Top-Job bei der Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG

Wie digitalisiert man Wasser in Bad und Küche?

Alexander Ritter, 25, arbeitet bei der Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG im Bereich Innovation. 2013 sollte im Unternehmen die Digitalisierung des Wassers im Bad- und Küchenbereich vorangetrieben werden. Die Neuentwicklung eines elektronischen Bedienkonzepts fiel in den Zeitraum seiner Bachelorarbeit, sodass er die Konzeption und Entwicklung des Bedienkonzepts übernehmen konnte. Hier könnt ihr seinen Erfahrungsbericht über diese spannende Zeit lesen:

Bild: DornbrachtRitter_Dornbracht_1

Alexander Ritter arbeitet bei der Aloys F. Dornbracht GmbH & Co. KG im Bereich Innovation und entwickelte ein neues elektronisches Bedienkonzept für Bad und Küche (Bild: Dornbracht)

Die Firma Dornbracht ist ein mittelständisches Familienunternehmen aus dem sauerländischen Iserlohn-Sümmern, das Bad- und Küchenarmaturen für den Premiumbereich herstellt und für innovatives Design in der Sanitärindustrie steht. Angefangen habe ich im Unternehmen 2008 als auszubildender Mechatroniker und technischer Verbundstudent für mechatronische Systeme. Nach dem erfolgreichen Abschluss meiner Ausbildung im Februar 2011 wurde ich mit mehreren kleineren Projekten an den Ingenieursalltag herangeführt.

Um auch technologisch den Premiumanspruch zu erfüllen, sollte 2013 bei Dornbracht die Digitalisierung des Wassers im Bad- und Küchenbereich vorangetrieben werden. Dazu musste ein neues elektronisches Bedienkonzept auf den Weg gebracht werden, das nicht nur für die übergreifende Installation in Bad und Küche geeignet ist, sondern auch in Bezug auf Design, Feedback, Benutzerfreundlichkeit und Ergonomie den Ansprüchen entspricht. Diese Neuentwicklung fiel glücklicherweise in den Zeitraum meiner Bachelorarbeit, sodass ich die Konzeption und Entwicklung des Bedienkonzeptes übernahm.

Angefangen auf dem berühmten „weißen Blatt Papier“ wurde mir früh klar, dass ein modulares und hochflexibles Produkt entworfen werden musste. Denn es sollte nicht nur die Dusche im Fokus liegen, sondern auch die Wanne, der Waschtisch und die Küche – also Anwendungen mit unterschiedlichen Installationsszenarien, Funktionen und Designs. Auch die widrigen Umstände, die in der Küche durch Verunreinigungen oder im Bad durch hohe Luftfeuchtigkeit und Wasser auftreten, mussten bedacht werden. Nasse und seifige Finger haben einen negativen Einfluss auf die Haptik. Das optische Feedback kann durch eine fehlende Sehhilfe oder Wasser in den Augen eingeschränkt sein. Daher sollte die Eingabemethode diese Einschränkungen so gut wie möglich minimieren. Auch die Bedienungslogiken und –strukturen sollten so ausgelegt werden, dass eine versehentliche Fehlbedienung vermieden oder ein unerfahrener Nutzer in der Bedienung unterstützt wird.

Inspiration durch Spielekonsolen
Nach einer Recherche durch unterschiedlichste Branchen wurde klar, dass ein Mix aus der Bedienung klassischer Sanitärarmaturen und moderner Eingabegeräte, wie sie in der Automobilindustrie oder in Spielekonsolen zu finden sind, zum Einsatz kommen sollte. Es entstanden zwei unterschiedliche Eingabegeräte, die in Kombination den Anforderungen gerecht werden. Das erste Eingabegerät, ein dreh- und drückbarer Griff mit integrierter Lichtaura, der je nach Bedarf Wassertemperatur und Wassermenge verändern kann. Kombiniert werden die beiden Griffe mit einem Vier-Wege-Taster mit integriertem Display, einem weiteren Eingabegerät. Die vier Tastrichtungen können mit Funktionen belegt werden. In der Dusche exemplarisch für die Aktivierung der gewünschten Auslassstelle oder in der Küche für den elektronischen Abfluss. Mit dem Display können die Temperaturen oder Durchflüsse angezeigt werden, die durch die beiden Drehgriffe eingestellt werden können. Um einer Fehlbedienung und Unverständnis vorzubeugen, gibt es keine Untermenüs. Die gesamte Bedienungslogik findet in einer Ebene statt.

Nach Abschluss des Konzepts ging es in die Konstruktionsphase. Mittels CAD-Software wurden die Einzelkomponenten und Baugruppen konstruiert. Die funktions- und fertigungsgerechte Auslegung, sowie Festigkeitsberechnungen und Toleranzbetrachtungen waren hier Kernthemen. Zusätzlich stellte die Integration der Elektronik eine Herausforderung dar. Neben minimalen Platzverhältnissen mussten auch auf die EMV-Eigenschaften geachtet werden. Des Weiteren habe ich den Prototypen- und Musterbau übernommen und dabei auf unterschiedlichste Fertigungsverfahren, wie den 3D-Druck, konventionelle oder CNC gesteuerte Maschinen, zurückgegriffen. Anhand der Prototypen konnte ich die Konstruktion in Haptik-, Usability- und Belastungstests verifizieren.

Im März 2013 wurde auf der ISH in Frankfurt, der führenden Sanitärmesse, das neue System der Öffentlichkeit vorgestellt. Ich hatte von der Nullserie bis hin zur endgültigen Serienfertigung die Produktionsprozesse mit aufgebaut und begleitet. Fast alle unserer gezeigten Anwendungen auf der Messe wurden mit meiner Entwicklung ausgestattet. Das war für mich ein Gänsehaut-Erlebnis und eine große Anerkennung meiner Arbeit.

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