Ladungssicherung

Gut gesichert in den Urlaub

Kaum hat die Reisezeit begonnen, endet sie auch schon wieder im Stau. Häufig sind umgekippte Lkw der Auslöser, falsche Ladungssicherung die Unfallursache.

Bild: Jtas / Shutterstock.com150629_VDI_RL_702x363-V1-T10

Pro Jahr verlieren Lastwagen auf deutschen Autobahnen etwa 8.000 Tonnen Ladung und verursachen damit rund 140 schwere Unfälle pro Tag! Dabei könnten bis zu 20 Prozent davon durch korrekte Ladungssicherung vermieden werden, so die Meinung von Unfallforschern. Nach Schätzungen der deutschen Versicherungswirtschaft sind noch immer bis zu 40 Prozent der Ladungen auf Lkw und Transportern so mangelhaft gesichert, dass andere Verkehrsteilnehmer gefährdet werden. Unfälle durch unzureichend gesicherte Ladung verursachen demnach jährlich bis zu 500 Million Euro Schaden.

Ladungssicherung geht uns alle an
Die richtige Ladungssicherung betrifft aber nicht nur die Logistik- und Transportbranche. Verkehrsmeldungen über Gegenstände auf der Fahrbahn, darunter auch herabgefallene Dachträger, machen deutlich, dass von jedem Kraftfahrzeug mit unzureichend gesicherter Ladung eine Gefahr ausgeht. Eine Ladung richtig zu sichern bedeutet nicht nur, dass sie nicht vom Dach herab- beziehungsweise aus dem Kraftfahrzeug herausfallen darf. Auch innerhalb des Wagens muss sie so verstaut und gesichert sein, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlichem Ausweichen nicht verrutschen, umfallen oder hin und her rollen kann. Der Grund dafür ist die Aufprallwucht, die ungesicherte Gegenstände durch die Fahrgeschwindigkeit erreichen können. Schon bei 50 km/h kann einem ein 0,1 kg leichtes Handy, das auf dem Armaturenbrett lag, mit 5,5 kg um die Ohren fliegen. Der 1-kg-Verbandskasten auf der Hutablage durchschlägt mit 55,5 kg die Frontscheibe, die Handtasche, die es gefüllt mit Reiseunterlagen und reichlich Kleingeld für Mautgebühren auf 3 kg bringt, schleudert den Insassen sogar mit 165 kg entgegen. Und wer seinen 60-kg-Vierbeiner mit in den Urlaub nimmt, der sollte wissen, dass dieser mit einer Aufprallwucht von 3.300 kg keine Chance zum Überleben hat.

Leider sieht man besonders im Urlaubsverkehr immer noch viele Autos, die so bis zum Dach vollgepackt sind, dass selbst der Rückspiegel nur noch den Blick auf Schlafsack, Spielzeug, Surfbrett oder Kühlbox freigibt. Apropos Kühlbox: Wussten Sie, dass eine Kühlbox Sie bei einer Verkehrskontrolle bereits 35 Euro Bußgeld kosten kann, selbst wenn Sie die Verkehrssicherheit nicht beeinträchtigt haben? Weil bei einer Rast Getränke und Snacks griffbereit sein sollen, wird die Kühlbox meist auf das übrige Gepäck gestellt und am besten noch nah am Kofferraumdeckel. Und damit haben Sie bereits gegen eine der Grundregeln der Ladungssicherung verstoßen, die jeder kennen sollte: schwere Gegenstände und Koffer immer nach unten und möglichst direkt an die Rücksitzlehne legen. Weitere Regeln sind: Achten Sie darauf, das Fahrzeug nicht zu überladen, also halten Sie das zulässige Gesamtgewicht ein. Wird über die Höhe der Rücksitzlehne geladen, ist ein stabiles Laderaumgitter oder auch ein Netz wichtig. Doch selbst damit darf die Ladung Sicht und Bedienung des Fahrzeugs nicht beeinträchtigen. Ragt die Ladung mehr als einen Meter über die Rückstrahler des Fahrzeugs hinaus, muss ein rotes Warntuch oder Warnschild am Ende der Ladung angebracht werden. Sportgeräte wie Ski und Räder transportiert man am sichersten auf entsprechenden Trägersystemen oder in einer Dachbox. Auch darin sollte man möglichst leichte Sachen verpacken, damit der Schwerpunkt des Fahrzeugs nicht zu weit nach oben wandert und damit die Straßenlage des Fahrzeugs bei Seitenwind beeinträchtigt. Verzichten Sie nun auch noch auf Glasflaschen im Innenraum, um scharfkantige Splitter beim Bersten zu vermeiden, dann haben Sie hinsichtlich Ladungssicherung alles richtig gemacht.

