Kooperation Deutsche Sporthilfe und VDI ELEVATE

Vom Sport lernen: Rollstuhl-Basketballerin Laura Fürst

Gemeinsam unterstützen der VDI und die Deutsche Sporthilfe Athleten auf ihrem Weg in den Ingenieurberuf. Sportlerin und VDI-Mitglied Laura Fürst ist eine von ihnen.

Sie ist ein Teamplayer, ehrgeizig und diszipliniert. Die wichtigste Eigenschaft, die Laura Fürst besitzt ist aber womöglich die, immer das Beste aus einer Situation zu machen. Das hat die 23-jährige Studentin aus München weit gebracht. Sie spielt Basketball im Rollstuhl auf hohem Niveau. Gemeinsam mit der Junioren-Nationalmannschaft holte sie 2012 die Goldmedaille, nach einem Auslandsjahr am US-College in Whitewater studiert sie nun in der Bayerischen Landeshauptstadt und ist nebenher für ihren Bundesligaverein RBB München im Einsatz. Die Krönung ihrer bisherigen sportlichen Karriere: Laura Fürst ist in der U25 Nationalmannschaft der Frauen aktiv und inzwischen im A-Kader angekommen. Wenn alles gut läuft, dann warten nächstes Jahr die Paralympischen Spiele in Rio de Janeiro auf sie und ihre Mannschaftskollegen.

Bild: privatFoto_Laura_Fuerst-VDI

Laura Fürst zu Besuch bei den VDI ELEVATE Bewerbertagen.

Dass Laura Fürst einmal so erfolgreich Basketball spielen würde, war nicht abzusehen. Als Schülerin interessierte sie sich für Tennis. „Fürs Basketball wäre ich wahrscheinlich ohnehin zu klein gewesen“, mutmaßt Fürst, die nach einem Bachelorstudium der Energie- und Prozesstechnik nun den Master in Maschinenwesen draufsattelt. Doch dann kam alles anders als geplant. Nach einem Unfall, den sie mit 16 Jahren hatte, ist sie inkomplett querschnittsgelähmt. Ein wenig Motorik ist noch vorhanden, aber ohne Rollstuhl geht es nicht. Nach ihrem Unfall wird sie in die Unfallklinik nach Murnau gebracht. Dort beginnt die langwierige Reha. Doch Laura Fürst hat Glück im Unglück: In der Klinik trifft sie auf eine kleine Gruppe Rollstuhl-Basketballer und schließt sich ihnen spontan an. „Der Sport war so etwas wie meine Rettung“, meint sie rückblickend. „Mein Unfall und meine Behinderung konnten mich nicht stoppen, mein sportliches Potential zu entdeckt und weiter auszubauen. Wenn man sieht, was für große Möglichkeiten vor einem liegen, dann will man sie auch nutzen. Der Ehrgeiz ist geweckt. Sport bringt einem für jegliche Lebenssituationen etwas.“

Unterstützung auf ihrem Weg bekommt sie von der Deutschen Sporthilfe. Sobald ein Athlet Bundeskader-Status erreicht hat, wird er finanziell von der gemeinnützigen Stiftung gefördert, um seinen Sport ohne große Hürden ausüben zu können. Ebenso wichtig ist die ideelle Unterstützung bei der Planung und Vorbereitung der Karriere nach dem aktiven Leistungssport, zum Beispiel durch Bewerbungstrainings oder Fortbildungen.

Hier kommt auch der VDI ins Spiel. Im Sommer 2014 haben die Deutsche Sporthilfe und der VDI eine Kooperation vereinbart, die Athleten dabei helfen soll, neben dem Sport ihren Weg in den Ingenieurberuf zu finden. Laura Fürst verbindet beide Komponenten: Sie wird als Rollstuhl-Basketballerin von der Sporthilfe gefördert und ist zudem VDI-Mitglied. So wurde sie insbesondere auf VDI ELEVATE aufmerksam. Das Förderprogramm für Studierende ingenieurwissenschaftlicher Fächer bietet unter dem Motto „Sport und Karriere“ im Rahmen der Kooperation Studierenden mit sehr guten sportlichen Leistungen die Möglichkeit sich bereits während der aktiven Zeit auf eine zweite Karriere vorzubereiten. Laura Fürst ist eine der ersten Kandidatinnen, die dieses Angebot nutzen möchte. Die Bewerbertage in der Hauptgeschäftsstelle in Düsseldorf hat sie erfolgreich hinter sich gebracht. Ihre Selbstpräsentation, ein Interview mit den anwesenden Vertretern der Partnerunternehmen, eine Fallstudie und ein Rollenspiel sowie eine Gruppenaufgabe standen für Laura Fürst und die anderen Bewerber auf dem anspruchsvollen Programm. Einen besonders guten Eindruck hat das Partnerunternehmen Daimler auf die Studentin gemacht – was auf Gegenseitigkeit beruhte. Ab Mitte April startet die Studentin als Teilnehmerin bei VDI ELEVATE ins Programm.

Bild: privatBasketball_Laura_Fuerst

Laura Fürst beim Einsatz für die Nationalmannschaft bei der WM in Kanada 2014 (Bild: privat)

„Ich finde VDI ELEVATE deshalb so gut, weil man durch sie ein eigenes Netzwerk aufbauen kann und sieht, welchen Bedarf die Unternehmen haben und wo die künftigen Herausforderungen liegen. An der Uni ist alles sehr theoretisch, erst durch Programme wie dieses merkt man, in welche Richtung man eigentlich gehen will und wo die eigenen Stärken liegen. Meine Gespräche mit Daimler sind gut gelaufen. Wo ich eingesetzt werden könnte und was meine Aufgaben sind, müssen wir dann noch mal schauen“, freut sich Fürst.

Wichtig für Laura Fürst ist die Flexibilität. Denn anders als bei den meisten anderen ELEVATE-Bewerbern ist sie eben nicht nur Studentin, sondern auch sportlich enorm eingebunden. Im Winter trainiert sie für den Ligabetrieb, ab Sommer startet die intensive Vorbereitung für die Spiele der Nationalmannschaft. Hinzu kommt das kontinuierliche Training in der Woche. „Ich trainiere hauptsächlich die Rumpfmuskeln und meine Armmuskulatur, insbesondere durch das Handbike und durch Liegestütze.“ Auch das kostet Zeit, die die Sportlerin an anderer Stelle nicht zur Verfügung hat.

Trotzdem lässt Laura Fürst es sich nicht nehmen auch noch ein Schulprojekt in ihrer Heimatstadt zu unterstützen. Sie und einige ihrer Teamkollegen zeigen Schulkindern, vor welchen Herausforderungen man steht, wenn man sich im Rollstuhl fortbewegt. Die Kinder dürfen selbst ausprobieren, wie es sich auf zwei Rädern fährt und wo gegebenenfalls unerwartete Hürden im Alltag auftauchen. Laura Fürst ist das Projekt wichtig, denn es bringt verschiedene Gruppen von Menschen zusammen, die sonst womöglich nicht aufeinander getroffen wären. Genauso wie das auch ihre Sportart vollbringt: „Eigentlich mag ich das abstrakte Wort Inklusion nicht, denn es sagt so wenig aus. Aber im Rollstuhl-Basketball wird Inklusion tatsächlich gelebt. Es spielen seit gut fünfzig Jahren Schwerbehinderte, Leichtbehinderte, Männer, Frauen, Jung und Alt gemeinsam. Besser kann Inklusion nicht sein.“

Cathrin Becker_2Autorin: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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