Porsche-Vorstand Wolfgang Hatz

„Internationaler Motorenkongress“: Umdenken in der Motorenentwicklung

Heute und morgen findet in Baden-Baden der erste „Internationale Motorenkongress“ statt, den unser VDI Wissensforum veranstaltet. Eines der wichtigsten Themen dort ist die Reduzierung von CO2-Emission. Elektromobilität und alternative Antriebskonzepte sind wichtige Stichworte in dieser Diskussion, aber auch klassische Verbrennungsmotoren können zu diesem Ziel beitragen. Mit beim Kongress dabei ist Wolfgang Hatz, Entwicklungs-Vorstand bei Porsche, den wir zu den Themen Reduzierung von CO2-Emission, alternativen Antrieben und den künftigen Entwicklungen in der Branche interviewt haben.

Bild: privatHatz_2013_swWelchen technologischen Spielraum sehen Sie, um den Verbrennungsmotor in den nächsten Jahren effizienter und vereinbar mit den CO2-Gesetzesvorgaben zu halten?
Alle aktuellen Porsche-Modelle verbrauchen heute bis zu 18 Prozent weniger Kraftstoff bei entsprechend geringeren CO2-Emissionen als die jeweiligen Vorgängermodelle. Und das haben wir mit konventionellen Antrieben erreicht. Das zeigt, dass das Potenzial des Verbrennungsmotors hinsichtlich CO2-Reduktion noch lange nicht ausgereizt ist.
Es wird natürlich zunehmend schwerer. Aber wir entwickeln im Moment komplett neue Motoren und neue Getriebe. Ich glaube, kaum jemand investiert gerade so viel in neue Antriebstechnik wie wir. Und man muss an alles denken, um Verbräuche weiter zu senken: von der innermotorischen Reibung bis zum Zusammenspiel von Motor und Getriebe. In den kommenden fünf bis sieben Jahren halte ich weitere 15 Prozent Verbrauchsreduktion für durchaus realistisch.

Wo liegen die aktuellen Herausforderungen des Marktes? Auf welche künftigen Entwicklungen müssen Hersteller und Zulieferer reagieren?
Aktuell ist ein Thema sicher die Gesetzgebung hinsichtlich Verbrauch und CO2.
Wir müssen aber auch auf die Anforderungen unserer Kunden reagieren. Unsere Fahrzeuge müssen hoch performant, gleichzeitig aber auch hoch effizient sein. Das erwarten unsere Kunden weltweit. Hersteller und Zulieferer müssen gemeinsam an innovativen Lösungen arbeiten, um zum Beispiel weitere Leichtbaupotenziale zu erschließen.

Wird der Hybridantrieb oder E-Motor eine echte Alternative?
Da muss man differenzieren. Wir haben nichts gegen E-Maschinen im Antriebsstrang. Aber derzeit noch nicht als einzige Antriebsquelle. Was uns daran hindert, ist die Reichweite der Batterie. Deshalb bleibt der Verbrennungsmotor auf mittlere Sicht ein wichtiger Antrieb. Einen Sportwagen will man auch sportlich fahren – und dann macht das die Batterie nicht lange mit. Wir haben ja einige Boxster e im Flottenversuch, aber wenn ich am Wochenende damit nicht von Stuttgart an den Bodensee und wieder zurück fahren kann, ist das witzlos. Deshalb sind Plug-in-Hybride einfach die bessere Lösung.

Welche Trends beobachten Sie hinsichtlich neuer Anwendungen und Technologien?
Intelligentes Downsizing ermöglicht gleiche oder sogar mehr Leistung bei niedrigerem Verbrauch. Alle Komponenten des Motors müssen für diese spezifischen Leistungen ausgelegt werden, wobei natürlich auch hier die weltweiten Emissionsvorgaben einzuhalten sind.

Was erwarten Sie sich von dem neuen „Internationalen Motorenkongress“ und was ist Ihre Motivation, diesen aktiv zu unterstützen?
Das ist eine gute Gelegenheit, unter Kollegen wieder einmal aktuelle Themen und Trends zu diskutieren. Denn wir alle stehen vor einem Umdenken in der Motorenentwicklung, wo mehr Leistung auch immer stärker mit hoher Effizienz verbunden ist.

Bild: VDI WIssensforum GmbHJennifer_RittermeierDas Interview führte: Jennifer Rittermeier
Position im VDI: Referentin PR/Öffentlichkeitsarbeit bei der VDI Wissensforum GmbH
Aufgabe im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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