Internationaler Motorenkongress 2015

Wie entwickelt sich die Motorenbranche?

Dr. Markus Schwaderlapp war bis zum 31. Dezember 2014 Geschäftsführer der FEV und ist seit dem 1. Januar 2015 bei Deutz tätig. Er wird an der Podiumsdiskussion zum Thema „Einfluss der neuen Legislative auf die Motorenentwicklung“ beim „2. Internationalen Motorenkongress“ am 24. und 25. Februar 2015 in Baden-Baden teilnehmen. Darüber hinaus sitzt er im Programmbeirat des Kongresses und hat die Inhalte des Kongresses mit bestimmt. Wir haben mit Dr. Schwaderlapp gesprochen, um mehr über den Kongress zu erfahren.

Bild: privatSchwaderlapp_Photo_2013Dr. Schwaderlapp, die FEV ist eine der weltweit größten unabhängigen Dienstleister für die Entwicklung von Verbrennungsmotoren und Fahrzeugtechnik. Wie wird sich aus Ihrer Sicht die Motorenbranche weiterentwickeln?
Wir werden in Zukunft eine weitere Diversifizierung der Antriebssysteme und Kraftstoffe sehen. Neben Benzin und Diesel werden wir verstärkt CNG, LPG oder alternative Kraftstoffe wie Ethanol und Biodiesel tanken – oder elektrisch fahren. Wann und wie stark die Marktdurchdringung sein wird, hängt letzten Endes von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und Motivatoren ab. Kurzfristig werden Verbrennungs- und Elektromotoren in Hybridantrieben stärker verzahnt, wobei dem Getriebe eine Schlüsselposition zukommt. Eine weitere große Entwicklung sehe ich in der Vernetzung des Antriebs mit der Umgebung (Car-2-car, Car-2-x), wodurch die Energieflüsse bedarfsgerecht gesteuert werden können.

Welche Vorteile bietet ein klassischer Verbrennungsmotor im Gegensatz zu einem elektrisch angetriebenen Fahrzeug?
Neben der (fast) uneingeschränkten Reichweite für lange Strecken bekommen wir beim klassischen Verbrennungsmotor die Heizung über die Motorabwärme „umsonst“, was in unseren Breiten nicht nur im Winter ein (Komfort-)Vorteil ist. Und da wir eigentlich die ganze Energiekette – Stichwort Well-to-Wheel – betrachten müssen, kommt es auf den Strom an, mit dem wir fahren. Zwar können wir elektrisch lokal emissionsfrei fahren, erzeugen die Emissionen (und teilweise noch mehr als bei Verbrennungsmotoren) dann aber im Kohlekraftwerk.

Sie nehmen an der Podiumsdiskussion „Einfluss der neuen Legislative auf die Motorenentwicklung“ beim Internationalen Motorenkongress teil. Wie schätzen Sie dieses Thema ein?
Die legislativen Rahmenbedingungen sind zwingende Voraussetzung für die Verringerung der Emissionen. Doch die Ziele müssen realistisch und die eingesetzten Technologien letzten Endes bezahlbar bleiben. Die emissionsfreie Anrechnung der elektrisch zurückgelegten Kilometer ist eine wichtige Voraussetzung für die Elektrifizierung und E-Mobilität. Wir werden eine Verbreitung der Elektrifizierung – insbesondere der 48 V-Systeme – in Zukunft sehen. Die neue Legislative wird durch den dynamischeren Zyklus bei Dieselmotoren hocheffiziente AGR- und DeNOx-Systeme, sowie modellbasierte Motorkontrollfunktionen erfordern. Bei Ottomotoren werden das Miller-Brennverfahren, Hochlast-AGR oder das variable Verdichtungsverhältnis interessant. Für alle Motoren gilt, dass die Anforderungen an eine fahrzeugeigene Emissionsüberwachung mittels OBD zur Einhaltung der Emissionen durch den dynamischeren Betrieb steigen.

Was waren Ihre Beweggründe im Programmbeirat des Internationalen Motorenkongresses mitzuwirken?
Der rege Austausch zwischen OEMs, Zulieferern und Entwicklungsdienstleistern über zukünftige Anforderungen und neue Technologien und ist extrem wichtig, nur so können wir gemeinsam die richtigen Lösungen für die Herausforderungen von morgen erarbeiten. In Europa pflegen wir eine Kultur des offenen Austauschs auf Konferenzen – dazu sind die vielbesuchten Konferenzen von ATZ/MTZ, dem VDI (oder wie hier auch zusammen), das Wiener Motorensymposium und das Aachener Kolloquium für Fahrzeug- und Motorentechnik hervorragende Beispiele. Sie bieten eine hervorragende Plattform zum Austausch und zur Diskussion der neuen Technologien und Strategien, um unsere Mobilität nachhaltig zu verbessern.

Jennifer_RittermeierDas Interview führte: Jennifer Wienand
Position im VDI: Referentin PR/Öffentlichkeitsarbeit bei der VDI Wissensforum GmbH
Aufgabe im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

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