#dit15-Thema: IKT in der Ingenieurwelt

„Zukünftige Ingenieure brauchen Grundausbildung in Informatik“

Die klassischen Ingenieurdisziplinen müssen sich darauf einstellen, Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) immer stärker als Werkzeug in ihrer täglichen Arbeit einzubinden. Dafür ist es wichtig, dass die heutige und die kommende Ingenieur-Generation ein Grundverständnis dafür entwickelt, was IT leisten kann. Wie aber sieht die Arbeitswelt der Ingenieure von morgen aus und welche Innovationen sind dank der IKT von Ingenieuren zu erwarten? Das haben wir im Hinblick auf den Deutschen Ingenieurtag (DIT) Dr. Heinz Bedenbender, wissenschaftlicher Mitarbeiter der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik, gefragt.

Was bietet die Informations- und Kommunikationstechnik der Ingenieurwelt?

Bild: VDIDr. Heinz Bedenbender, wissenschaftlicher Mitarbeiter der VDI/VDE-Gesellschaft Mess- und Automatisierungstechnik

Dr. Heinz Bedenbender

Einerseits bestehen deutliche Arbeitserleichterungen wie zum Beispiel durch die Automatisierung von Prozessen in der Produktentwicklung oder in der administrativen Auftragsabwicklung, andererseits ergibt sich eine Vielfalt neuer Möglichkeiten zur Gestaltung des persönlichen Arbeitsumfelds.

Ingenieure bedienen sich einer Vielzahl von Prozessen und arbeiten mit unterschiedlichen digitalen Werkzeugen. Sie verfügen daher über eine große Anzahl von Softwareprogrammen, die allerdings weder ausreichend vernetzt sind, noch – aus Zeitgründen – von ihnen effektiv genutzt werden können. Die sinnvolle Nutzung des sich explosionsartig ausbreitenden Angebots an IKT-Werkzeugen erfordert vom Anwender das kontinuierliche und kritische Überprüfen sowie das Weiterentwickeln der eigenen Arbeitsweise. Der zukünftige Ingenieur braucht daher zumindest eine Grundausbildung im Bereich der Informatik.

Welche Innovationen sind von Ingenieuren in der Zukunft zu erwarten?
Ingenieure schaffen die Voraussetzungen, um beispielsweise mit dem Klimawandel umgehen zu können. Dank der Entwicklung und Herstellung geeigneter Messinstrumente unterstützen sie die Erforschung der Ursachen für den Klimawandel. Durch intelligente und vernetzte IKT-Werkzeuge können logistische Aufgaben effizienter gelöst werden und so zum Beispiel Warenströme zielgerichteter gelenkt werden. Dadurch wird die Belastung des Klimas durch verkehrsbedingte Emissionen reduziert.

Auch der demografische Wandel macht vor der Ingenieurtätigkeit keinen Halt: Ingenieure sind gefordert, Produkte wie hochautomatisierte Haustechnik, Assistenzsysteme für gehandicapte Menschen sowie medizintechnische Geräte zu entwickeln. Für diese Produktgruppen gilt es, zukunftsorientierte Anforderungen zu erfassen und für die jeweilige Zielgruppe optimierte Produkte zu realisieren.

Was sind Chancen und Risiken der IKT für Ingenieure?
Chancen sehe ich ganz klar in der ständigen Datenverfügbarkeit sowie der Prozesstransparenz und der damit einhergehenden effizienteren Kommunikation und Koordination der Zusammenarbeit mehrerer Parteien. Dies erleichtert zudem die Wartung und speziell die Fernwartung von Produkten.

Die Verfügbarkeit moderner, hochleistungsfähiger IKT und ihre Nutzung in medizintechnischen Geräten zu Diagnosezwecken, zur Therapie oder für Präventionsmaßnahmen verschafft dem Ingenieur die Möglichkeit, einen Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit und somit der Lebensqualität der Bevölkerung zu leisten.

Die Risiken, die der steigende Einsatz von IKT mit sich bringt, sind immer kürzere Entwicklungszeiten und steigende Systemkomplexitäten, die zu immer mehr Stress für Ingenieure führen. Jedoch kann die IKT hier auch behilflich sein und das Stresslevel relativieren: Beispielsweise können Produktprobleme durch Fernwartung direkt vom Rechner aus behoben und Routineaufgaben automatisiert ausgeführt werden. Zudem können projektrelevante Informationen mittels IKT beschafft und die Produktentstehung virtuell simuliert werden.

Außerdem ist zu erwarten, dass weniger Personal notwendig wird sowie Geschäftsmodelle und Produkte ihre Individualität verlieren.

Was muss sich in Deutschland im Bereich der IKT tun, damit deutsche Ingenieure international weiterhin das Maß der Dinge bleiben?
Hier passt das Stichwort „angepasste Qualifikation“: Mit Blick auf die steigende Durchdringung des Engineerings mit Informationstechnologien in den Produkten sowie Engineering-Werkzeugen sind neue Rollenprofile und damit auch Ausbildungsinhalte und Weiterqualifizierungsmaßnahmen vorzusehen. Die klassische Mechanik-Entwicklung ist weniger dominierend als zuvor, dafür gewinnen beispielsweise Systemarchitekten mit mechatronischen und informationstechnischen Kenntnissen zunehmend an Bedeutung.

Mehr Infos zu den Themen sowie den Teilnehmern der Podiumsdiskussion und dem Programm des den 27. Deutschen Ingenieurtags, der am 19. Mai in Düsseldorf stattfindet, gibt es unter: https://ingenieurtag.vdi.de/.

philipp-busse-foto.256x256Das Interview führte: Philipp Busse
Position im VDI: PR-Volontär
Aufgaben im VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation, Social Media

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