Welche Strategie hat das höchste Potential?

Reduzierung von CO2-Emissionen – aber wie?

Welche technologische Strategie bietet in den nächsten zehn bis 15 Jahren
das größte Potenzial für die Reduzierung der verkehrsbedingten
CO2-Emissionen? Wir haben mit Prof. Ulrich Seiffert von unserer VDI-Gesellschaft Fahrzeug und Verkehrstechnik einen Experten dazu befragt.

Bild: Thomas Ernsting / LAIFAuto_Montage_Heck_Mann

Die Reduzierung der CO2-Emission stellt die Automobilindustrie vor Herausforderungen. (Foto: Thomas Ernsting / LAIF)

Reduzierte Kohlendioxid-Emission beeinflusst Automobilentwicklung
Neben zahlreichen anderen Anforderungen, wie erhöhte Sicherheit, automatisiertes Fahren, Vernetzung sowie globaler Wettbewerb, wirken sich die Auflagen, um die Kohlendioxidemissionen pro Kilometer zu reduzieren, mit am stärksten auf die zukünftige Automobilentwicklung aus. Die Verschärfung der CO2-Grenzwerte im Jahr 2020 mit 95 Gramm pro Kilometer für den Mittelwert einer pro Jahr verkauften Flotte an Neufahrzeugen eines Fahrzeugherstellers bedeutet eine ganz wesentliche Veränderung der Fahrzeuge in Bezug auf Leichtbau, geringeren Luftwiderstand, Optimierung der Nebenaggregate sowie der Antriebe, Motoren und Getriebe. Bis zum Jahr 2050 sollen die CO2-Emissionen auf weniger als 20 Gramm pro Kilometer gesenkt werden. Dies entspricht etwa einem Verbrauch von 0,9 Liter pro 100 Kilometer, sofern ein auf Erdöl basierter Otto- oder Dieselkraftstoff eingesetzt wird.

Bild: privatSeiffert Ulrich_Quelle_VDI Wissensforum GmbH_300 dpiRegionale Unterschiede und vorhandene Energien
Prof. Ulrich Seiffert war Vorstandsmitglied bei Volkswagen und ist seit Mai 2013 Ehrenmitglied der VDI-Gesellschaft Fahrzeug- und Verkehrstechnik (VDI-FVT). Seit Jahren befasst er sich mit dem Thema Motoren und ist ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet. „Bei der Auslegung der Fahrzeugantriebe sind die regionalen Unterschiede und die zur Verfügung stehenden Energien zu beachten“, erklärt Seiffert. Die zur Verfügung stehenden Energien sind zahlreich: beispielsweise die auf Erdöl basierenden Otto- und Dieselkraftstoffe, die Bio-Kraftstoffe, das Compressed Natural Gas (CNG) sowie das Autogas (LPG), die Elektrizität und der Wasserstoff. Beim Antrieb reicht die Palette von verbesserten Otto- und Dieselmotoren, vom „Mild-“ bis zum „Voll“ Hybrid, vom Plug-in bis zum reinen Elektrofahrzeug und schließlich bis zum Einsatz der mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle. Ganz wesentlich ist dabei die jeweilige Abstimmung der motorischen Aggregate untereinander und mit den dazu gehörenden Getrieben.

Vergrößerte Komplexität
Aufgrund der Globalisierung und der Vielzahl der Fahrzeugmodelle müssen die Fahrzeughersteller sowohl auf den Markt als auch die politischen Vorgaben reagieren. Dabei müssen die politischen Entscheidungen für die Vorgaben an die Fahrzeughersteller immer auf einer Betrachtung der Emissionsquellen aufbauen. „Dies bedeutet auf jeden Fall nicht nur eine größere Komplexität in der Forschung und Entwicklung sondern auch in der Produktion und in den übrigen Unternehmensbereichen“, erklärt Seiffert.

VDI-Umfrage: Potential bei Hybrid-Antrieben
Die Umfrage des VDI Themenradar Automobil von Juli hat ergeben, dass die große Mehrheit der Befragten (61,3 Prozent) das größte Potenzial bei der Hybridisierung des Antriebs sieht, um die verkehrsbedingten CO2-Emissionen zu reduzieren. Dagegen erachten nur 21,6 Prozent den konventionellen Verbrennungsmotor als ausschlaggebend für die CO2-Reduktion. Den geringsten Erfolg sehen die Teilnehmer der Umfrage in Elektroautos. Nur 17,1 Prozent sind davon überzeugt, dass viele reine Elektroautos die verkehrsbedingten CO2-Emissionen reduzieren können.

Erzwungene Verbesserungsfortschritte
Das Umfrageergebnis zum Thema CO2-Reduzierung durch entsprechende Antriebskonzepte ist für Seiffert keine Überraschung: „Die Optimierung der Verbrennungsmotoren ist nicht nur für die konventionellen Motoren- und Getriebekonzepte notwendig, sondern auch für alle Hybridkonzepte. Die weltweite CO2-Gesetzgebung erzwingt für alle Fahrzeughersteller deutliche Verbesserungsfortschritte.“ Am unsichersten sei die Aussage zu den reinen Elektrofahrzeugen. Dabei spielen drei wesentliche Punkte eine große Rolle:

  • Die erhöhten Kosten eines reinen Elektrofahrzeuges durch die Batterie und den Antrieb
  • Die Angst vor dem Liegenbleiben. Wie lässt sich eine Struktur erschaffen, die bei Bedarf eine schnelle Weiterfahrt ermöglicht?
  • Die Diskussion zum Thema Energiewende. Wie stellt der Kunde sicher, dass sein Elektrofahrzeug elektrische Energie bezieht, die kein CO2 erzeugt?

„Schließlich dürfen wir auch nicht vergessen, dass sich die Umfrage im Wesentlichen auf Deutschland bezieht und bei globaler Betrachtung die Werte unterschiedlich sein werden. Als Fazit ist daher festzuhalten, dass alle drei gefragten Varianten intensiv weiterentwickelt werden müssen“, so Seiffert.

Neue Umfrage zu Forschungsfeldern
Die aktuelle Umfrage des VDI Themenradar Automobil im August befasst sich mit der Weiterentwicklung der Forschungsfelder der Automobilindustrie in den nächsten zwölf Monaten und ist unter anderem auf www.vdi.de/autokat zu finden.

Jennifer_RittermeierAutorin: Jennifer Rittermeier
Position im VDI: Referentin PR/Öffentlichkeitsarbeit bei der VDI Wissensforum GmbH
Aufgabe im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Kommentare & Pingbacks

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*