Interview mit Trainerin Eva Knappe

Coaching speziell für Ingenieurinnen

Sie weiß, wovon sie spricht: Als Ingenieurin kennt Eva Knappe den Berufsalltag von Frauen im Ingenieurberuf ganz genau. Aufgefallen ist ihr dabei, dass Frauen anders arbeiten als Männer und dementsprechend auch eine andere Hilfestellung brauchen. So setzte sich die Trainerin das Ziel Ingenieurinnen gezielt zu fördern. In ihren Seminaren für technische Fach- und Führungskräfte, die sie auch erfolgreich im VDI Wissensforum anbietet, legt sie den Fokus speziell auf Frauen. Wir haben bei Eva Knappe nachgefragt, welche Themen dabei eine besondere Rolle spielen, wie sich ihre Seminare voneinander unterscheiden und welche Tipps sie Ingenieurinnen mit auf den Weg ins Berufsleben gibt.

Bild: privatEva_Knappe

Eva Knappe (Bild: privat)

Frau Knappe, stellen Sie sich doch bitte kurz in 140 Zeichen vor.
Mit über 20 Jahren Managementerfahrung als Diplom-Ingenieurin in internationalen Industrieunternehmen berate, unterstütze und begleite ich heute technische Fach- und Führungskräfte.

Warum ist es wichtig, Ingenieurinnen gezielt zu fördern?
Seitdem ich studiert habe, hat sich am Frauenanteil in den klassischen Ingenieurstudiengängen nicht wirklich viel verändert. Daher sind Ingenieurinnen in den meisten Unternehmen immer noch Einzelkämpferinnen. Oft fachlich hervorragend qualifiziert und hochkompetent,  arbeiten sie im technischen Umfeld in der Regel in männlich geprägten Unternehmens- oder Abteilungskulturen. Häufig sind den Ingenieurinnen die hier vorherrschenden Unterschiede in Verhalten und Kommunikation nicht bewusst, sie kennen und erkennen die impliziten Regeln nicht oder lehnen sie ab. Ich halte es deshalb für wichtig, hier Unterstützung zu leisten und zu motivieren  und Frauen gezielt zu fördern, damit sie sich eigene, zu ihnen passende Handlungsstrategien für ihr Arbeitsumfeld erarbeiten können.

Welche Themen sind besonders relevant? Gibt es so etwas wie Thementrends?
Sich durchsetzen im männerdominierten Umfeld und trotzdem Frau bleiben – Respekt und Akzeptanz bekommen – Selbstsicher und überzeugend auftreten in Gesprächen, Meetings und Präsentationen – sich und die eigene Leistung sichtbar machen und Erfolge verkaufen – schwierige Situationen souverän meistern und mit eigenen Emotionen umgehen – das sind aus meiner Sicht die Hauptthemen.

Wie unterscheiden sich Trainings oder Seminare speziell für Frauen von Veranstaltungen mit gemischten Teilnehmern?
Bei Veranstaltungen, die ich mit gemischtem Teilnehmerkreis im technischen Bereich durchführe, beträgt der Frauenanteil in der Regel 0 – 20%. Dies spiegelt leider die Realität in den meisten technischen Unternehmen wieder. Also haben die Frauen auch im Training einen Exotenstatus und fühlen sich nach eigenen Angaben „unter ständiger Beobachtung“. In den speziellen Frauenseminaren herrscht dagegen meist eine sehr entspannte, aber konzentrierte Arbeitsatmosphäre, in der ohne Druck Neues ausprobiert werden kann. Die Teilnehmerinnen schätzen besonders die große Offenheit untereinander, den Erfahrungsaustausch und das sehr konstruktive Feedback der anderen Teilnehmerinnen. Hier können auch Themen besprochen werden, die die Frauen im männlichen Kollegenkreis nicht diskutieren können oder wollen.

Sie sind Ingenieurin, arbeiten aber heute in einem anderen Beruf? Würden Sie Ihren Karriereweg noch einmal so gestalten oder würden Sie etwas anders machen?
Im Großen und Ganzen würde ich meinen Karriereweg ähnlich gestalten. Das technische Studium bietet eine solide und breite Basis für den weiteren Berufsweg und eröffnet vielfältige Möglichkeiten. Ich habe über 20 Jahre in der Industrie in verschiedenen Managementfunktionen gearbeitet und kann meine umfangreichen Praxiskenntnisse heute als Beraterin und Trainerin für technische Fach- und Führungskräfte ideal einbringen.
Was würde ich anders machen? Definitiv stärker und zielgerichteter Netzwerken und mir aktiv Unterstützung auf dem Weg nach oben suchen, z. B. in Mentoring-Programmen.
Auch ich hatte die Einstellung, „das kann ich alleine“, wie leider anscheinend viele jüngere Ingenieurinnen.

Warum engagieren Sie sich als Role Model im VDI-Projekt MINTalente?
Mädchen sollten meiner Meinung nach so früh wie möglich mit Naturwissenschaften und Technik in Berührung gebracht werden, am besten schon in der Grundschule, wenn noch unvoreingenommene Neugier herrscht. Technik gehört zum Alltag, dass muss für Mädchen sichtbar werden. Ich denke, das hilft Vorurteile gegenüber technischen Berufen abzubauen bzw. gar nicht entstehen zu lassen. Technik wird bei Mädchen und jungen Frauen leider häufig immer noch mit falschen Vorstellungen verknüpft, wie „sich schmutzig machen“, „Fingernägel abbrechen“,  „Technik ist Männersache“, usw. Dies möchte ich ausräumen und die vielfältigen Berufsbilder und Möglichkeiten in der Technik aufzeigen. Dafür bin ich mit meinem „bewegten“ Lebenslauf ein gutes Beispiel.

Welche Tipps geben Sie jungen Frauen auf dem Weg in den Ingenieurberuf mit?
Konzentrieren Sie sich auf Ihre Ziele und verfolgen Sie sie konsequent. Holen Sie sich dabei Unterstützung von erfahrenen Führungskräften oder Mentoren. Bauen Sie sich frühzeitig ein Netzwerk auf. Im technischen Bereich ist hier der VDI als größtes und überregionales Netzwerk sicherlich sehr hilfreich. Legen Sie sich ein dickeres Fell zu und nehmen Sie nicht alles persönlich. Trauen Sie sich zu, sichtbarer zu werden, auch und gerade als Frau zwischen den männlichen Kollegen. Ich halte es gerne mit einem Ausspruch von Henry Ford: „Ob Sie glauben, Sie können es, oder ob Sie glauben, Sie können es nicht – Sie werden Recht behalten.“

Cathrin Becker_2Das Interview führte: Cathrin Becker
Position beim VDI: Pressereferentin
Aufgaben beim VDI: Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne Kommunikation

 

 

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4 Gedanken zu “Coaching speziell für Ingenieurinnen

  1. Sehr geehrte Frau Knappe,
    gerne würdeich Sie einmal zu einem Vortrag in meinem Arbeitskreis einladen.

    Bitte rufen Sie mich dazu an 0151/14961325
    Mfg
    Isabell Raue
    VDI/EMR

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