Angehende Ingenieure am Ruder

Zu Besuch beim Deutschland-Achter

Mit zahlreichen Weltmeister- und Europameistertiteln und Olympiasiegen haben die Ruderer aus dem Deutschland-Achter in den letzten Jahrzehnten ordentlich abgeräumt. Nicht umsonst spricht man vom Flaggschiff des Deutschen Ruderverbandes.

Gefördert werden die erfolgreichen Wassersportler wie rund 3800 Athleten mit Kaderstatus von der Deutschen Sporthilfe. Die Stiftung und der VDI sind seit Sommer 2014 Partner und stellen auf dem Deutschen Ingenieurtag am 19. Mai ihre Kooperation vor. Mit dabei: Der Deutschland-Achter, der in seinen Reihen Ingenieurstudierende hat. Grund genug vorher schon mal im Ruderleistungszentrum in Dortmund vorbeizuschauen.

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Der Deutschland-Achter während der Weltmeisterschaft in Amsterdam 2014 (Bild: Detlev Seyb)

„Rudern? Das kenne ich, das ist doch das hier.“ Richard Schmidt reißt die Arme hoch und paddelt mit dem einen Arm nach oben und mit dem anderen nach unten. Wenn der angehende Wirtschaftsingenieur von den Reaktionen seiner Kommilitonen erzählt, fühlt man sich selbst ertappt. Denn auch ich weiß nicht genau, wie Rudern eigentlich funktioniert. Ich habe Ruderergometer im Fitnessstudio schon mal gesehen. Von weitem. Ich habe vor meinem Besuch Videos geguckt und mir die Theorie durchgelesen. Aber selbst gerudert? Fehlanzeige!

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Richard Schmidt (Bild: Detlev Seyb)

Damit bin ich nicht alleine. War Rudern früher Traditions- und gar Elitesport, geben heute andere Sportarten den Ton an. „Rudern ist im Vergleich zu Fußball unpopulär. Wir denken, den Ruderachter kennen alle, aber das stimmt nicht.“ Richard Schmidt, seit 2009 ununterbrochen beim Deutschland-Achter dabei, macht sich nichts vor. „Während der Olympischen Spiele in London und nach unserem Sieg standen wir zwei Wochen lang im Mittelpunkt, danach sind wir wieder in der Versenkung verschwunden.“

Kleiner Ruhm und kleines Geld also, aber große Leidenschaft für ihren Sport. Das teilen sie alle im Ruderleistungszentrum. Fast kommt man sich vor wie in einer Jugendherberge. Sportliche Mädels und Jungs auf Klassenfahrt, nur dass die rund ums Jahr sieben Tage die Woche dauert. Dass sich die Ruderer hier wohl fühlen merkt man trotzdem. Schlagmann Felix Wimberger führt persönlich durchs Gebäude. Er schwärmt von den Physiotherapie-Möglichkeiten, winkt ab bei der Gymnastikhalle und bleibt beim Kraftraum stehen, wo die Teamkollegen über 100 Kilo an der Langhantelstange reißen, Liegestütz oder Klimmzüge machen. Der kleine Raum liegt hinter einer Art Schaufensterscheibe. „Denen kann man ruhig beim Training zusehen“, nickt er in Richtung Innenraum. „Daran sind sie gewöhnt.“ Aha. Ein bisschen geniere ich mich trotzdem.

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Felix Wimberger (Bild: Detlev Seyb)

Geht es ums Training heißt die Zauberformel anderthalb: Anderthalb Stunden Training auf dem Wasser, sprich 24 Kilometer den Dortmund-Ems-Kanal rauf und runter, anderthalb Stunden Fahrrad fahren und anderthalb Stunden Ergometer. „Wettkämpfe sind toll, Training eher weniger“, so Felix Wimberger trocken. Wenn die Ruderer im Winter im Dunkeln starten und im Dunkeln das Training beenden und zwischendrin nur auf Displays starren, mit einem geschwächten Immunsystem und großen Belastungen des Rückens zu kämpfen haben, wird mir bewusst, wie hart sie für das arbeiten, was im Fernsehen so leicht aussieht.

Für Felix Wimberger, Maschinenbau-Student an der FH Dortmund, und Richard Schmidt ist damit noch nicht Schluss. Beide besuchen noch Vorlesungen, müssen lernen, sich auf Hausarbeiten und Prüfungen vorbereiten. Andere Teamkollegen studieren nebenher Medizin, denen geht es auch nicht besser. Bereut haben beide den Schritt trotz Doppelbelastung nicht. Doch wie geht es weiter? „Mich interessiert die Kombi aus Sport und Technik. Ich könnte mir gut vorstellen, später was mit Leistungsdiagnostik zu machen oder Prothesen zu entwickeln“, so Felix Wimberger. Richard Schmidt überlegt noch, was in zwei, drei Jahren kommt. „Erstmal freue mich auf meine hoffentlich dritten Olympischen Spiele.“

Ich drücke die Daumen und nehme mir nach meinem Besuch vor, die Arbeit des Deutschland-Achters in Zukunft kontinuierlich zu verfolgen. Selbst Rudern können muss man dafür ja schließlich nicht.

Cathrin Becker_2Autorin: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

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