Stück-, Schütt-, Gefahrgut – Ladung ist vielfältig
So einfach wie hier lässt sich die korrekte Ladungssicherung für einen Lkw jedoch nicht beschreiben. Der Grund, weshalb es hier keine „Sieben goldene Regeln“ gibt, liegt in der Ladung selbst. Der eine transportiert beispielsweise Getränke, der andere Betonplatten, der Dritte wiederum Stahlrohre, der Vierte hat Sand oder Granulat geladen. Deshalb muss bei der Ladungssicherung sehr viel mehr als das reine Beladen selbst beachtet werden. Wie kann zum Beispiel Schüttgut gegen Herabwehen gesichert werden? Welchen Einfluss haben Gleit- und Reibwerte von Betonplatten? Wie lassen sich unterschiedliche Stückgüter zusammenladen? Welche Anforderung muss ein Netz erfüllen, damit es für den Transport zugelassen wird und wie gebraucht man eigentlich Zurrmittel? Auch die Verteilung einzelner Güter auf der Ladefläche eines Lkw ist wichtig, damit die höchstzulässige Achslast nicht überschritten wird. Schweren Einzelgütern können dadurch manchmal nicht formschlüssig verladen werden und sind entsprechend aufwendig separat zu sichern. Größere Logistikunternehmen beschäftigen speziell ausgebildete Verlader, die wissen, wie sie die Ladung fachgerecht zu sichern haben.

Bild: VDI 2700Lastverteilung

Laut Straßenverkehrsordnung sind aber auch Fahrer und Fahrzeughalter für die Ladungssicherung verantwortlich und werden im Falle einer Gefährdung des Straßenverkehrs oder eines Unfalls ebenfalls mit Bußgeldern und Punkten in der Verkehrssünderkartei belangt. Der §22 der SVO fordert daher, bei der Ladungssicherung „die anerkannten Regeln der Technik“ zu beachten. Und diese sind – schon seit über 30 Jahren – in der Richtlinienreihe VDI 2700 festgehalten. Diese VDI-Richtlinienreihe ist auch Grundlage bei Überwachungsmaßnahmen der Behörden sowie für Gerichtsurteile bei Verkehrsstreitfällen. Sie widmet sich nicht nur den Anforderungen an das Fahrzeug selbst, sondern behandelt auch ausführlich das Verhalten einer Ladung im Fahrbetrieb. Und das für die unterschiedlichsten Transportgüter, aufgeteilt in mehreren Richtlinienblättern. Die Richtliniereihe erklärt unter anderem den Unterschied zwischen kraft- und formschlüssiger Sicherung, die kombinierte Sicherung daraus, austauschbare Ladungsträger sowie Hilfsmittel zur Ladungssicherung. Und weil sich der sichere Umgang mit der Ladungssicherung nicht einfach „erlesen“ lässt und die Möglichkeiten zur Sicherung sich auch selbst permanent weiterentwickeln, veranstaltet das VDI-Wissensforum regelmäßig Schulungen für die Ausbilder für Ladungssicherung. Die Ausbilder können daraufhin Fahrer und Verlader in dem richtigen Umgang mit der Richtlinie unterweisen, damit diese nicht nur ein besseres Verständnis dafür erlagen, welche Gefahren von unzureichender Ladungssicherung ausgehen. Fahrer und Verlader können auch aktiv dazu beitragen, Unfälle durch verrutschte Ladung zu verhindern. Schließlich soll der Verkehr rollen und nicht die Ladung.

Iris_LindnerAutorin: Iris Lindner
Die Diplom-Ingenieurin (FH) ist für uns in Sachen Berichterstattung rund um die VDI-Richtlinien in den sozialen Netzwerken unterwegs.

Kommentare & Pingbacks

Ein Gedanke zu “Gut gesichert in den Urlaub

  1. Bei uns hat das Transportunternehmen das große Klavier abgeholt. Eigentlich wollten wir es selbst aus dem Haus schaffen. Das ging aber nicht so recht, daher mussten Profis das teure Instrument abholen.

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