Ehrenamt im VDI

#dit15-Thema Technische Bildung

Im VDI arbeiten Haupt- und Ehrenamt eng zusammen. Für das Thema technische Bildung in Wissenschaft, Technik und vor allem in der Schule, haben Gabriele Graube, langjährige Vorsitzende des Fachbeirats Technische Bildung, und Nadine Rauber, Referentin für Technische Bildung im VDI, gemeinsam einiges auf den Weg gebracht. Auch beim Deutschen Ingenieurtag 2015 wird die Technikbildung in der Schule Thema sein. Wie ihre Zusammenarbeit abgelaufen ist, welche Meilensteine bisher erreicht wurden und wie es mit dem Thema im VDI weitergeht, erzählen sie im Interview.

Bild: VDIOLYMPUS DIGITAL CAMERA

Dr. Gabriele Graube und Nadine Rauber

Frau Dr. Graube, Sie waren sechs Jahre Vorsitzende des Fachbeirats Technische Bildung. Gerade erst haben Sie den Staffelstab an Herrn Dr. Peter Rösner weitergegeben. Welche Themen haben Sie in dieser Zeit bewegt und was waren Ihre Highlights?
Graube: Eine sehr intensive Zeit liegt hinter mir. Besonders bewegt hat mich die Frage nach Technikbildung im Zusammenhang mit der Veränderung von Wissenschaft und Technik und den damit im Zusammenhang stehenden gesellschaftlichen Veränderungen. Und das führt zur Frage des Stellenwertes von Technik in der Bildung. Schule behandelt den Zusammenhang von Technik und Wissenschaft jedoch immer noch als Stiefkind, schulische Technikbildung gleicht nach wie vor einem löchrigem Netz, daran hat auch MINT nichts geändert. MINT jedoch könnte eine Chance für Technikbildung bieten, wenn man MINT integrativ begreift und umsetzt. Diese integrative Sichtweise stellt für mich eine didaktische Herausforderung dar. Daher hatten wir 2013 auch ein international besetztes VDI-Expertenforum zum Thema „Natur, Technik, Interdisziplinarität – Herausforderungen für die Fachdidaktiken“ durchgeführt. Das war das Highlight meiner ehrenamtlichen Arbeit!

Wie hat sich die VDI-Position zur Technischen Bildung entwickelt?
Graube: Der VDI hat sich dazu neu positioniert. In einem Positionspapier fordert der VDI technische Allgemeinbildung als Grundlage für Technikmündigkeit und Nachwuchsförderung, jedoch geht es zum einen auch angesichts der föderalen Struktur um einen Unterricht über Technik und nicht mehr, wie viele Jahre davor, um ein Fach Technik. Zum anderen sieht der VDI auch die Vielfalt und die Wirksamkeit außerschulischer Angebote. Beide sind zu verzahnen. Der VDI fordert hier eine ländergemeinsame Strategie der Bildungsverantwortlichen. Besonders wichtig ist die aktuelle Positionierung zu MINT. Das „T“ in MINT wird vom VDI als integrative Klammer verstanden – MINT wird so zum Synonym von interdisziplinärer Forschung und Entwicklung. Damit entsteht ein völlig neuer didaktischer Zugang zur Technik. Der VDI hat hier eine Vorreiterrolle eingenommen und kann mit dieser Position Impulsgeber sein. Dieses Papier erscheint in Kürze.

Frau Rauber, für den VDI ist die Arbeit des Ehrenamts enorm wichtig. Doch wie läuft die Zusammenarbeit eigentlich ab?
Rauber: Unsere ehrenamtlichen Experten tragen durch ihre Arbeit in den verschiedenen Gremien maßgeblich zur Meinungsbildung und Positionierung des VDI bei. Manchmal müssen zur intensiveren Bearbeitung eines Themas Arbeitsgruppen gebildet werden. Diese treffen sich dann außerhalb der regulären Fachbeiratssitzungen, um intensiver arbeiten zu können. Vieles läuft auch in direkter Absprache mit dem jeweiligen Vorsitz.

Welche Schritte, Herausforderungen warten im Bereich technische Bildung als nächstes? Wie wird sich der Unterricht in der Schule verändern?
Graube: Ich gehe davon aus, dass das Schulsystem Technik- und Wissenschaftsmündigkeit als Bildungsauftrag verstanden wird. Das wird jedoch Zeit brauchen, da viele unterschiedliche Ziele von den Akteuren verfolgt werden. MINT ist letztendlich Ausdruck für die heutige Suche nach anderen Wegen. Ergebnis wird eine veränderte Schule sein, die unsere Kinder mit Partnern außerhalb der Schule auf eine Welt von morgen vorbereiten wird. Erfinden, Entdecken und das Infragestellen des Erkannten und Gemachten wird im Zeitalter der Wissensgesellschaft einfach dazugehören – auch und insbesondere in der Schule!

Der VDI hat auch eigene Projekte zur Nachwuchsförderung. Was ist das Besondere an ihnen?
Rauber: Durch unsere Nachwuchsprojekte haben wir eine durchgängige, nachhaltige und aufeinander aufbauende Begleitung vom Vorschulalter bis zum Berufseinstieg geschaffen. Los geht es für Mädchen und Jungen ab 4 Jahren mit dem VDIni-Club, wo sie auf unterhaltsame und spielerische Weise die Welt der Technik und ihre Zusammenhänge kennenlernen. Für Jugendliche ab 13 Jahren gibt es den Jugendclub VDI-Zukunftspiloten. Hier stellen sich Jugendliche bei Club-Treffen den Herausforderungen der Zukunft. Im Team erarbeiten sie unter der Leitfrage „Kann man das nicht besser machen?“ Ansätze, wie Technik eingesetzt werden kann, um die Welt ein Stückchen besser zu machen. Und hier gibt es natürlich viele Themen: z.B. Mobilität, Umwelt und Energie, aber auch Kommunikation, Ernährung, Globalisierung, Urbanes Leben… Und da fällt den Jugendlichen sicher einiges ein, denn Ausgangslage ist dabei immer die eigene, persönliche Lebenswelt.

Frau Graube, was nehmen Sie persönlich aus Ihrer Amtszeit als Vorsitzende mit?
Graube: Netzwerke knüpfen, um Menschen zusammenzubringen, die sich für eine Sache einsetzen, dabei unterschiedliche Interessen und Disziplinen vertreten. Der daraus entstehende Dialog war spannend, durchaus auch kontrovers, aber immer konstruktiv. Diese Erfahrung nehme ich gerne mit.

Wie geht es für den VDI im Bereich Technische Bildung weiter?
Rauber: Es bleibt tatsächlich immer spannend! Wir arbeiten derzeit daran, die Rolle der Technik in der MINT-Thematik stärker zu verankern mit dem Anspruch von Technik auf einen gleichberechtigten Platz im Bildungssystem. Gleichzeitig entwickeln wir unsere Clubangebote ständig weiter und auch die stärkere Vernetzung mit Partnern spielt eine Rolle. Sicherlich wird auch Herr Dr. Rösner, er ist Leiter des Internats Louisenlund und der neue Vorsitzende unseres Fachbeirats, Impulse mit einbringen, so wie es auch Frau Dr. Graube getan hat. Darauf freue ich mich sehr, denn neue Themen mitzugestalten macht immer sehr viel Spaß!

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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