Wie RLT-Anlagen das Klima am Arbeitsplatz verbessern

Schlechte Luft im Büro?

In den kommenden Sommermonaten nehmen wir schlechte Luftbeschaffenheit am Arbeitsplatz am deutlichsten wahr. In dieser Zeit steigt uns nämlich nicht nur die Hitze zu Kopf.

Bild: ProStockStudio / Shutterstock.com150523_VDI_RL_702x363-V1-T7

In der kalten Jahreszeit fühlen wir uns in Büro- oder Konferenzräumen wohl, weil diese angenehm warm sind. Dass die Luft dort nach einer längeren Besprechung genauso stickig wird wie im Sommer, fällt uns gar nicht so auf. Das, was wir als „schlechte Luft“ empfinden, hat aber nur bedingt mit der eigentlichen Luftqualität zu tun, sondern mit dem Raumklima. Dieses ist abhängig von Temperatur und Luftfeuchte, aber auch von anderen sogenannten Lasten in der Luft, zum Beispiel Kohlendioxid. Dazu zählen Ausdünstungen aller Art, sei es das wohlriechende Parfüm der netten Kollegin oder der unangenehme Zigarettengeruch des Kollegen. Die einfachste und schnellste Möglichkeit, wieder ein angenehmes Raumklima zu schaffen, ist Lüften. Und das auch im Winter!

Arbeiten in der Komfortzone
Wenn es so einfach ist, selbst die Luftbeschaffenheit zu verbessern, wozu braucht es dann raumlufttechnische (RLT-)Anlagen? Zum einen, um nach dem Lüften wieder ein behagliches Raumklima zu erzeugen. Das ist nicht so einfach, wie man denkt. Denn was wir meist nicht beachten, ist die Strahlungstemperatur. Der Mensch gibt ständig Wärme als Infrarotstrahlung ab und nimmt Strahlungswärme aus der Umgebung auf. Diese Infrarotstrahlung ist übrigens die Strahlung, die die Polizei bei Suchen mit Wärmebildkameras nutzt. Auch die sogenannten Raumumschließungsflächen (Wände, Böden, Decken und Fenster) geben Strahlung ab und nehmen Strahlung auf. Es hat sich der zwar falsche, aber hinsichtlich der Wahrnehmung treffende Sprachgebrauch eingebürgert, dass ein Fenster bei niedrigen Außentemperaturen „Kälte abstrahlt“. Richtig ist: Wir strahlen Wärme ab und bekommen vom Fenster, weil es kalt ist, wenig zurück. Resultat ist ein Wärmeverlust in Richtung Fenster. Solche Strahlungsasymmetrien sind häufig Ursachen für unbehagliche Empfindungen durch Abkühlung beziehungsweise Erwärmung der einer Strahlungsquelle oder -senke zugewandten Körperbereiche. Damit man im Büro also keine kalten Füße bekommt, müssen sich Planer und Bauherren viele Gedanken machen und entsprechende Komfort-Kategorien vereinbaren, wie sie in der Richtlinie VDI 3804 dargestellt sind. Die Höchsttemperaturen für den Kühlfall betragen in der Kategorie III (geringer Komfort) 27 °C, in Kategorie II (mittlerer Komfort) 26 °C und in Kategorie I (hoher Komfort) 25,5 °C. Die Mindesttemperaturen im Heizfall liegen entsprechend diesen Kategorien bei 19 °C, 20 °C und 21 °C. Die Richtlinie enthält zudem Anhaltswerte für verschiedene Oberflächentemperaturen, um diese bei der Planung bereits berücksichtigen zu können.

Gute Luft von allen Seiten
„Gute Luft“ hat nicht nur mit Behaglichkeit zu tun, sondern auch mit Luftqualität. Und auch dafür werden RLT-Anlagen eingesetzt. Eine RLT-Anlage darf nach VDI 6022 die Luftqualität zumindest nie schlechter machen als die Außenluft am Ort des Gebäudes. Dazu muss sie fachgerecht geplant, gebaut, betrieben und auch instand gehalten werden. Wie gut die Luft dort ist, wo ich sie einatme, hängt aber auch von der Luftführung im Raum und von der Lage der Verunreinigungsquellen ab. Verunreinigungen kann man entweder verdünnen oder wegpusten. Bei sogenannter turbulenter Mischlüftung werden alle Stoffe verdünnt und damit ziemlich gleichmäßig im Raum verteilt, während bei turbulenzarmer Lüftung die frische Luft den Mief geordnet „wegschiebt“. Die Kehrseite: Durch die gerichtete Luftströmung besteht das Risiko, dass es „zieht“. Daher benutzt man in Bereichen, in denen Gerüche ohne lästigen Zug abgeführt werden sollen, eine turbulente Mischlüftung. Sie kennen es aus dem Supermarkt: Den Geruch nach frischen Brötchen von der Bäckerei im Eingangsbereich finden wir ja vielleicht noch angenehm, aber schon an der Käsetheke scheiden sich die Geister, und wenn es in den Lebensmittelabteilungen nach Waschmittel röche, würde sicher schnell die Frage laut, ob das gesund sein kann. Für den Kunden erfolgt die Geruchsabfuhr ohne auffälligen Luftzug, weil die Zuluft dem Raum im Prinzip von allen Umschließungsflächen zugeführt und schnell mit der Raumluft vermischt wird.

