine mattschwarze Fläche sichtbar. Dieses Material kommt auch bei lackierten Bauteilen mit integrierten Lichtleitern zum Einsatz, die sich direkt im Werkzeug mit Polyurethan-Lacken fluten lassen.

Touchskin für neue Design- und Bedienoptionen
Bedienfunktionen in die Gehäuseoberfläche von Geräten aller Art gibt es unter dem Markennamen Touchskin. Zentraler Punkt dieser Technologie ist die dichte Integration einer elektrisch funktionalen Kunststoff-Folie mit einem Spritzgussteil. Auf der Folie befinden sich aufgedruckte, elektrisch leitfähige, Strukturen in Form von kapazitiven Sensoren. Die Folien werden durch 3-D-Formen und Beschneiden zu Folieninserts konfektioniert, bei der Spritzgießverarbeitung in ein Formwerkzeug eingelegt und mit Kunststoff über- und hinterspritzt. Die so hergestellten Verbundteile bieten neue kreative Möglichkeiten für das Produkt- und Bediendesign. Durch den Ersatz mechanischer Einzelteile, wie Drehschalter oder Bedientaster und den damit verbundenen Montagevorgängen durch die Sensorfolie werden die Produktionskosten reduziert. Gleichzeitig sind die neuartigen Folien-Verbundteile sehr robust in der Gebrauchsanwendung gegenüber jeder Art von mechanischer Beanspruchung und Umwelteinflüssen.

Jennifer_RittermeierAutorin: Jennifer Wienand
Position im VDI: Referentin PR/Öffentlichkeitsarbeit bei der VDI Wissensforum GmbH
Aufgabe im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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