Bild: VDI 3804Luftfuehrung

Luftführungssysteme, differenziert nach dem Ort der Luftzufuhr und der Strömungsform

 

Verkaufsräume stellen übrigens eine Besonderheit unter den Arbeitsplätzen dar, denn die Belastung mit luftfremden Stoffen ist dort besonders hoch, ohne dass man davon irgendetwas bemerken darf. In Möbelhäusern beispielsweise müssen die Mitarbeiter vor den Verunreinigungen im Innenraum geschützt werden, die von Möbeln und Textilien in Form von flüchtigen organischen Verbindungen ausgehen. (Man erinnere sich an die Diskussion um Formaldehyd aus Spanplatten vor einigen Jahren!) Neue Möbel in unserem Wohnzimmer riechen anfangs – na ja, eben „neu“. Nach einiger Zeit ist das verflogen. Mitarbeiter im Möbelmarkt sind diesen Ausdünstungen täglich ausgesetzt. Die speziellen Anforderungen an die Raumlufttechnik in Verkaufsräumen werden in der Richtlinie VDI 2082 behandelt.

Kann gute Luft dabei helfen, Energie einzusparen?
Dass RLT-Anlagen, die ja nun selbst Strom verbrauchen, um „gute Luft“ zu generieren, bei der Energieeinsparung helfen sollen, erscheint zunächst widersinnig. Doch im Winter wird es klar: Bei Fensterlüftung wird die miefige, aber auch mollig-warme Innenraumluft durch frische, aber kalte Luft ersetzt. Schade eigentlich, nicht wahr? Wenn man aber eine RLT-Anlage mit Wärmerückgewinnung nutzt, wird der aus dem Raum abgeführten Luft die Wärme entzogen und die Frischluft damit angewärmt. VDI 3803 Blatt 5 beschreibt die Geräteanforderungen an solche Wärmerückgewinnungssysteme. Bei aus Energieeffizienzgründen immer dichter werdenden Gebäuden wird langfristig kein Weg daran vorbei führen, die Luftqualität im Raum durch RLT-Anlagen mit Wärmerückgewinnung zu wahren.

VDI-Richtlinien – Muss ich das wissen?
Bessere Luft im Büro ist eine Sache, die jedermann direkt hilft, doch wie sieht es in den eigenen vier Wänden aus? Als Häuslebauer und Laie in einer Auftraggeberrolle, sollte ich davon ausgehen können, dass der von mir beauftragte Fachmann die anerkannten Regeln der Technik kennt und auch einhält. Dazu ist er verpflichtet. Ich muss mich also nicht um Details kümmern, die ich nicht verstehe, sondern kann in diesem Fall meine Anforderungen aus meiner Perspektive formulieren: „Ich will in meinem Haus/meiner Wohnung einen hohem thermischen Komfort, eine hohe Luftqualität und eine möglichst gute Energieeffizienz.“ Wie der Fachmann dies dann realisieren kann, steht z. B. in VDI-Richtlinien. Die Beratung und technische Umsetzung obliegt dann dem Fachmann. Wer sichergehen möchte, dass er an den richtigen Fachmann geraten ist, kann unter www.vdi.de/richtlinien nach der passenden VDI-Richtlinie suchen und bei Bedarf den Fachmann gezielt auf diese Richtlinie ansprechen.

Thomas WollsteinAutor: Thomas Wollstein
Position beim VDI: Technisch-wissenschaftlicher Mitarbeiter in der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik, Betreuer Fachbereich Facility-Management, Mitarbeit im Fachbereich Technische Gebäudeausrüstung.
Aufgabe beim VDI: Technische Regelsetzung, Mitgliederbetreuung und -gewinnung

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Kommentare & Pingbacks

2 Gedanken zu “Schlechte Luft im Büro?

  1. Die Luft spielt ja eine große Rolle bei der Arbeit. Man wird z.B. schnell müde, wenn es schwül ist, wie es in meinem Büro ist. Zu viel Parfüm stört auch bei der Arbeit. Bei der trockenen Luft fällt es den Händen schwer, an der Tastatur zu arbeiten. Es wäre ein Luftleitsystem sinnvoll, damit keine Gerüchte stören. Vernünftige Anregungen!

  2. Habe vom „Sick-Building-Syndrom“ gehört. Wie oft soll dann die Klimaanlage überprüft werden? Der Sommer hat begonnen, aber wir alle nieseln oft. Bedeutet es, dass Schimmel im Raum vorhanden ist? Gute frische Luft, sowie auch ein bienenfleißiges Team sind eine Investition doch wert!

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